Auswegslose Liebe

Bayreuther Festspiele

Endlich mal wieder seit vielen Jahren eine Premiere ohne Buh-Rufe und mit viel Beifall auf dem Grünen Hügel. Den gab es am Samstag nach sechs Stunden "Tristan und Isolde" in erster Linie für die Sänger und Christian Thielemann, aber auch die zweite Bayreuther Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner wurde bejubelt.

BAYREUTH

, 26.07.2015, 12:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Düster, reduziert, aber mit starken, einprägsamen Bilden hat Richard Wagners Urenkelin inszeniert (Bühne: Frank Philipp Schlössmann und Matthias Lippert). Dass sie sich beim Schluss-Applaus nur sekundenkurz zusammen mit dem Chor dem Publikum zeigte, ist unverständlich.

Das Schiff, auf dem Tristan Isolde zu König Marke nach Cornwall bringt, ist ein Treppenhaus, das einem Labyrinth ähnelt. Stufen führen wie bei Escher ins Nichts, werden zu Falltreppen. Erst am Schluss finden Tristan und Isolde einen Weg zueinander. Auch die Höhe der Bühne des Festspielhauses nutzt Wagner geschickt aus.

Liebestrank verschüttet

Den Liebestrank, den Brangäne (tolle weiche Stimme: Christa Mayer) Isolde reicht, hätte das Paar besser trinken als sich in die Hände schütten sollen. Gewirkt hat der Trank trotzdem, aber Tristan und Isolde finden sich im zweiten Akt im Gefängnis wieder. So ganz hält sich Katharina Wagner nicht an das Libretto ihres Urgroßvaters.

Das Gefängnis ist ein dunkler Raum mit Spiralen an den Wänden, die beim Berühren abbrechen. Auch in diesem Fidelio-Gefängnis findet das Paar selten zueinander.

Starke Bilder

Das Dreieck dominiert in der symbolträchtigen Inszenierung (alle Figuren dieser Dreieckskonstellation Tristan-Isolde-Marke sind in blauen, grünen und gelben Kostümen klar zuzuordnen) den dritten Akt. In Fieberträumen erscheint Isolde Tristan in schwebenden Dreiecken - auch in Videos und als Puppe.

Das sind starke Bilder, wie auch die im Liebeduett, das Tristan und Isolde abgekehrt vom Publikum singen und sich dabei selbst in einem Video durch getrennte Röhren eines Tunnels schreiten sehen. Am Schluss stirbt Isolde auch eine Art Liebestod, wenn König Marke sie brutal in die Ehe zieht.

Evelyn Herlitzius ist eine hochdramatische Isolde. Auch im Gesang findet sie mit Tristan, den Stephen Gould deutlich lyrischer singt, nicht recht zueinander. Ein Ereignis ist der starke Bassist Georg Zeppenfeld, ehemaliges Ensemblemitglied des Theaters Münster. Die Dortmunder kennen Tenor  (Seemann und Hirt), der von 2006 bis 2008 in Dortmund engagiert war.

Grandioser Thielemann

Christian Thielemann zeigt im Graben seine große Klasse als Wagner-Dirigent. Im Tempo beweglich, differenziert und farbenreich lässt er musizieren. Das Liebesduett war ein Traum - so hört man das wohl nur in Bayreuth. Für den (immer unsichtbaren und dadurch matten) Chor war das Bühnenbild eine Herausforderung.

 

Der "Tristan" wird am 7.8. ab 15.45 Uhr live im UCI-Kino Bochum und in die Cine-star-Kinos übertragen. Eine Aufzeichnung ist am 8. 8. ab 20.15 Uhr auf 3Sat zu sehen.

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