Bürgermeister von Zittau wendet sich mit Todeszahlen an Corona-Leugner

Sachsen Coronavirus

Die Corona-Zahlen sind aktuell auf Rekordniveau. In Zittau waren die Krematorien zur Wochenmitte an der Belastungsgrenze. Der Bürgermeister der Stadt hat nun seinem Ärger über Corona-Leugner Luft gemacht.

24.12.2020, 15:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Autos stehen in der Einfahrt zum Krematorium des Bestattungswesens. Wegen der dramatisch hohen Corona-Todeszahlen müssen Leichen außerhalb des Krematoriums zwischengelagert werden.

Autos stehen in der Einfahrt zum Krematorium des Bestattungswesens. Wegen der dramatisch hohen Corona-Todeszahlen müssen Leichen außerhalb des Krematoriums zwischengelagert werden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Sachsen ist eines der aktuell am stärksten von Corona betroffenen Bundesländer. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt laut RKI bei 426 (Stand 24.12.). In dieser Woche gab die Stadt Zittau bekannt, dass sie sogar Leichen außerhalb des Krematoriums lagern müsse, weil die Kapazitäten nicht mehr reichen. Trotzdem gibt es vor allem im Netz immer wieder Menschen, die Corona als Krankheit anzweifeln – und die veröffentlichten Zahlen für falsche Informationen halten.

Frust im Facebook-Post niedergeschrieben

An diese Menschen und alle Interessierten hat sich der Bürgermeister der Stadt, Thomas Zenker, in einem Post gewandt. Er schreibt: „Für alle, die gerne wissen wollen, was gerade passiert, hier unsere aktuellen und beurkundeten Zahlen, die heute einen guten Teil meines Arbeitstages und den einiger Kollegen und Kolleginnen vollständig geprägt haben.“ In einer Tabelle innerhalb seines Posts listet der Bürgermeister die Anzahl der Toten seiner Stadt (25.000 Einwohner) auf – im Verhältnis zu den vorherigen Jahren. So lässt sich daraus zum Beispiel ablesen, dass im November 2018 49 Menschen starben, im November 2019 52. Im Jahr 2020 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt: auf 110.

Er schreibt weiter: „Rechnet, erörtert, interpretiert doch alle, wie ihr wollt. Welche Flagge ihr dabei sichtbar oder im Hinterstübchen schwenkt oder wer eure Onlinerechenhilfe ist, ist mir nicht egal, ich kann’s aber auch gerade und schon länger nicht leisten, darüber zu diskutieren.“

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Er und sein Team versuchen nur noch, „mit der Lage fertig zu werden, ohne unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verschleißen, Angehörige zu verstören und ohne Gerüchten Raum zu geben“. Zenker bedankt sich bei allen, die „das mit aushalten helfen“. Das gelinge leider nicht immer, weil sich die Situation verschlechtere und auch die Haut aller Beteiligten dünner werde.

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