Bocholterin erholt sich nach Unfall langsam von einer Gehirnblutung

hzVerkehrsunfall

Christa Klinkenberg-Kreling wollte von Wahllokal nach Hause laufen, als ein betrunkener Autofahrer sie erfasste. Die Bocholterin erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

von Renate Rüger

Bocholt

, 23.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Sonntag, 13. September, wird Christa Klinkenberg-Kreling nicht so schnell vergessen. „Wir waren gerade in der Ludgerusschule zum Wählen gewesen und wollten nach Hause spazieren, als plötzlich ein Auto auf uns zugeschossen kommt“, berichtet die 55-Jährige.

Und das auch noch mit offener Motorhaube. „Was ist das denn für ein Idiot?“, habe sie noch zu ihrem Mann gesagt. Dann erwischte sie das Auto und ihre Erinnerung bricht ab. In Lebensgefahr schwebte sie eine Zeit lang, weil sie eine starke Gehirnerschütterung mit Gehirnblutung bekam. Inzwischen geht es ihr wieder besser.

Mit offener Motorhaube fuhr der stark betrunkene Mann in diesem Wagen auf Christa Klinkenberg-Kreling zu und erfasste sie.

Mit offener Motorhaube fuhr der stark betrunkene Mann in diesem Wagen auf Christa Klinkenberg-Kreling zu und erfasste sie. © Sven Betz

Der 54-jährige Fahrer, der laut Polizei 1,9 Promille Alkohol im Blut hatte, war auf der Klarastraße zunächst gegen ein Auto gefahren, in dem zwei Bocholter saßen, die leicht verletzt wurden. Doch der 54-Jährige hielt nicht an. Im Gegenteil: Er setzte sein Auto zurück, stieß gegen eine Bushaltestelle und einen Baum und fuhr mit hoher Geschwindigkeit weiter, wodurch die kaputte Motorhaube nach oben klappte. Auf dem Bürgersteig erwischte er als erstes Christa Klinkenberg-Krelings Mann am Bein und dann sie.

Passanten halfen den Unfallopfern

„Ich schlug in einer Einfahrt auf den Boden und habe stark am Kopf geblutet“, berichtet Klinkenberg-Kreling. Alles, was passierte, wisse sie nur von ihrem Mann. Er habe aufstehen wollen, aber in einem Fuß zunächst kein Gefühl gehabt. „Und da kamen von überall Leute herbeigerannt, von der Straße und aus den Häusern.“

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Ihrem leicht verletzten Mann halfen sie auf die Beine, andere Helfer legten eine Decke unter ihren Kopf und redeten beruhigend auf sie ein, auch wenn sie bewusstlos war. Wiederum andere hätten sich um den leicht verletzten Fahrer gekümmert, der sich an eine Bushaltestelle setzte. „Die haben aufgepasst, dass der nicht weggeht, bis die Polizei kommt“, sagt Klinkenberg-Kreling.

Bewusstsein im Krankenhaus wiedererlangt

Im Krankenhaus habe sie das Bewusstsein wiedererlangt. „Meine linke Hand war gebrochen. Ich hatte viele Schnittwunden vom Kopf bis zum Bein und die Gehirnerschütterung mit der lebensgefährlichen Gehirnblutung.“ Richtige Schmerzen habe sie beim Aufwachen nicht gehabt – vielleicht wegen des Adrenalins, das ihr Körper unter Stress ausgeschüttet habe oder auch einer örtlichen Betäubung. Das wisse sie nicht.

„Ich habe jedenfalls gespürt, dass die mich genäht haben“, sagt Klinkenberg-Kreling. Sie habe gehört, wie ein Arzt sagte, ihr rechter Fuß scheine laut Röntgenaufnahme gebrochen zu sein. „Da habe ich gesagt ,nein‘. Wenn, dann ist es der linke, der tut weh.“ Eine neue Röntgenaufnahme habe gezeigt, dass beide Füße nicht gebrochen waren.

Wegen der Hirnblutung verbrachte die Bocholterin eine Nacht auf der Intensivstation. „Am nächsten Morgen sagte man mir, die Blutung sei rückläufig.“ Neun Tage nach dem Unfall habe sie eigentlich entlassen werden sollen. „Aber ich habe einen Bluterguss, in dem sich so viel Flüssigkeit angesammelt hat, dass ich noch einmal operiert werden muss“, berichtet Klinkenberg-Kreling. Vor Freitag werde sie wohl nicht zu Hause sein.

Urlaub an der Nordsee muss nun ausfallen

„Eigentlich wären wir kommenden Samstag in Urlaub gefahren, an die Nordsee in Schleswig-Holstein. Dass das nicht klappt, hat mich schon geärgert.“ Aber immerhin habe der Besitzer der Ferienwohnung die Buchung kostenlos storniert. Jetzt werde sie erst einmal krankgeschrieben, zumal sie noch stark mit der Gehirnerschütterung kämpfe. „Sobald ich mich seitlich bewege, wird mir schwindelig.“

Wann sie wieder arbeiten könne, wisse sie nicht, sagt Klinkenberg-Kreling, die Maschineneinrichterin bei einer Firma im Industriepark ist. Ihr Chef habe ihr am Montag nach dem Unfall einen dicken Blumenstrauß ins Krankenhaus geschickt, sagt sie. „Das hat mich richtig ergriffen.“ Unendlich dankbar sei sie aber vor allem den vielen Menschen, die nach dem Unfall sogleich zur Hilfe geeilt sind. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Klinkenberg-Kreling. Es gebe auch Leute, die – wenn sie einen Unfall vom Balkon aus sähen – direkt wieder ins Haus gingen.

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