Auch Kaiser Nero und Marco Polo schleckten Eis

Kulturgeschichte

Sobald die Sonne scheint, lechzt unsere Zunge nach Eis - Ein Phänomen, das sich geradezu in unseren biologischen Rhythmus eingeschlichen hat. Kein Wunder, lassen wir uns Gefrorenes doch seit Jahrtausenden auf der Zunge zergehen. Und wer hat' s erfunden? Die Italiener waren es nicht...

von Von Anne-Kathrin Neumann

, 14.07.2009, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Kaiser Nero und Marco Polo schleckten Eis

Marco Polo brachte die Rezepte für Speiseeis im 13. Jahrhundert nach Europa.

Tatsächlich hatten die Chinesen ihre Nase vorn bei der Eisherstellung. Sie naschten bereits in der Antike. Der Schlecker-Spaß bestand aus geschabten Eis und Schnee von den Bergen und wurde mit Milch, Früchten, Gewürzen und Honig verfeinert.Kaiser Nero ließ sich Eis von seinen Sklaven bringen

Auf welchem Weg Gefrorenes auf die Zungen der Europäer gelangte, bleibt ein Geheimnis. Überliefert ist die Vorliebe für Eisiges bei einigen griechischen Dichtern, Alexander dem Großen und Hippokrates. Letzerer schwor gar auf die heilende Wirkung der Nascherei. Die römischen Herrscher haben sich mit ihren pfiffigen Geistesblitzen zur Eisbeschaffung einen Spitzenplatz in der Kulturgeschichte der Köstlichkeit gesichert: Kaiser Nero ließ sich seine Eisportion von Sklaven bringen, die es per Staffellauf aus den Alpen nach Rom beförderten. Die Römer lagerten das Eis in tiefen Kellern Um die große Schmelze zu umgehen, bauten die Römer Keller oder holzverkleidete Erdlöcher, die sie mit Stroh abdeckten. Mit dem Untergang des römischen Reichs war Schluss mit Schlecken.

Erst Marco Polo brachte die Rezepte im 13. Jahrhundert aus Asien wieder nach Europa. Doch zunächst streckten nur Adlige ihre Zungen danach aus. Angeblich haben Katharina di Medici und Heinrich II bei ihrer Vermählung 1533 Eis genascht.Katharina di Medici ließ Eis auf ihrer Hochzeit mit Heinrich II servierenIm 17. Jahrhundert trat es ausgehend von Italien seinen Siegeszug durch Europa an. Und im 18. Jahrhundert wurde Eis erstmals auf der Straße serviert, zunächst jedoch auf Tellern. Wie landete die Eiskugel also im Hörnchen? Das Patent hat 1903 ein italienischer Eisverkäufer in den USA angemeldet, weil er keine Lust hatte, die Teller abzuwaschen.

Wem diese Erzählung zu eisig ist, für den gibt es eine zweite - wenn auch umstrittene - Geschichte, bei der Amor auf der Bildfläche erscheint: Ein Amerikaner hat seine Angebetete mit einem Eis überraschen wollen, jedoch keinen Teller zur Hand gehabt. Geistesgegenwärtig rollte er eine Waffel für seine Liebste zusammen.

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