„Biohackers“: Die neue deutsche Netflix-Produktion ist ein Laborunfall

hzStreaming-Kritik

Mit Ende des Netflix-Serienhits „Dark“ sieht es mit Streaming-Futter „Made in Germany“ mau aus. Der Mystery-Thriller „Biohackers“ will diese Lücke schließen – versagt aber an allen Ecken.

Dortmund

, 27.08.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Durch synthetische Biologie werden wir von Geschöpfen zu Schöpfern. Wir machen Gott obsolet!“ Das tönt wie Größenwahn, da macht es klingeling bei uns, das wirft kein gutes Licht auf die von Jessica Schwarz gespielte Medizin-Professorin.

„Biohackers“ ist eine deutsche Netflix-Serie, die Christian Dittert konzipiert und zu großen Teilen geschrieben und inszeniert hat: Eine Warnung vor zynischen Halbgöttern in Weiß und ihrer Experimentierlust, verpackt in eine Thrillerhandlung, eine Operette vom Studentenleben und eine Dreiecks-Liebelei.

„Biohackers“ ist schon kindgerecht in seiner Erzählung

Die Altersfreigabe „ab 12 Jahren“ macht stutzig und lässt nichts Gutes erwarten. Und wirklich wird hier in einer kindgerechten Überdeutlichkeit erzählt, die den Figuren kaum Raum für Zwischentöne und Schattierungen lässt. Die Charaktere liegen offen da, einmal im Lager von Gut oder Böse festgezurrt, bieten sie keinerlei Überraschungen. Studentin Mia (Luna Wedler) ist die Heldin, ein taffes Mädel mit grell ausgemaltem Kindheitstrauma, das an der Uni Freiburg den Tod ihres Bruders aufklären will.

Heimliche Versuche an der medizinischen Fakultät, Forscher, die Gott spielen - da war doch was? Klar, das ist das Sujet von „Anatomie“, dem deutschen Schocker von 2000, dessen Produzenten hinter „Biohackers“ stehen. Die Serie ist dessen handzahmer Klon im Biederstrick-Gewand. Es wird sequenziert und pipettiert, Mia schnüffelt im Labor herum, in letzter Sekunde klappt der Download brisanter Daten.

Deutsche Hausmannskost im Thrillerfach

Die Spannung bleibt vordergründig und lau, verwässert durch launige Episoden um Mias Mitbewohner, die eigentlich Karikaturen sind. Mystery-Nebel wallt um das Haus der Professorin. Im Wohnzimmer der Egomanin hängt natürlich ein Riesenporträt ihrer selbst, im Keller hat sie keine Leichen, aber ein Geheimlabor. Einmal mehr hört man die Nachtigall trapsen. In einer Serie, der Tiefe, Pepp und Raffinesse abgehen.

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