Angebliches Koksbild: Shakira will gegen zwei deutsche Rapper vorgehen

Klage

Sängerin Shakira will juristisch gegen zwei deutschen Rapper vorgehen. Auf dem Cover ihres Songs „Shakira“ ist eine Frau beim Koksen zu sehen, die der Kolumbianerin ähnlich sieht.

25.07.2020, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Libanon, Ariz: Die Sängerin Shakira aus Kolumbien gibt ein Konzert beim Cedars International Festival.

Pop-Rock-Sängerin Shakira geht gegen zwei deutsche Rapper vor. © picture alliance/dpa

Aus rein ökonomischer Sicht ist das provokative Konzept aufgefangen: Bis Samstagmittag riefen immerhin 4,6 Millionen User den Clip der beiden Deutschrapper Kalazh44 und Samra auf Youtube auf. Beworben hat das Duo das Lied „Shakira“ mit einem Cover, auf dem eine Frau zu sehen ist, die der Grammy-Gewinnerin sehr ähnlich ist – und kurz vor dem Kokainkonsum steht.

Im Text heißt es „Zieh kolumbianisches Koks wie Shakira“. Laut der größten kolumbianischen Zeitung „El Tiempo“ geht Shakira nun gegen die beiden Deutschrapper juristisch vor. Wegen der Nutzung ihres Namens.

Aber im Grunde geht es um viel mehr. Dass ausgerechnet Shakira mit Kokainkonsum in Zusammenhang gebracht wird, überrascht. Denn die Kolumbianerin engagiert sich seit Jahren in ihrer Heimat aktiv gegen die Folgen des Drogenkrieges.

Sie ließ durch ihre Stiftung in Armenvierteln zahlreiche erstklassige Schulen bauen, damit Kinder und Jugendliche aus bettelarmen Schichten eben nicht gezwungen sind, Geld mit dem Drogenhandel oder -anbau zu verdienen. Schüler aus diesen sozial benachteiligten Regionen des Landes, in denen der Drogenkrieg besonders heftig tobt, schneiden landesweit mit erstklassigen Ergebnissen ab.

Kolumbianer verärgert über Kokainwitze

Hinzu kommt, dass ein Großteil der kolumbianischen Bevölkerung verärgert ist über die sich ewig wiederholenden Kokainwitze der Ausländer, die die tatsächlichen Zustände im Land gar nicht kennen. Fast jeder Kolumbianer hat es im Ausland schon erlebt, dass er mit Scherzen über Kokain oder Kokainkonsum begrüßt wird.

Nicht wenige werden sogar direkt mit der Frage konfrontiert, ob sie nicht selbst etwas dabeihätten oder besorgen könnten. Die erfolgreiche Netflix-Serie „Narcos“ über Drogenbaron Pablo Escobar aus Medellin hat dieses Phänomen noch einmal verstärkt.

Ähnlich wie es Deutschen mit Hitler-Vergleichen ergeht oder Migranten in Deutschland, die mit der Kriminalität einiger weniger Menschen mit Migrationshintergrund in einen Topf geworfen und dafür mitverantwortlich gemacht werden, sind auch die Kolumbianer davon einfach nur noch genervt. Viele Kolumbianer empfinden das als systematischen Rassismus.

Die kolumbianischen Zeitungen listen bei jedem neuen Fall Künstlerinnen und Künstler auf, die ihre Produkte mit gezielten Kolumbien-Anspielungen provokativ bestücken.

Für Kokaanbau werden jährlich Tausende Hektar Regenwald vernichtet

Es gibt aber noch eine zweite Seite: Der in vielen Songs verherrlichte, zumindest aber verharmloste Kokainkonsum ist eine der Ursachen für schwerste Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen nicht nur in Kolumbien, sondern ganz Lateinamerika. Für den Kokaanbau werden jedes Jahr Tausende Hektar Regenwald vernichtet, indigene Völker von ihrem Land vertrieben und Umweltschützer, die sich der Mafia in den Weg stellen, ermordet.

Zugleich finanziert der europäische und damit auch deutsche Kokainkonsum Bürgerkriege, Waffenhandel und politische Korruption. Leidtragende ist vor allem die bettelarme kolumbianische Landbevölkerung, die immer zwischen die Fronten rivalisierender Drogenkartelle und mit ihnen verbündeter Guerillabanden oder paramilitärischer Banden gerät.

Diese Hintergründe sind aber meist nur Einheimischen wie Shakira bestens vertraut, die deshalb besonders sensibel auf das Thema Kokain reagieren. Vielleicht auch deshalb dringt Shakira laut kolumbianischen Medienberichten darauf, dass ihr Bild mit der konsumfertigen Linie Koks wieder verschwindet, auch wenn das Internet solche Bilder niemals vergisst.

Der offenbar bewusst provozierte Skandal auf dem Rücken eines Landes, das ohnehin schon die brutalen Konsequenzen des weltweiten Kokainkonsums zu erleiden hat, ist dagegen nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Er hat sein Ziel ohnehin schon erreicht.