Autoräuberin scheitert an einem Automatik-Getriebe und bedroht Zeugen mit einem Küchenmesser

hzLandgericht Bochum

Das Landgericht Bochum beschäftigt sich mit einem chaotischen und dreisten Autoraub. Eine 25-Jährige hat eine Autofahrerin mit Pfefferspray angegriffen und später behauptet, dass das Opfer sie überfahren wollte.

Bochum

, 08.10.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp vier Monate nach einem Pfefferspray-Überfall auf eine Autofahrerin in Recklinghausen ist eine 25-jährige Frau aus Datteln am Donnerstag zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sehr wahrscheinlich ist, dass wegen eines Bewährungswiderrufes noch 16 Monate Gefängnis oben drauf gesattelt werden.

Die Augen blickten stur geradeaus, Mund und Nase waren verdeckt durch eine Schutzmaske: Die knapp einstündige Urteilsbegründung am Bochumer Landgericht ließ die 25-Jährige regungslos über sich ergehen. Im Prozess vor der 13. Strafkammer hatte die Dattelnerin bis zuletzt eisern geschwiegen.

Das Opfer leidet an Albträumen

Nach ihrer Festnahme hatte die 25-Jährige bei der Polizei noch erzählt, dass sie das Pfefferspray aus Angst eingesetzt hat, weil sie von der Autofahrerin angeblich überfahren werden sollte. Diese "hanebüchene Geschichte", wie Staatsanwalt Dr. Karsten Hake sie bezeichnete, nahmen ihr die Bochumer Richter aber nicht im Ansatz ab.

Sämtliche Zeugen hätten überzeugend glaubhafte Aussagen gemacht. Das Opfer leidet bis heute unter "erheblichen psychischen Beeinträchtigungen", stellten die Richter fest. Diese Beeinträchtigungen äußerten sich unter anderem in Albträumen.

Die Angeklagte konnte das Automatik-Auto nicht bewegen

Laut Urteil hat sich die vorbestrafte 25-Jährige am 17. Juni 2020 dazu entschlossen, auf dem Recklinghäuser Rathaus-Parkplatz ein Fahrzeug zu rauben. Getroffen hat es eine Frau, die nach einer Shoppingtour gerade ihre Einkäufe auf dem Beifahrersitz deponiert und den Zündschlüssel ins Schloss eingesteckt hatte, als die Täterin die Tür aufriss.

Kurz danach kam es zu der Pfefferspray-Attacke auf die Autofahrerin. Vergeblich versuchte die 25-Jährige mit deren Citroen C3 davonzufahren. „Doch die Angeklagte hat es einfach nicht gebacken gekriegt, das Automatik-Auto auch nur einen Zentimeter zu bewegen“, hieß es.

Der Richter warnt die Angeklagte wachzuwerden

Stattdessen hat die 25-Jährige laut Urteil auch noch einen Zeugen, der die sie vom Fahrersitz ins Freie gezerrt hat, mit einem 19 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht. Wenig später endete jedoch ihre Flucht.

Mit Blick auf ihre kriminelle Entwicklung, von Mini-Diebstählen bis hin zu einem jetzt verübten Schwerverbrechen, warnte Richter Carsten Schwadrat die Angeklagte, wachzuwerden: "Wenn das nicht endlich für sie der Weckruf ist, dann sind sie über kurz oder lang nur noch im Knast.“

Das Urteil lautet auf versuchten besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung.

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