„Beiß ins Gras“: 24-Jähriger sticht auf Mann vor Herner Krankenhaus ein

hzLandgericht Bochum

Nur eine Notoperation rettete einem 26-Jährigen das Leben, der im November 2018 vor dem Herner Krankenhaus niedergestochen wurde. Der 24-jährige Täter wurde vor Gericht jetzt blass.

Herne

, 29.11.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer beinahe tödlichen Bluttat vor einem Krankenhaus in Herne droht einem 24-jährigen Mann eine empfindliche Strafe. Die Bochumer Staatsanwaltschaft rückte zwar von dem ursprünglich erhobenen Vorwurf des versuchten Totschlags ab. Doch auch das geforderte Strafmaß für die jedenfalls begangene gefährliche Körperverletzung sorgte beim Angeklagten noch schlagartig für Blässe im Gesicht. Viereinhalb Jahre Haft, lautete der Antrag von Staatsanwältin Svenja Große-Kreul.

Die Bluttat passierte am frühen Nachmittag des 26. November 2018 in unmittelbarer Nähe zum Marienhospital in Herne. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Angeklagte und ein bis heute flüchtiger Komplize mit dem späteren Opfer telefonisch verabredet hatten, um nach einem vorherigen Streit ein „klärendes Gespräch“ zu führen.

Gesicht in die Rasenfläche gedrückt

Vor Ort soll die Situation dann aber plötzlich eskaliert sein. Zuerst soll der Begleiter des Angeklagten mit einem Messer auf das Bein des späteren Opfers eingestochen haben. Anschließend soll auch der Angeklagte den bereits am Boden liegenden, stark blutenden Mann geschlagen und getreten haben. Laut Anklage soll der 24-Jährige dem schwer verletzten Opfer außerdem kurz vor seiner Flucht noch das Gesicht in die Rasenfläche gedrückt und gerufen haben: „Beiß‘ ins Gras.“

Das 26-jährige Opfer wurde lebensgefährlich verletzt. Im rechten Bein war infolge des Messerangriffs die Hauptschlagader durchtrennt worden, was zu massivem Blutverlust führte. Außerdem erlitt der 26-Jährige einen Bruch des Nasenbeins, einen Bruch des Oberschenkels sowie zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen am gesamten Körper.

Nur eine Notoperation rettete dem 26-Jährigen das Leben

Einzig eine Not-Operation im benachbarten Marienhospital rettet ihm laut Anklage das Leben. Noch heute, so hatte es der 26-Jährige im Prozess berichtet, habe er mit den Verletzungsfolgen zu kämpfen, leide an Taubheitsgefühlen, Bewegungseinschränkungen und Kreislaufproblemen.

Staatsanwältin Svenja Große-Kreul sprach am Freitag in ihrem Plädoyer von „Selbstjustiz“, die der Angeklagte und sein Komplize durchgeführt haben. Auch wenn der Angeklagte am Freitag an die Opferseite 5.000 Euro Schmerzensgeld gezahlt habe, sei die Verhängung einer empfindlichen Haftstrafe unerlässlich. Zwar sei der 24-Jährige nicht selbst als Messerstecher aufgetreten, die schweren Verletzungen müsse er sich als Mittäter dennoch zurechnen lassen.

Zweiter Täter „Alex“ ist weiter flüchtig

Der Angeklagte hatte im Prozess ein Geständnis abgelegt und sich am Freitag auch noch mal selbst entschuldigt. „Das war der größte Fehler meines Lebens“, sagte der 24-Jährige. Er und sein Verteidiger Volker Schröder hoffen auf die Verhängung einer Bewährungshaftstrafe von maximal zwei Jahren.

Der Angeklagte war nach der Bluttat monatelang untergetaucht, hatte sich dann Ende April 2019 der Polizei gestellt. Der zweite mutmaßliche Täter (Rufname „Alex“) ist weiterhin flüchtig. Das Urteil soll am 3. Dezember verkündet werden.

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