Am Kreuzweg in Coesfeld fallen schon bald 176 Bäume

Standsicherheit gefährdet

Genau 176 Bäume werden in den kommenden Wochen am Kreuzweg in Coesfeld gefällt. Hinzu kommen zahlreiche Bäume, die beschnitten werden müssen. Ansonsten könnte es zu Unfällen kommen.

Coesfeld

von Detlef Scherle

, 30.11.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Matthias Schulte-Everding, Revierleiter beim Regionalforstamt Münsterland, zeigt die Schäden an einem nicht mehr standsicheren Baum.

Matthias Schulte-Everding, Revierleiter beim Regionalforstamt Münsterland, zeigt die Schäden an einem nicht mehr standsicheren Baum. © Allgemeine Zeitung

Auf dem Stamm prangt eine dicke rote Drei. Matthias Schulte-Everding klopft auf die rissige Rinde des Baumriesen, der unweit der Großen Kapelle steht. Der Revierleiter des Regionalforstamtes Münsterland deutet auf kleine Löcher, die von Spechten stammen könnten: „Und wenn der Specht da dran ist, ist da auch ein Käfer drunter“, spricht er den Schädlingsbefall an, der der Buche schon erheblich zugesetzt hat.

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Gerade die Buchen haben in den vergangenen Trocken-Sommern arg gelitten. Die Schäden sind aber auch bei anderen Baumarten, die dem Kreuzweg seine majestätische Kulisse verleihen, enorm. Beim Spaziergang zeigt Schulte-Everding immer wieder nach oben, wo viel Totholz zu erkennen ist. Manche Kronen sind Totalausfälle.

Kreuzweg gilt offiziell als Wald und gehört der Kirchengemeinde

Gemeinsam mit einem Kollegen hat er die Standsicherheit der Bäume auf den 4,5 Kilometern Kreuzweg zwischen Großer Kapelle und Westfleisch geprüft, der der katholischen Pfarrgemeinde St. Lamberti gehört. Das Urteil, das die Experten fällen, ist für Naturfreunde erschütternd: 176 Bäume (rot nummeriert) müssen gefällt werden – im Schnitt alle 25 Meter einer. An 81 weiteren (gelb markiert) sind umfangreiche Pflegemaßnahmen erforderlich, um sie zu erhalten.

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Der Kreuzweg gilt offiziell als Wald. Würde er naturnah bewirtschaftet, könnte auch ökologisch wertvolles Totholz stehen bleiben. Nach dem Waldgesetz gilt: Betreten auf eigene Gefahr. Aber weil der Kreuzweg so stark genutzt wird und parallel Straßen verlaufen, sieht sich die Kirche in der Pflicht, etwas zu unternehmen, bevor etwas passiert: „Das Problem ist die Verkehrssicherung“, erklärt Andreas Vennebörger, Referatsleiter in der Zentralrendantur.

Wirtschaftliche Interessen, zum Beispiel durch die Nutzung des Holzes, versichert er, habe die Kirche nicht. Im Gegenteil. Die Pflege- und Fällaktion werde einen niedrigen bis mittleren fünfstelligen Betrag verschlingen – wie viel genau ist noch unklar. „Das zeigt sich erst bei den Arbeiten.“

Abschnitte des Kreuzweges und der Straßen werden gesperrt

Die sollen Mitte Dezember beginnen und abschnittsweise den Winter über bis Ende Februar andauern, erklärt Kirchenvorstandsmitglied Berthold Kreikenberg. Er ist dankbar, dass die Anlieger, die auch sonst schon ehrenamtlich kleinere Pflegearbeiten durchführten, die Fällarbeiten übernehmen: „Für die Pflegemaßnahmen in den Kronen kommt dann ein Fachunternehmen zum Einsatz.“

Er bittet die zahlreichen Nutzer des Kreuzweges um Verständnis, dass in dem genannten Zeitraum immer wieder Bereiche (auch der angrenzenden Straßen) gesperrt werden müssen. Diese Absperrungen sollten auf jeden Fall beachtet werden, auch wenn man da als Jogger leicht hindurchschlüpfen könne. Ob alles bis Ende Februar fertig wird, ist noch unklar. Das hängt auch von der Witterung ab. Mit Rücksicht auf die Brutzeit soll dann aber auf jeden Fall eine Pause eingelegt werden. Vennebörger: „Dann ginge es im nächsten Winter weiter.“

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