Besuche bei Verwandten: Drosten schlägt Vorquarantäne für Weihnachtszeit vor

Coronavirus

Der Winter naht und die Corona-Zahlen steigen – für Drosten ist die Lage trotzdem noch kontrollierbar. Für Familienbesuche hält er eine Vorquarantäne für sinnvoll - Risiken gibt es aber immer.

Hannover

von Alice Mecke

, 06.10.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für Virologe Christian Drosten ist die aktuelle Lage in Deutschland derzeit noch kontrollierbar.

Für Virologe Christian Drosten ist die aktuelle Lage in Deutschland derzeit noch kontrollierbar. © picture alliance/dpa

In ganz Deutschland steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen an. Zum zweiten Mal binnen weniger Tage wurde die Schwelle von 2600 überschritten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich im Laufe der Pandemie bisher mehr als 303.000 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 6.10., 0.00 Uhr) und mehr als 9500 sind im Zusammenhang mit einer Erkrankung gestorben. Die große Sorge vieler ist nun – auch angesichts der steigenden Zahlen – der anstehende Herbst und Winter.

Für Virologe Christian Drosten ist die Lage derzeit aber noch kontrollierbar. Im Interview mit der „Zeit“ betonte Drosten, es komme eher auf genügend „Puffer“ an, sollte es wieder mehr schwere Fälle durch zunehmend ältere infizierte Menschen geben. Diesen Puffer in der klinischen Versorgung hätte Deutschland derzeit – die Situationen in Europa zeigen aber auch, dass sich das Bild schnell ändern könne: „Das zu vermeiden, haben wir in der Hand“, so Drosten.

Vor Familienbesuch Kontakte vermeiden

Mit Blick auf Weihnachten und Besuche bei den Familien hält Drosten eine Vorquarantäne für eine gute Idee: „Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden.“ Dann fahre man zu Verwandten mit dem Wissen, dass man sich in dieser Woche wahrscheinlich nicht infiziert habe. „Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich“, sagte Drosten in dem Interview.

Dennoch müssten Menschen Risiken in einer Pandemie immer ein Stück weit selbst abwägen. „Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken“, sagte Drosten.

Weiteres mögliches Kriterium: Infizierte über 50 Jahre

Das wichtigste Kriterium, ob strengere Maßnahmen eingeführt werden, ist derzeit weiterhin die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen. Doch Wissenschaftler wie Hendrick Streeck fordern, auch andere Kriterien stärker heranzuziehen. Auch Drosten äußert Verständnis für den Wunsch nach einem Zusatzindikator, hält die Belegung von Betten aber nur für bedingt brauchbar. „Eine Möglichkeit für ein weiteres Kriterium wäre: Man könnte nicht nur die Infizierten zählen, sondern gesondert auch die Infizierten über 50 Jahre. Anhand dieser Zahl könnte man gut prognostizieren, mit wie viel schweren Verläufen man demnächst rechnen muss“, so Drosten.

Bevölkerung muss sich an „nicht perfekte“ Impfstoffe gewöhnen

Derzeit läuft weltweit ein Rennen um den Corona-Imfpstoff. In Deutschland war Biontech eines der ersten Unternehmen, dass die erste Genehmigung für eine klinische Studie zu einem Corona-Impfstoffkandidaten bekam. Nun ist es das erste Unternehmen, das in den Zulassungsprozess startet. Laut Drosten ist es möglich, dass die ersten Impfstoffe möglicherweise schon Ende des Jahres zugelassen werden. „Die Frage ist nur: Wie viel kann man verimpfen? Erst einmal wird das nicht so viel sein. [...] Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie eher vor einem schweren Verlauf schützen als vor der Infektion an sich“, so der Virologe.

Nach der Vorstellung Drostens wird es im nächsten Jahr ein „Nebeneinander“ geben: „Wir werden verschiedene Impfstoffe haben, die vielleicht sogar unterschiedlich wirksam sind und mit denen sich Teile der Bevölkerung impfen lassen können. Gleichzeitig werden aber Kontaktbeschränkungen und AHA-Regeln weiter wichtig bleiben.“ Es sei Zeit, die Bürger auf eine Impfung vorzubereiten, „die möglicherweise nicht perfekt ist: Ich finde, das muss man jetzt angehen. Dafür ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen.“

Appel an die Deutschen: „Wir haben es selbst in der Hand“

Neben der Hoffnung auf Impfstoffe oder Schnelltests, appelliert Drosten weiterhin an die Bevölkerung, mitzudenken und zu verstehen: „Es geht um viele kleine Alltagsentscheidungen.“ Es gehe darum, dass alle die Lage ernst nehmen, während sie versuchten, einen normalen Alltag zu haben.

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