Berlin-Attentäter Amri: Kannte der BND doch seine Gefährlichkeit?

Terrorismus

Im Fall des Weihnachtsmarkt-Anschlags von 2016 sind offenbar neue Akten aufgetaucht. Der BND soll darüber informiert gewesen sein, dass von Anis Amri Gefahr ausgeht. Trotzdem passierte nichts.

Berlin

von Thoralf Cleven

, 05.12.2019, 11:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Berlin-Attentäter Amri: Kannte der BND doch seine Gefährlichkeit?

Anis Amri, Attentäter vom Berliner Breitscheidtplatz © dpa

Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll bereits Wochen vor dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz Informationen über die Gefährlichkeit des Attentäters Anis Amri besessen haben. Das berichtet der rbb.

Aus Dokumenten ginge hervor, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst nach Hinweisen von befreundeten ausländischen Nachrichtendiensten bereits Anfang November 2016 eines von Amris Facebook-Profilen geprüft hätte.

Die Geheimdienstler wären zu dem Schluss gekommen, dass einige seiner Freunde radikal seien. Zudem soll der BND Mitte November Amris aktuelle Handynummer geortet und festgestellt haben, dass er sich im Raum Berlin aufhalte.

Ende November seien schließlich Amris Einträge im Ausländerzentralregister geprüft worden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte der BND alle Informationen zur Gefährlichkeit Amris gehabt - inklusive seiner 14 unterschiedlichen Alias-Identitäten. Trotzdem ging niemand gegen den späteren Attentäter vor.

Welche Behörden wussten von der ausgehenden Gefahr?

Konstantin von Notz, Mitglied im Amri-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags, fragt sich, „zu welchem Zeitpunkt, welche Sicherheitsbehörde, welcher Nachrichtendienst und gegebenenfalls auch welcher ausländische Nachrichtendienst von dieser unmittelbaren Gefährlichkeit von Anis Amri gewusst hat.“

Nach dem Anschlag war von den Behörden lange behauptet worden, dass die Geheimdienste im Fall Amri nicht einbezogen waren. Zuerst musste das Bundesamt für Verfassungsschutz einräumen, Quellen im Umfeld von Amri gehabt zu haben. Jetzt rückt auch der Bundesnachrichtendienst ins Blickfeld. Laut rbb verweigert der BND jedoch jegliche Stellungnahme zu „operativen Aspekten“.