Bericht: Charité hat kein Bett für jungen Krebspatienten - Kind stirbt

Personalmangel im Krankenhaus

Wegen Personalmangel soll ein junger Krebspatient erst später als nötig auf die Onkologie-Station der Berliner Charité verlegt worden sein. Kurz darauf stirbt das Kind.

Berlin

06.02.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bericht: Charité hat kein Bett für jungen Krebspatienten - Kind stirbt

Eine Pflegekraft versorgt ein Kind auf einer Kinderintensivstation. © picture alliance/dpa

Der Personalmangel in der Berliner Charité ist bereits länger bekannt, jetzt hat die Leitung des Krankenhauses Fehler im Umgang mit dem Pflegepersonal auf der Kinderonkologie eingeräumt. Darüber berichtet der „rbb“.

Ulrich Frei, Vorstand der Krankenversorgung, sagte gegenüber dem ARD-Magazin Kontraste: „Gerade in der Kinderonkologie gerät man sehr leicht in eine Zwickmühle, dass man auch dem Personal gegenüber (...) mit der Krankheit der Kinder argumentiert.“ Dieses Vorgehen übe enormen psychischen Druck auf die Pflegekräfte aus.

Dadurch, dass in den vergangenen anderthalb Jahren auf dieser speziellen Station der Berliner Universitätsklinik immer wieder Pflegekräfte fehlten oder gar kündigten, mussten Stationsbetten geschlossen werden oder es konnten keine neuen Patienten aufgenommen werden.

Schon im Dezember hatte Frei Lösungen angekündigt, um dem akuten Personalmangel entgegenzuwirken. Dennoch sei die Pflegestation laut „rbb“ immer noch unterbesetzt. Und das habe konkrete Folgen für junge Patienten, die ein Bett auf der Onkologie-Station benötigten.

Kein freies Bett für Leukämie-Patient

Ein solcher Fall ist dem ARD-Magazin „Kontraste“ nach eigenen Angaben bekannt: Mehrere Quellen hätten bestätigt, dass ein Kleinkind im vergangenen Jahr nicht auf der Kinderkrebsstation aufgenommen werden konnte, weil aufgrund des Personalmangels nicht genug Betten besetzt werden konnten.

In einem anderen Berliner Krankenhaus hatte das Kind zuvor die Diagnose Leukämie erhalten. Dieses hatte jedoch keine eigene Krebsstation und musste daher bei der Berliner Charité um Verlegung bitten. Dies sei zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen. Ein namentlich nicht genannter Kinderarzt der Charité sagte dem Magazin: „Bei uns auf Station hatten wir leider keine freien Betten und auch sonst im Haus war trotz intensiver Bemühungen kein Bett zu finden.“

In dem anderen Krankenhaus verschlechterte sich laut „rbb“ währenddessen der kritische Zustand des Kindes noch weiter. „Am nächsten Tag konnte das Kind dann zu uns verlegt werden, aber es verstarb leider rasch. Das hat uns alle sehr mitgenommen“, so der Kinderarzt. „Man kann es nie wissen, aber vielleicht wäre das Kind noch am Leben, wenn wir es rechtzeitig hätten übernehmen können.“

Die Charité äußerte sich laut rbb mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht zu dem Fall.