Cäsar als Popstar

HAGEN Auf den heutigen Hörer wirkt es zunächst einmal skurril: Der große römische Imperator Julius Cäsar, dieser Inbegriff männlicher Kraft und Stärke, setzt zu seiner ersten Arie an -und singt in einer Tonlage, wie sie einst für Kastraten geschrieben wurde. Zu Händels Zeiten, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, hat sich darüber noch niemand gewundert.

von Von Karsten Mark

, 15.01.2008, 17:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Cäsar als Popstar

Schönes Paar: Filippo Mineccia als Julius Cäsar und Stefania Dovhan als Cleopatra in Hagen.

Kastraten waren die Stars der Oper, Stimmwunder mit erstaunlicher Strahlkraft. Glücklicherweise muss sich heute niemand mehr im Dienst der Kunst verstümmeln lassen. Countertenöre erreichen die Tonlage des weiblichen Alts, indem sie ihre Kopfstimme trainieren. Filippo Mineccia ist ein solcher Spezialist für barocke Altus-Partien. In einer Neuinszenierung der Händel-Oper "Julius Cäsar" an der Oper Hagen singt er die Titelpartie. Auch wenn es zunächst verblüfft, gewöhnt man sich doch schnell an den falsettierenden Feldherrn. Zum einen, weil er im Kopfregister viel Stimmgewalt entwickelt. Zum anderen vielleicht, weil dieser junge Beau an Popstar Justin Timberlake erinnert, der sich seinerseits gern stimmlich in die Höhe schwingt.

Römer im Designer-Anzug

Regisseur Gregor Horres hat durchaus Anteil an dieser Assoziation. Er lässt seinen Cäsar nicht mit rotem Umhang auftreten, sondern im edlen Designer-Anzug (starke Kostüme von Christiane Luz). Horres? Römer und Ägypter bewegen sich in einer heutigen Welt der Reichen und Mächtigen. Ihre Paläste sind durchgestylte Lobbys (Bühne: Jan Bammes). Der Regisseur spielt mit den Klischees, und er greift damit eine Ironie auf, mit der auchHändel sein Original gewürzt hat. Heraus kommt eine kurzweilige Produktion, die in drei Stunden niemals langweilig wird.

Spielfreudiges Ensemble

Das alles funktioniert aber nur so gut, weil Horres auf ein spielfreudiges Ensemble setzen kann, das sich einiges zumuten lässt. Rolf A. Scheider etwa, der sich als König Ptolemäus beim Singen eine Banane in den Mund stopfen muss. Stefania Dovhan als Cleopatra ließ sich vor der Premiere wegen Indisponiertheit entschuldigen. Trotzdem sang sie glänzend und spielte als kokette Sexbombe auch eine ihrer stärksten Rollen. Der Hagener Cäsar sprüht vor Spaß und Motivation - auch aus dem Orchestergraben, wo Kapellmeister Gwennolé Rufet den Ton angibt. Mit dieser Produktion, die am Anfang Reihe von Barockopern steht, hat sich die Oper Hagen hohe Maßstäbe gesetzt.

 Termine: 25.1./20.2./21.2. Karten unter Tel. (0 23 31) 2 07 32 18.