Beatmungsbetten: Neues Intensivregister zeigt die Auslastung einzelner Kliniken

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512 Menschen werden derzeit in Kliniken in NRW auf Intensivstationen behandelt, 439 werden beatmet – laut einem neuen Intensivregister. Hier ist zu sehen, welche Klinik wie ausgelastet ist.

Dortmund

, 03.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einen Großteil der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, ist das vergleichsweise harmlos. Kritisch wird’s, wenn die Patienten so schwer erkrankt sind, dass sie beatmet werden müssen.

Reichen dann die Kapazitäten aus, um alle zu versorgen? Oder müssen wir uns auf italienische Verhältnisse einstellen, wo nicht mehr alle Patienten angemessen versorgt werden können?

Vor diesem Hintergrund ist bei der Bewältigung der Krise nicht so sehr die Entwicklung der Gesamtzahl der Infizierten entscheidend, sondern die Zahl der zur Verfügung stehenden Beatmungsplätze. Wie viele davon sind aktuell mit Covid-19-Patienten belegt? Wie viele sind frei für weitere Corona-Patienten?

Neues Intensivregister schafft Überblick

Vor Corona war das kein großes Thema, jetzt aber ist es eines geworden. Mitte März haben aus diesem Grund die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) das sogenannte Intensivregister auf den Weg gebracht.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich darauf verständigt, dieses Register zu nutzen. Für Nordrhein-Westfalen forderte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Anfang April die Krankenhäuser im Land auf, das Register zu nutzen.

Das Intensivregister ist öffentlich auf einer Webseite einsehbar. Es zeigt die Auslastung für jede einzelne Klinik. Bundesweit gibt es rund 1.200 Krankenhäusern mit einer Intensivstation. Stand Freitag (3. April) beteiligen sich davon bisher 1052 Kliniken an dem Intensivregister und täglich werden es mehr. In diesen Kliniken stehen insgesamt 22.196 Intensivbetten zur Verfügung, von denen 12.499 belegt und 9.697 frei sind.

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2.312 Intensivbetten in NRW sind frei

Von Covid-19-Patienten werden Stand Freitag 2.424 Betten auf den Intensivstationen belegt, 2.021 dieser Patienten werden beatmet. Gleichzeitig haben 808 Corona-Patienten die Intensivstation wieder verlassen können, 392 sind gestorben.

In NRW sind am Freitag laut dem Intensivregister von den 5.293 Intensivbetten 2.981 belegt und 2.312 frei. Corona-Patienten belegen laut Register 512 Plätze, 439 von ihnen werden beatmet. 341 Patienten konnten die Intensivstation bereits wieder verlassen, 122 sind gestorben.

Drei Formen der Beatmung

Seit Beginn der Corona-Krise bemühen sich alle Beteiligten im Gesundheitswesen um einen Ausbau der Intensiv- und Beatmungsplätze. Gerald Gaß, der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, berichtete jetzt der Rheinischen Post, dass man in den vergangenen Wochen die Zahl der Intensivbetten von 28.000 auf rund 40.000 erhöht habe, etwa 30.000 davon mit Beatmungsgeräten. Man strebe, sagte Gaß, eine Erhöhung der Kapazität auf 56.000 Betten an.

Bei den Beatmungsplätzen unterscheidet man drei Formen:

1. Low Care: Das ist die einfachste Form der Beatmung über eine Maske, die über Mund und Nase gelegt wird.

2. High Care: Dabei erfolgt die Beatmung über einen Tubus oder einen Luftröhrenschnitt.

3. ECMO: Bei dieser aufwendigsten Form wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert.

Entscheidend ist nicht nur die Technik

Die technische Ausstattung mit Beatmungsgeräten ist die eine Seite, die Bedienung dieser Geräte eine andere. Üblicherweise, so berichtete auf Anfrage Lothar Kratz, Pressesprecher der Krankenhausgesellschaft NRW, benötige man für den Einsatz als Pflegekraft auf der Intensivstation eine zweijährige Weiterbildung zum Anästhesie- und Intensivpfleger.

Jetzt bemühten sich eigentlich alle Kliniken um zusätzliches Personal, etwa durch das Rekrutieren von ehemaligen Pflegekräften oder Medizinstudenten, und lerne sie auch an. Diese könnten dann die ausgebildeten Fachkräfte so entlasten, dass diese sich ausschließlich um die hochkomplexen Aufgaben kümmern könnten.

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