Alte neue Bekannte

DORTMUND Vor ein paar Monaten ist er 65 Jahre alt geworden, zum Geburtstag hat er ein neues Album herausgebracht. Am 24. Februar stellt Hannes Wader das im PZ Hombruch in Dortmund vor. Wir haben mit ihm gesprochen.

von Von Niels-Holger Schmidt

, 01.01.2008, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Alte neue Bekannte

Hannes Wader gastiert in Dortmund und Gelsenkirchen.

Ihre neue Platte ist eigentlich eine Alte: Auf "Neue Bekannte" haben Sie alte Nummern neu aufgenommen. Ist Ihr kreatives Pulver verschossen?

 Hannes Wader: Ich habe mein Pulver nicht verschossen. Ich habe ja nur ein halbes Jahr vorher die Platte "Mal angenommen" mit neuen Liedern herausgebracht. Die Platte mit den alten Liedern ist bewusst danach erschienen. Die Frage: "Fällt ihnen nichts mehr ein" erledigt sich damit von selbst.

Warum die Neuaufnahmen?

Wader: Vor allem, weil die Plattenfirma "Universal", bei der die Hälfte meines Oeuvres liegt, nach und nach diese CDs einstampft. Ich möchte, dass diese Lieder noch zu haben sind, ganz handfest als CD. Das ist für mich als einem etwas altmodischen Menschen wichtig.

Was hat "Universal" gegen ihre Platten?

Wader: Das hat mit mir persönlich wohl weniger zu tun, mehr mit der Logik eines weltweit agierenden Medienkonzerns. Ich bin als ein deutscher Liedermacher für die vollkommen uninteressant. Die haben vor Jahren meine ehemalige Plattenfirma "Phonogram" übernommen, und somit auch die alten Sachen von mir. Wenn ich bei "Universal" anriefe, würden die wohl fragen: "Wie buchstabiert man Ihren Namen?" Die kennen mich nicht und es hat auch keinen Zweck, mit denen zu verhandeln.

Sie wollen nicht zu politischen Liedern gedrängt werden. Das haben Sie auf "Mal angenommen" gesagt. Dabei sind die Texte dieser CD wieder sehr politisch. Ein Widerspruch?

Wader: Vielleicht ist es kleiner Widerspruch. Aber ich hatte seinerzeit einfach Lust dazu, quasi per Auftrag politische Lieder zu schreiben. Lust zu haben ist aber für mich der einzige Impuls, der zählt. Wenn ich Lieder schreibe, gibt es keine Pflicht. Ich stelle an mich nur den Anspruch, es gut machen. Was ich schreibe, das gebe ich mir nur selbst vor.

Woher kommen Lust oder Unlust? Haben sich die Verhältnisse so verändert, dass Hannes Wader wieder politische Lieder schreiben musste?

Wader: Ich bin nicht mehr so an der vordersten Front wie früher, reiße das Maul nicht mehr gleich so auf. Das hat auch mit politischen Enttäuschungen zu tun. Und ich überdenke verschiedene Dinge mehr, bevor ich mich äußere. Außerdem engagiere ich mich nicht mehr für eine Partei. (Anm.: Wader war früher in der DKP.) Das ist der Unterschied. Aber meine Grundüberzeugungen sind so, wie sie waren.

Ihr Freund Konstantin Wecker engagiert sich noch für eine Partei, Die Linke, hat auf deren Gründungsparteitag gespielt. Was halten Sie davon?

Wader: Das ist völlig in Ordnung. Wir sind in vielen Dingen einer Ansicht. Nur ist Konstantin schon von seinem Temperament engagierter als ich, hängt sich mehr rein. Ich bin etwas langsamer, von verhaltenerem Temperament. In den Grundansichten stimmen wir weitgehend überein.

Über "Mal angenommen" haben Sie gesagt, dass Sie dieses Album so konzentriert wie kaum ein anderes erarbeitet haben. Können Sie diesen Arbeitsstil denn beibehalten?

Wader: Es ist ein Stil, den ich gern behalten würde, aber wahrscheinlich nicht beibehalten kann. Es soll ja im nächsten Jahr eine neue Platte geben und ich habe schon Ideen für neue Lieder. Und die wollen dann auch irgendwann heraus, wollen aufgenommen sein. Obwohl ich sie vorher lieber 30 Mal spielen würde. Aber das wird nicht gehen, sonst kommt die nächste Platte womöglich erst in fünf oder zehn Jahren. Das ist ein Widerspruch. Und der ist eben bei den "Neuen Bekannten" entfallen. Die Lieder kannte ich ja schon in- und auswendig.

 

Konzerttermine:

24.2.08, 20 Uhr, PZ Hombruch, Dortmund, Karten unter Tel. (02365) 50 35 500.

25.2.08, 20 Uhr, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen. Karten unter Tel. (0209) 4097-200 .