Biontech-Chef: Impfstoff könnte im Dezember zulassungsreif sein - Virus aber noch nicht besiegt

Coronavirus

Das deutsche Unternehmen Biontech schreitet bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus voran. Bald soll die letzte Phase der Testprozesse beginnen.

Mainz

11.07.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender von BioNTech, sagt, dass es bereits im Dezember einen Corona-Impfstoff geben könnte. (Archivbild)

Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender von BioNTech, sagt, dass es bereits im Dezember einen Corona-Impfstoff geben könnte. (Archivbild) © picture alliance/dpa

Mehr als 20 Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus werden derzeit in klinischen Studien untersucht, das geht aus Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Eines der vielversprechendsten Vakzine stammt von dem deutschen Unternehmen Biontech und dem US-amerikanischen Pharmakonzern Pfizer.

Bis Dezember könnte der gemeinsam entwickelte Impfstoff zulassungsreif sein, sagte Biontech-Chef Ugur Sahin dem „Wall Street Journal“.

mRNA-Impfstoff derzeit in klinischer Phase-II-Studie

Mehrere hundert Millionen Dosen könnten noch vor der Zulassung hergestellt werden und mehr als eine Milliarde bis Ende des nächsten Jahres, kündigte Sahin an. Biontech und Pfizer arbeiten mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Shanghai Fosun Pharmaceutical zusammen. Diese Kooperation ermögliche eine schnelle Produktion der Impfstoffdosen für den globalen Markt.

Derzeit befindet sich der entwickelte mRNA-Impfstoff noch in der klinischen Phase-II-Studie. mRNA-Impfstoffe zeichnen sich dadurch aus, dass sie virales Erbgut – sogenannte virale messenger RNA – enthalten. Es trägt unter anderem zur Bildung von Spike-Proteinen des Coronavirus bei und regt Körperzellen zur Produktion von Eiweißstoffen des Coronavirus an. Das Immunsystem reagiert auf diese Proteine mit der Bildung von Antikörpern, die als Schutz vor dem Virus dienen.

Impfstoff könnte Virus nicht sofort auslöschen

Die Ergebnisse der Frühphasenstudie seien besser gewesen als erwartet, sagte Sahin. Die Antikörper-Konzentration der freiwilligen Testpersonen sei bereits vier Wochen nach der Impfung und sieben Tage nach Einnahme einer zweiten Dosis höher gewesen als bei genesenen Covid-19-Patienten. Ernsthafte Nebenwirkungen seien bisher nicht bekannt. Die Studiendaten wurden inzwischen online veröffentlicht und bei einer medizinischen Fachzeitschrift eingereicht, aber noch nicht von Experten überprüft.

Sofern die Behörden zustimmen, rechnet Biontech damit, dass die letzte Phase der Testprozesse - die sogenannte Phase-III-Studie - bereits Ende Juli starten kann. Dann wird der Impfstoffkandidat rund 30.000 Testpersonen verabreicht. Die Studie werde voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein, zeigte sich Sahin optimistisch.

Der Biontech-Chef verkündete zudem, dass die USA, Europa und weitere Länder sofort mit Massenimpfungen beginnen könnten, sobald der Impfstoff zugelassen ist. Aber ganz auslöschen werde der Impfstoff das Coronavirus nicht, so Sahin. Er warnte davor, dass es trotzt aller Anstrengungen noch ein Jahrzehnt dauern könnte, bis das Virus vollständig bekämpft ist.

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