Berliner Philharmoniker spielten magisch Mahler

Philharmonie Essen

Ihre "Ruhr-Residenz" von Donnerstag bis Sonntag in Dortmund und Essen gestalteten die Berliner Philharmoniker vor allem mit Werken von Ligeti und Mahler. Das Abschlusskonzert des deutschen Eliteorchesters in der ausverkauften Philharmonie Essen verdeutlichte dabei exemplarisch, wie die Musik des Ungarn auch das Spielen und Hören anderer Werke verändern kann.

ESSEN

, 27.02.2017, 17:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Berliner Philharmoniker spielten magisch Mahler

Sir Simon Rattle dirigierte seine Berliner Philharmoniker bei der Ruhr-Residenz in der Philharmonie Essen.

Simon Rattle und seine Berliner sensibilisierten die Ohren mit Ligetis impressionistischen "Atmosphères" für feinste Farbnuancen. Was für ein betörendes, vibrierendes Stimmgewebe!

Davon profitierte auch Wagners Lohengrin"-Vorspiel, das die Musiker direkt an den Ligeti anschlossen, gleichsam aus ihm herauswachsen ließen, wobei die ätherische Stimmung nun durch Melodie, Harmonie und Rhythmus Kontur und Struktur erhielt. Der atmosphärische Klangstrom aber floss faszinierend weiter.

Die Tragischer wurde zur Magischen

Mahlers gewaltige sechste Sinfonie erhielt nachträglich den Beinamen "Tragische". Unter Simon Rattle in Essen war es eher die Magische. Auswendig dirigierend, zeigte er sich detailverliebt, behielt aber zugleich stets das große Ganze im Blick. So entstand, auch weil er bei den Berlinern in allen Instrumentengruppen aus dem Vollen schöpfen konnte, das Bild eines Lebens in all' seinen Facetten.

Für magische Momente im unerbittlich expressiven, mit dramatischer Wucht gespielten ersten Satz etwa sorgten das zarte zweite Thema der Flöten oder die Herdenglockenpassage mit zartem Dialog von Horn und Solovioline.

Nur zwei Hammerschläge

Der Erstdruck der Partitur und das Programmheft vom Sonntag sahen das Scherzo an zweiter Stelle vor. Simon Rattle entschied sich - wie schon Mahler selbst vor 111 Jahren bei der Uraufführung in Essen - für die zwingendere Variante mit vorgezogenem langsamem Satz.

Im spannungsvollen Finale allerdings hielt sich der britische Maestro an Mahlers nachträgliche Revision und ließ statt dreien nur zwei schicksalshafte Hammerschläge ertönen. Am Ende gab es Ovationen im Stehen.