ARD-Unterhaltungskoordinator kritisiert ESC-Entscheidungen scharf

Eurovision Songcontest

Erst wurde der ESC abgesagt, jetzt werden gleich zwei Alternativprogramme für den 16. Mai angekündigt. Wie das abgelaufen ist, findet Thomas Schreiber von der ARD gar nicht gut.

01.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der ESC wurde wegen des Coronavirus abgesagt.

Der ESC wurde wegen des Coronavirus abgesagt. © picture alliance/dpa

Der ESC wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Nun wurden gleich zwei Alternativprogramme angekündigt, die in Konkurrenz zueinander treten: Während Stefan Raab für den 16. Mai einen Musikwettbewerb namens „Free European Song Contest“ auf Pro7 plant, organisiert die Europäische Rundfunkunion (EBU) für denselben Tag die Show „Europe Shine a Light“.

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber spricht in einem Interview mit dwdl.de nun über die Planung der Sendungen – und übt scharfe Kritik an den ESC-Entscheidungen. So erklärt er, dass er gemeinsam mit Raab bei der EBU ein Konzept für ein ESC-Alternativprogramm eingereicht hatte, das aber abgelehnt worden sei. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagt er dazu: „In einer idealen Welt hätten das Erste und Stefan Raab am 16. Mai zusammengearbeitet – so wie von mir vorgeschlagen. Jetzt gibt es ein europaweites Programm im Ersten und ein deutschlandweites Programm bei Pro7 am selben Tag. #Europetogether muss das Ziel am 16. Mai sein.“

ARD unterstützt europäische Idee – und nicht die von Raab

Zur Konkurrenz der beiden Veranstaltungen sagt Schreiber zu dwdl.de außerdem: „Ich finde es schwierig, wenn sich Deutschland als eines der großen Länder in Europa einer europäischen Idee entziehen würde, deswegen sind wir mit dabei und unterstützen das jetzt.“ Das Erste werde „Europe Shine a Light“ am 16. Mai live übertragen.

Raabs Idee an sich kritisiert er dabei gegenüber dwdl.de nicht. Er sagt der Medienseite stattdessen: „Es ist eine schöne Idee, leider am falschen Sendetag.“ Er kritisiert aber, dass nicht in einem Zuge der ESC abgesagt und gleichzeitig angekündigt wurde, was stattdessen am 16. Mai passiert und wann und wo der ESC 2021 stattfindet.

„Inhaltlich falsch und von der Kommunikation her unprofessionell“

Was jedoch schnell bekannt gegeben wurde, ist, dass die Kandidaten für den abgesagten ESC 2020 im nächsten Jahr nicht mit ihren diesjährigen Songs antreten werden würden. „Diese Regel für 2021 war eine Entscheidung der sogenannten Reference Group der EBU zwei Tage nach der Absage, zu einem Zeitpunkt, zu dem es keinen Host-Broadcaster als ausrichtenden Sender für 2021 gab und auch noch keinen Sendetermin“, sagt Schreiber.

„Das hat erst mal ein engagiertes Investment in vielen europäischen Ländern zerstört, in der Addition sicher Millionen, ohne die Garantie zu haben, dass es 2021 einen Eurovision Song Contest geben wird. Es gab vorher auch keine Konsultation der anderen Länder. Das finde ich inhaltlich falsch, von den wirtschaftlichen Konsequenzen verantwortungslos und von der Kommunikation her unprofessionell“, so seine deutliche Kritik.