Bewegender Beethoven mit behutsamem Biss

DORTMUND Leicht ist es nicht, einem so renommierten und auf dem CD-Markt so emsigen Orchester wie der Academy of St Martin in the Fields die Schau zu stehen. Pianist Jonathan Biss ist das im Konzerthaus Dortmund gelungen: Mit Ovationen feierte das Publikum den 27-Jährigen New Yorker Shooting-Star für sein inniges Beethoven-Spiel.

von Von Julia Gaß

, 13.01.2008, 14:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bewegender Beethoven mit behutsamem Biss

Mit Ovationen feierte das Publikum im Konzerthaus Dortmund den Pianisten Jonathan Biss.

Zum dritten Mal war das Londoner Orchester nach 1999 und 2007 in Dortmund - leider wieder ohne Sir Neville Marriner. Für den 83-Jährigen, der wegen eines Unfalls seiner Frau abgesagt hatte, stand Gerard Schwarz am Pult. Mit Krücken kam der 60-Jährige auf die Bühne; er hatte sich beim Ski fahren ein Bein gebrochen. Ein schlechter Ersatz war der Amerikaner nicht: Konzentriert führte er die Academy durch die selten gespielte erste Fassung von Beethovens Leonoren-Ouvertüre, ließ er das Orchester schlank und durchsichtig musizieren.

Leichter Streicherton

Der frische, helle Klang, der leichte, fast schwebende Streicherton ist das Markenzeichen der Academy, die auch in größerer Besetzung immer Kammerorchester und einfühlsamer Partner der Solisten bleibt. Für den Tastenlyriker Jonathan Biss war das ein Geschenk. Im Mozartton spielte er Beethovens 3. Klavierkonzert. Melodien singt er wie wenige Pianisten aus auf dem Klavier, lauscht ins Innere der Musik tief hinein, ertastet sich mit weichem Anschlag poetische Klangwelten und verfügt trotzdem über große Brillanz im Ton. Schubertsche Gedankentiefe gab er dem 2. Satz - dieses Largo war ein Ereignis, hypnotisierend, in vollendeter Ruhe und von großer Spannung getragen gespielt.

Hochglanzpolierter Klang

Dem edlen, hochglanzpolierten Klang, der die Academy auszeichnet, fügte Schwarz in Dvoraks 8. Sinfonie viele Farben hinzu. Durchschlagendes Blech hörte man in dem musikalischen Streifzug durch böhmische Landschaften, einen charmanten Walzer im Scherzo, energisch geballte Wildheit im Finale und eine in elegischen Klängen fließende Idylle im Adagio. - Kammermusik im großen Gewand war das, was Schwarz mit der Academy da spannend zelebrierte.