Angst vor dem Coronavirus stoppt Erntehelfer an den Grenzen

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In der Landwirtschaft ist die Sorge groß: Es gibt in diesem Jahr nicht genug Erntehelfer aus dem Ausland. Das trifft zunächst vor allem Landwirte, die Spargel und Erdbeeren anbauen.

Unna

, 22.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Landwirt Johannes Laurenz aus Werne stehen die Sorgenfalten auf der Stirn. Der Hof Schulze-Blasum, den er führt, setzt im Frühjahr vor allem auf Spargel und Erdbeeren. Doch die Angst vor dem Coronavirus sorgt dafür, dass ihm in diesem Jahr Erntehelfer aus Südosteuropa fehlen.

„Zunächst kommen immer zwei bis vier Mann. Die bereiten alles vor, bauen Folientunnel. Die sind auch schon da“, erklärt Laurenz. Das Problem: Sonst sind es zur Erntezeit rund 30 Menschen, die auf dem Hof Schulze-Blasum Arbeit finden. Und die werden diesmal wohl nicht kommen.

Busfahrer fürchten mögliche Quarantäne

„Das Problem ist noch nicht mal, dass die Arbeiter Angst hätten. Es finden sich schlicht keine Busfahrer und Unternehmen, die die Rumänen über die Grenze und dann hierher bringen. Die haben Angst, bei ihrer Rückkehr für 14 Tage in Quarantäne zu müssen“, weiß Laurenz.

Ersatz für die Rumänen ist nicht zu finden. Den Job, den die südosteuropäischen Hilfsarbeiter machen, will kaum jemand übernehmen. Erntehelfer zu sein, bedeutet, Tag für Tag schwer körperlich zu arbeiten. „Wenn Julia Klöckner, erklärt, die jetzt arbeitslosen Kellner könnten doch auf den Feldern arbeiten, dann ist das Quatsch“, sagt Laurenz. Inzwischen hat die Bundeslandwirtschaftsministerin (CDU) auch vorgeschlagen, Asylbewerber könnten die Lücken auf den Feldern füllen.

Erntehelfer sind geübte Kräfte

Das aber wird so einfach nicht möglich sein. „Das weiß auch Frau Klöckner, die doch von einem Weingut kommt“, ärgert sich Laurenz. Die Arbeiter, die Jahr für Jahr zu ihm auf den Hof kämen und natürlich auch den Mindestlohn verdienen würden, seien geübt. „Die wissen, was sie da tun“, so Laurenz.

Normalerweise baut er Spargel auf 15 Hektar Fläche an. Das ist in diesem Jahr Utopie. Laurenz: „Wir bereiten drei Hektar vor, die wir mit Familienkräften bewirtschaften können. Und zum Glück kann ich ja auch selbst Spargel stechen.“

Weniger Spargel und höhere Preise

Es wird also deutlich weniger Spargel geben – nicht nur auf dem Hof Schulze-Blasum, sondern überall im Land. und bei Erdbeeren sieht der Fall ähnlich aus. Verbraucher dürften das an deutlich höheren Preisen spüren. Diese aber brauchen die Landwirte dringend, ihre Erzeugnisse seien dieses Geld wert.

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Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, weiß um die Sorgen der Bauern: „Die meisten Saisonarbeitskräfte auf deutschen Feldern kommen aus Ost- und Südosteuropa. Wenn die Grenzen dicht sind, bleiben diese Arbeitskräfte aus“. Wenn die notwendigen Erntehelfer zum Stechen des Spargels und zum Pflücken der Erdbeeren ausblieben, bleibe auch ein Großteil des Spargels und der Erdbeeren auf den Feldern.

Genauso treffe das Problem aber auch die Gemüsebauern. Zunächst sei die Pflanzarbeit und dann die Ernte des Gemüses auf den Feldern angesagt. Ohne ausländische Arbeitskräfte sei das Arbeitspensum nicht zu stemmen.

Kredite sind für Bauern keine Lösung

Die vom Bund angekündigten Hilfen für die Wirtschaft lösen das Problem für die Bauern aus der Sicht von Johannes Laurenz nicht. „Kredite bleiben Kredite“, sagt er – unabhängig vom Zinssatz seien es Schulden, die die Landwirte zusätzlich zu ihren regelmäßigen Investitionen auf sich nehmen müssten. Direktzahlungen könnten ein Mittel sein, das schneller hilft und möglicherweise auch wirksamer ist. Doch davon ist seitens des Bundes (noch) nichts zu hören.

UPDATE: Inzwischen ist die Einreise von ausländischen Saisonarbeitern durch die Bundesregierung untersagt worden.
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