Biontech, IDT & Curevac: So weit ist die Entwicklung eines deutschen Corona-Impfstoffes

Impfstoff

Mehr als 200 Impfstoffprojekte im Zusammenhang mit dem Coronavirus laufen derzeit weltweit. Ein Impfstoff durchläuft bald das Zulassungsverfahren. Andere deutsche Firmen sind noch nicht so weit.

Mainz

von Laura Beigel

, 07.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mehr als 200 Impfstoffprojekte im Zusammenhang mit dem Coronavirus laufen derzeit weltweit. (Symbolbild)

Mehr als 200 Impfstoffprojekte im Zusammenhang mit dem Coronavirus laufen derzeit weltweit. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen Biontech und der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer haben für ihren Corona-Impfstoff BNT162b2 einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) gestellt. Diese prüft nun die Sicherheit und Wirksamkeit des Vakzins, nachdem es in den vorangegangen, klinischen Studien „ermutigende vorläufige Ergebnisse“ gezeigt habe, wie Biontech mitteilt.

„Wir bemühen uns nach Kräften, einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu entwickeln, und sind stolz darauf, diesen historischen Schritt mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur für unseren Covid-19-Impfstoffkandidaten BNT162b2 zu unternehmen“, sagt Peter Honig, Senior Vice President und Leiter der weltweiten Sicherheits- und Regulierungsbehörde von Pfizer.

Impfstoff basiert auf mRNA-Technologie

Bei BNT162b2 handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff, der virales Erbgut enthält. Dieses trägt unter anderem zur Bildung von Spike-Proteinen des Coronavirus bei und regt Körperzellen zur Produktion von Eiweißstoffen des Coronavirus an. Das Immunsystem reagiert auf diese Proteine mit der Bildung von Antikörpern, die als Schutz vor dem Virus dienen.

Eine Herausforderung bei der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen ist, eine unerwünschte Immunreaktion zu verhindern. Einerseits muss die mRNA das Immunsystem zu einer wirksamen Immunantwort anregen, andererseits darf diese nicht zu übermäßig sein. Hinzu kommt, dass „nackte“ mRNA im Körper sehr schnell abgebaut wird, sodass diese in der Regel chemisch modifiziert werden muss.

Bereits im April hatte das Paul-Ehrlich-Institut die erste klinische Prüfung des Impfstoffes von Biontech und Pfizer in Deutschland genehmigt. Zuvor war der Impfstoff an mehreren Tausend US-Amerikanern getestet worden. „Der Impfstoffkandidat wird derzeit in einer globalen Phase-3-Studie evaluiert, die an mehr als 120 klinischen Standorten weltweit durchgeführt wird, darunter in den USA, Brasilien, Südafrika und Argentinien“, teilt Biontech mit. Bis heute hätten rund 37.000 Menschen an der Studie teilgenommen.

Curevac startet Phase-2a-Studie in Peru und Panama

Biontech und Pfizer sind nicht die einzigen Unternehmen, die auf einen mRNA-Impfstoff setzen. Auch Curevac entwickelt ein Vakzin mit viralem Erbgut. Im Juni hat der deutsche Pharmakonzern die Genehmigung für eine klinische Prüfung seines Impfstoffes in Deutschland erhalten.

Inzwischen wird der Impfstoff CVnCoV in einer klinischen Phase-2a-Studie in Peru und Panama getestet. Knapp 700 Freiwillige sollen an den Untersuchungen teilnehmen. Sie werden schließlich in zwei Gruppen aufgeteilt: ältere Erwachsene ab 61 Jahren und jüngere Teilnehmer zwischen 18 und 60 Jahren.

„Diese Studie soll die Dosisauswahl für unseren Impfstoffkandidaten bestätigen und weitere Belege dafür liefern, dass wir älteren Erwachsenen, die einem höheren Covid-19-Risiko ausgesetzt sind, einen sicheren und verträglichen Impfstoff zur Verfügung stellen können“, sagt Mariola Fotin-Mleczek, Chief Technology Officer von CureVac.

IDT Biologika setzt auf Vektorimpfstoff

Seit Kurzem darf auch die IDT Biologika GmbH ihr Vakzin MVA-SARS-2-S in Deutschland testen. An der ersten Phase der klinischen Prüfung sollen insgesamt 30 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 55 Jahren teilnehmen.

Anders als Biontech und Pfizer hat das deutsche Pharmaunternehmen einen Vektorimpfstoff entwickelt. Ein abgeschwächtes Virus wird dabei genetisch so modifiziert, dass es auf seiner Zellmembran das Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers bildet. Das Immunsystem des Geimpften reagiert darauf mit der Bildung von Antikörpern, die dieses Protein erkennen und das Coronavirus abwehren.

Laut der Homepage von IDT Biologika basiert der Impfstoff auf dem „Modifizierten Vacciniavirus Ankara“ (MVA). Entstanden ist er schon vor mehr als 30 Jahren – als Impfstoff gegen Pocken. „Es kam zudem bereits erfolgreich und mit sehr guter Verträglichkeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Mers-Coronavirus zum Einsatz, das auf der Arabischen Halbinsel vorkommt, von Dromedaren mit oft tödlichen Folgen auf den Menschen übertragen wird und eng mit Sars-CoV-2 verwandt ist“, erklärt das Unternehmen.

EMA prüft Impfstoff von AstraZeneca

Bis der Impfstoff von IDT Biologika das Zulassungsverfahren bei der EMA durchläuft, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Die Phase-I-Studie ist eine der ersten Etappen bei der Impfstoffentwicklung. Es folgen noch eine Phase-II- und Phase-III-Studie mit Freiwilligen, ehe ein Zulassungsantrag bei der EMA gestellt werden kann.

Diese Hürden hat BNT162b2 von Biontech und Pfizer schon genommen. Es ist der zweite Impfstoff, der von der EMA geprüft wird. Seit wenigen Tagen durchläuft auch das Vakzin von AstraZeneca in Zusammenarbeit mit der Oxford University das Zulassungsverfahren. Der Pharmakonzern hat ebenfalls einen Vektorimpfstoff entwickelt.

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