„Borat 2“: Sacha Baron Cohen spielt wieder den Irren aus Kasachstan

hzFilmkritik

Auf Amazon Prime kommt eine Kultfigur zurück: Der Komiker Sacha Baron Cohen führt in „Borat – Anschluss-Moviefilm“ die Amerikaner wieder aufs Glatteis.

Dortmund

, 04.11.2020, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles wie gehabt: Da ist wieder dieser Typ im schlecht sitzenden Anzug, der mit östlichem Akzent ein schlechtes Englisch redet und Amerikanern himmelschreienden Blödsinn auftischt. Die mögen zwar denken, dass der Bursche nicht ganz bei Trost ist, tun aber, was er verlangt.

Cohen geht an die Grenzen

Die Frau beim Konditor sprüht den Spruch „Juden können uns nicht verdrängen“ auf die Torte, dazu ein paar Smileys.

Der Pastor in der Schwangerschaftsberatung wirkt perplex, als er merkt, dass das Mädchen mit Abtreibungswunsch offenbar von ihrem anwesenden Papa geschwängert wurde.

Die Gäste beim Debütantinnenball gucken geschockt, als Vater und Tochter einen folkloristischen Menstruations-Tanz aufs Parkett legen.

Verarscht, verarscht: „Borat“ aus Kasachstan ist zurück und vergackeiert die Amerikaner. 14 Jahre nach dem ersten Film schlüpfte der englische Komiker Sacha Baron Cohen wieder in die Haut seiner kultigen Kunstfigur, um das Land der Doofen heimzusuchen.

Peinlichkeiten am laufenden Band, Fremdschämen erwünscht: „Borat – Anschluss-Moviefilm“ heißt der Maskerade zweiter Teil, der bei Amazon Prime zu sehen ist.

Kindisch und krampfhaft bemüht

In manchen Momenten entlarvt die Pseudo-Doku gewisse Zeitgenossen als Dumpfbacken, an anderen Stellen wirkt sie kindisch und krampfhaft bemüht. So unverfroren, wie Cohen seine Fallen und Fettnäpfe auch aufstellt – die Leichtigkeit des ersten Films ist nicht wiederholbar.

Der Mann ist mittlerweile so berühmt, dass er auf der Straße erkannt wird. Um sein Inkognito zu wahren und Leute aufs Glatteis zu locken, braucht es Perücken und falsche Bäuche. Und Amerikaner, die glauben, dass man in Borats „Kasachstan“ hinter dem Mond lebt und keine Smartphones kennt.

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Cohen nistet sich bei „QAnon“-Spinnern ein. Seine Filmtochter (gespielt von Maria Bakalova) kompromittiert Rudy Giuliani. Unter Waffenfreaks singt Cohen ein Schmählied gegen Journalisten und liberales Gesocks.

Dort geht die Rechnung auf, das hat Brisanz und satirischen Biss. Wie die Schlusspointe des Films (Regie: Jason Woliner), die klarstellt, wie Corona in die Welt kam. Oft aber wird die „Methode Borat“ zum abgekarteten Spiel, der Witz ist schal, der Erkenntnisgewinn minimal.

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