Amokfahrt von Münster jährt sich: Ermittlungen noch nicht zu Ende

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Am 7. April 2018 rast ein psychisch labiler Deutscher mit seinem Kleinbus in eine Außengastronomie in Münster. Zwei Jahre nach der Tat laufen die Ermittlungen in dem Fall noch.

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06.04.2020, 08:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Menschen stehen vor einem der Lokale am Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafe gefahren war.

Menschen stehen vor einem der Lokale am Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafe gefahren war. © picture alliance/dpa

Zwei Jahre nach der Amokfahrt mit vier Toten und über 20 Verletzten in der Altstadt von Münster sind die Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Münster noch nicht abgeschlossen. Gegen den Fahrer, der sich nach der Tat erschossen hatte, wurde zwar nicht ermittelt. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt müssten aber noch abschließend alle vorliegenden Anzeigen und Hinweise in den umfassenden Ermittlungsakten der Polizei bewertet werden, bevor sie geschlossen werden könne. So war zum Beispiel unklar, wer dem Täter die Waffe geliefert hatte. Auch gab es eine Anzeige gegen die Stadt Münster, weil wegen einer Baustelle ein Absperrpoller am Tatort fehlte.

Am 7. April 2018 war ein psychisch labiler Deutscher mit seinem Kleinbus in eine Außengastronomie am Kiepenkerl - einem Denkmal in Münster - gerast. Vier Menschen wurden getötet und über 20 verletzt. Anschließend erschoss sich der Täter.

Nach Amokfahrt ist Corona nun großes Thema

Wilma von Westphalen, die Wirtin des Großen Kiepenkerl, kämpft vor dem zweiten Jahrestag am Dienstag mit den Folgen der Corona-Krise. „Die Amokfahrt hat eigentlich in den zurückliegenden Monaten bei uns im Team keine Rolle mehr gespielt. Jetzt aber mussten wir für einige Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Per Whatsapp halten alle Kontakt und muntern sich auf.“

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Die Gastronomin (50) zeigte sich trotz der schwierigen Lage optimistisch. „Wir schlagen uns gut. Ich bin sehr dankbar, wie die Politik das gerade alles regelt und wie der Staat funktioniert.“

Keine Lust auf Katastrophen-Tourismus

Geärgert habe sich von Westphalen zuletzt jedoch über zwei Reiseführer, die ihren Betrieb in direktem Zusammenhang mit der Amokfahrt präsentiert hatten. Das fördert in ihren Augen nur den Katastrophen-Tourismus und empöre sie. „Wenn Betroffene hier hinkommen, um das Erlebte zu verarbeiten, ist das in Ordnung. Alles andere macht mich fassungslos.“

Zuletzt sei ein Paar erschienen, das bei der Amokfahrt auf dem Platz gesessen hatte und körperlich unverletzt blieb. „Sie waren seitdem zum ersten Mal wieder in Münster. Wir haben uns nur angeschaut - und uns ohne Worte verstanden.“

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