Besucher stecken Patienten im Bocholter Krankenhaus mit Coronavirus an

hzBocholter St.-Agnes-Hospital

Drei Patienten im Bocholter St.-Agnes-Hospital sind von Besuchern mit dem Coronavirus angesteckt worden. Gitter versperren nun den Weg ins Krankenhaus.

von Renate Rüger und Sabine Hecker

Bocholt

, 17.03.2020, 13:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Polizeiwagen vor dem Eingang des St.-Agnes-Hospitals sorgt für Aufsehen. Gitter vor dem Gebäude versperren den Weg. Der Grund: Drei Patienten sind am Wochenende mit dem Corona-Virus infiziert worden, erklärt Tobias Rodig, Pressesprecher des Krankenhauses. Deshalb herrscht dort nun ein generelles Besuchsverbot. In Absprache mit dem Kreisgesundheitsamt hat das Klinikum diese Maßnahme verhängt.

Bisher war pro Patient täglich ein Besucher zugelassen worden. Leider habe sich gezeigt, dass sich nicht alle an diese Regelung gehalten hätten, erklärt Rodig. So sei es zur Infektionsübertragung gekommen. Das Kreisgesundheitsamt verfolge gerade die Kontaktwege. Die betroffene Station 9, in der hauptsächlich chirurgische Patienten liegen, laufe nun komplett als Quarantäne-Station und werde vom Rest des Krankenhauses isoliert.

Harte Maßnahme für Patienten und Angehörige

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Rodig. Es sei klar, dass dies eine harte Maßnahme für die Patienten und Angehörigen sei. Aber der Schutz aller vor dem Virus gehe vor. Nur nach vorheriger Absprache könne es im Einzelfall Ausnahmen vom Besuchsverbot geben.

Für die Kinder- und Jugendklinik gelte weiterhin, dass die Patienten nur von ihren Eltern besucht werden dürfen, sagt Rodig. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass alle im Agnes-Hospital geplanten, nicht lebensnotwendigen Operationen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

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Die Apotheken bereiten sich darauf vor, auch weiterhin geöffnet zu haben. Um sich zu schützen, tragen die Mitarbeiterinnen der Arens‘-Marien-Apotheke an der Nordstraße Einmalhandschuhe. Mundschutz sei leider nicht mehr zu bekommen, sagt Apothekerin Birgit Klein-Bölting.

„Bitte-Abstand-halten“-Schilder stehen vor der Theke. Plexiglasscheiben sind laut Klein-Bölting bestellt. In der Punkt-Apotheke am Ostwall sind die Kassenplätze bereits mit Plexiglas versehen. Die Kunden werden aufgefordert, Abstand zu halten und sich die Hände zu desinfizieren. Das klappe gut, berichten Matilda Ciuplea und Linda Hetkamp von der Kronen-Apotheke an der Neustraße.

Alles muss geschlossen werden

Der Kreis hat inzwischen alle Veranstaltungen – auch private – verboten. Von Kneipen über Fitness-Studios bis hin zu Bordellen muss alles geschlossen werden. Nur bestimmte Angebote sind unter Auflagen gestattet. Reha-Sporteinrichtungen etwa dürfen öffnen, wenn die Behandlung von Kunden ärztlich erforderlich ist. Auch der Bocholter Wochenmarkt kann weiter stattfinden, da er – ebenso wie Supermärkte – zu den versorgungsrelevanten Einrichtungen zählt. Das Stadtmarketing bittet jedoch alle Kunden, „um einen fairen und zivilisierten Umgang miteinander“ an den Ständen und um Einhaltung des Abstandgebots.

Einzelhändler wie der Juwelier Dirk Schönicke gehen derweil davon aus, dass sie ihre Geschäfte bald schließen müssen. „Wir werden das machen, was das Gesetz vorsieht“, sagt Maren Weitauer, Managerin des Neutorcenters am Nachmittag, die nach der Rückkehr aus dem Skiurlaub vorerst in Quarantäne ist und von zu Hause aus arbeitet. Nach den jüngsten Nachrichten aus Berlin und München rechnet auch sie damit, dass Geschäfte, die nicht zwingend für die Nahversorgung relevant sind, schließen müssen.

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Solange es keine Entscheidung gebe, blieben die Shopping-Arkaden wie gewohnt geöffnet, sagt Center-Manager Heiko Wagner. Schließlich gebe es dort nahversorgungsrelevante Geschäfte wie eine Apotheke oder Drogerie. In den Arkaden habe er den Wachdienst hochgefahren, der darauf achte, dass es keine Menschenansammlungen gebe. Das klappe ganz gut. Am Vormittag sei eine Gruppe Schüler unterwegs gewesen. Die habe man darauf hingewiesen, dass Versammlungen derzeit nicht erlaubt seien.

In den Schulen findet bekanntlich kein Unterricht mehr statt. Zur Betreuung tauchten in Bocholts weiterführenden Schulen am Montag laut BBV-Kurzumfrage nur vereinzelt Schüler der Klassen 5 oder 6 auf. In den Grundschulen waren es mehr – zwischen keinem und 13 Schülern wie an der Clemens-Dülmer-Schule, berichtet deren Leiter Benedikt Brömling, der zugleich Sprecher der Bocholter Grundschulrektoren ist. Am Dienstag ist noch einmal so ein Übergangstag.

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Nicht abzusehen sei derweil, wie viele Kinder dann später eine Notbetreuung brauchen, weil ihre Eltern Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte, Stadtwerke-Mitarbeiter oder sonstige „Schlüsselpersonen“ sind, die unentbehrlich sind, damit der Staat funktioniert. Erst am Mittwochmorgen werde es dazu verlässliche Zahlen geben, sagt Brömling. Betroffene Eltern müssen unter Vorlage einer Arbeitgeberbescheinigung (herunterzuladen unter www.kreis-borken.de/coronavirus) einen Antrag stellen. Die Entscheidung über die Betreuung ihrer Kinder fällen jedoch die jeweiligen Schulleiter.

Infizierte mit dem Coronavirus

In Bocholt gibt es derzeit zehn Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, in Isselburg ist es einer. In Rhede ist die Zahl der Infizierten am Montag von sechs auf neun gestiegen. Im gesamten Kreis Borken liegt die Zahl der Infektionen bei 95 (Stand Montag, 16.30 Uhr).
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