Den Bäumen in NRW geht es so schlecht wie nie – doch nicht alle wollen sie wieder aufforsten

Wald und Forst in NRW

Dürre, Klimawandel, Borkenkäfer: Nur jeder fünfte Baum in NRW ist noch gesund. Ausgerechnet die Grünen wollen den hiesigen Wald nicht wieder aufforsten. Sie schlagen etwas anderes vor.

NRW

25.11.2019, 12:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den Bäumen in NRW geht es so schlecht wie nie – doch nicht alle wollen sie wieder aufforsten

Völlig vertrocknete Blätter einer Buche. Doch der Zustand der Buchen in NRW hat sich zumindest nicht verschlechtert. © dpa

Der Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen hat sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Nur etwa jeder fünfte Baum habe keine Schäden, erklärte das Düsseldorfer Umweltministerium am Montag.

Laut dem Waldzustandsbericht 2019 wurden bei 42 Prozent der Bäume deutlich lichtere Kronen festgestellt. 2018 hatten noch etwas weniger Bäume (39 Prozent) Kronen mit weniger Blättern und Ästen. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) nannte die Zahlen „besorgniserregend“. In diesem Jahr bereiteten vor allem Stürme, Trockenheit und der Borkenkäfer Probleme.

Nur der Zustand der Buchen ist unverändert zu 2018

Unter den Hauptbaumarten habe sich nur der Zustand der Buche im Vergleich zum Vorjahr nicht verschlechtert, erklärte das Ministerium. Die wichtigsten Baumarten in NRW sind Fichte, Buche, Eiche und Kiefer. Etwa ein Viertel der Landesfläche ist mit Wald bedeckt.

Schon im Jahr 2018 war für den NRW-Wald der schlechteste Zustand seit Beginn der Untersuchungen 1984 festgestellt worden. Grund war unter anderem der Hitzesommer in diesem Jahr. Gleichzeitig wirkt die langjährige Belastung der Waldböden durch Säureeinträge immer noch nach.

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Experten begutachten jedes Jahr 10.000 Bäume

Um herauszufinden, wie es dem Wald geht, nehmen Fachleute jedes Jahr insgesamt 10.000 Laub- und Nadelbäume unter die Lupe. Sorgen bereiteten dem Landesbetrieb Wald- und Holz auch in diesem Jahr besonders die anhaltende Trockenheit sowie der hohe Befall durch Borkenkäfer. Es seien erhebliche Anstrengungen erforderlich um die aktuellen Schäden aufzuarbeiten und den Wald fit für den Klimawandel zu machen, hatte Umweltstaatssekretär Heinrich Bottermann im Juli zum Auftakt der Untersuchung gesagt.

Forstexperten messen für den Waldzustandsbericht den Umfang der Bäume, bewerten den Befall mit Schädlingen wie Insekten oder Pilzen und erfassen Nadel- oder Blattverlust sowie Vergilbungen. Daraus ergibt sich ein Bild über den Gesundheitszustand der vier Hauptbaumarten in NRW Buche, Eiche, Fichte und Kiefer.

Den Bäumen in NRW geht es so schlecht wie nie – doch nicht alle wollen sie wieder aufforsten

Abgestorbene Bäume in einem Forst. © dpa

39 Prozent der Bäume in NRW waren schon 2018 stark geschädigt

Das Ergebnis der Messungen 2018 war erschütternd: Schon 39 Prozent der Bäume galten als stark geschädigt, 2017 war es noch ein Viertel. Unter den Hauptlaubbaumarten war 2018 sogar jeder zweite Baum stark geschädigt. Nur jeder fünfte Baum in NRW wies keinen bemerkenswerten Blattverlust in seiner Krone auf.

Angesichts der dramatischen Sturm- und Dürreschäden will sich Heinen-Esser bundesweit für eine sogenannte Baumprämie einsetzen. Die Prämie solle aus den Einnahmen von Verschmutzungsrechten der Industrie finanziert werden und dem Umbau des Waldes zugute kommen, hatte die Ministerin kürzlich gesagt.

935 000 Hektar und damit nur 27 Prozent der Landesfläche in NRW sind mit Wald bedeckt. Damit liegt das Land unter dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent.

Wie die „Rheinische Post“ (RP) berichtet, stieg der Anteil an Schadholz in ganz Deutschland in den beiden Jahren 2018 und 2019 auf rund 105 Millionen Kubikmeter. Das gehe aus einer Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums an die Grünen hervor. In NRW gab es danach einen Anstieg von 4,5 auf 14,5 Millionen Kubikmeter Schadholz.

Bald italienische Wälder in NRW?

Die Forstwirtschaft werde in den nächsten Jahren gut vier Milliarden Euro weniger einnehmen, zitierte die RP den Grünen-Politiker Oliver Krischer. Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen warnte davor, mit öffentlicher Förderung „auf Teufel komm raus wieder aufzuforsten“.

Vielerorts wäre es besser, der Natur zu überlassen, welche Baumarten sich ansiedeln. „Gut möglich, dass unsere Wälder in Zukunft eher wie italienische oder griechische Wälder aussehen werden, weil wir deren heutiges Klima bekommen werden“, sagte Krischer der Zeitung.

dpa/kar

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