Camping in den Niederlanden und NRW: Was ist erlaubt – und was nicht?

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Sind Campingplätze in den Niederlanden geöffnet? Werden deutsche Urlauber weggeschickt, weil es eine Reisewarnung gibt? Die Infos im Überblick.

von Anika Bloemers

Kleve, Niederlande

, 29.04.2020, 09:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Langes Wochenende und keine Möglichkeit zu reisen – in Zeiten von Corona sind auch die Campingplätze von Beschränkungen betroffen. Das gilt auch für die Niederlande, wo traditionell besonders viele Deutsche Urlaub machen. Viele haben auf einem der rund 2000 Campingplätze in unserem Nachbarland einen Dauerstellplatz und fragen sich nun: Kann ich dort trotz Reisewarnung hinfahren?

Prinzipiell dürfen die Campingplätze in den Niederlanden öffnen, auch für solche Besucher, die keine Dauercamper sind. Das legt die Corona-Verordnung des Landes fest. Jedoch gibt es in den zwölf Provinzen und 25 Sicherheitsregionen sowie bei den Betreibern der Plätze große Unterschiede.

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In den touristisch besonders beliebten Provinzen am Meer, beispielsweise in Zeeland und Südholland, ist Camping weder für Kurz- noch für Dauerurlauber gestattet. In den an NRW grenzenden Provinzen Gelderland und Limburg haben die meisten, vor allem kleineren Campingplätze aber geöffnet. Auch die größeren Ferienparks von Roompot oder Landal haben hier unter Auflagen geöffnet.

Strenge Vorschriften auf allen Plätzen

Wo die Campinglätze geöffnet sind, gelten strenge Hygienevorschriften. Alle Einrichtungen, einschließlich der Sanitäranlagen, sind laut Corona-Verordnung bis mindestens zum 19. Mai geschlossen. Gäste können nur kommen, wenn ihre jährlichen oder saisonalen Stellplätze über eigene sanitäre Einrichtungen verfügen, oder wenn sie mit dem Wohnmobil anreisen, das ebenfalls autark ist. Ebenso können beispielsweise Chalets oder Lodges auf dem Gelände genutzt werden. Gastronomie, - Sport- und Freizeitangebote finden nicht statt, Gemeinschaftsräume haben geschlossen.

Ob Deutsche kommen wollen, liegt in der eigenen Verantwortung. Weiterhin existiert eine Reisewarnung sowohl vonseiten der niederländischen als auch der deutschen Behörden. Außerdem gilt vonseiten des Auswärtigen Amtes eine weltweite Reisewarnung.

Grenzkontrollen gibt es offiziell zwar keine, besonders an Wochenenden wird jedoch punktuell kontrolliert. Private Pkw werden auf beiden Seiten der Grenze herausgewunken und die Fahrer befragt, ob der Ausflug ins Nachbarland notwendig ist. Von Einkäufen, Ausflügen oder Aufenthalten auf den Dauercampingplätzen raten beide Länder dringend ab.

Deutsche können kommen, aber: Es gilt die Reisewarnung

Zurückgeschickt werden sie von den Campingplatz-Betreibern in den Niederlanden aber nicht. „Es sind längst nicht so viele Deutsche da wie sonst, aber schon einige“, sagt eine Angestellte bei „Camping Vreehorst“ in Winterswijk.

Hier kommen normalerweise besonders viele Menschen vom Niederrhein oder aus dem Ruhrgebiet hin. Mittlerweile sei wieder genug zu tun. „Die Geschäfte in Winterswijk sind wieder geöffnet und hier am Imbiss nehmen wir Bestellungen entgegen, die dann abgeholt werden können.“

Die Stimmung auf dem Campingplatz sei entspannt. „Alle halten sich an die Regeln und sind froh darüber, überhaupt Urlaub machen zu können“, so die Angestellte. Auf dem Campingplatz „Het Wieskamp“, ebenfalls in Winterswijk, ist es im Moment ruhig. „Wir haben einige Gäste, aber nur sehr wenige Deutsche“, erzählt eine Angestellte. „Sie dürften ja kommen, die allermeisten tun es aber nicht, weil sie sich eben an die Reisewarnung halten.“

Diejenigen, die gekommen sind, würden sich an die Vorschriften halten wie alle anderen auch, das klappe gut und Platz genug sei ohnehin da. Der niederländische Tourismusverband ANWB weist darauf hin, dass sich die Situation derzeit täglich ändern könne, so dass man sich vor einem Aufenthalt beim jeweiligen Campingplatz-Betreiber informieren sollte.

In NRW nur Dauercamping erlaubt

In NRW ist laut der Corona-Verordnung nur Dauercamping gestattet: „Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken sind untersagt. Die Nutzung von dauerhaft angemieteten oder im Eigentum befindlichen Immobilien und von dauerhaft abgestellten Wohnwagen, Wohnmobilen usw. ausschließlich durch die Nutzungsberechtigten ist keine touristische Nutzung im Sinne des Satzes 1“, heißt es in der Corona-Verordnung vom 24. April. Auf den Campingplätzen müssen jedoch geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts zu Gemeinschaftsräumen sowie zur Gewährleistung des Mindestabstands getroffen werden.

Im Ferien- und Campingpark Wisseler See in Kalkar im Kreis Kleve ist Besitzer Ludwig Ingenlath froh, dass seit dem 11. April wieder geöffnet ist und einige der Dauercamper zurückgekehrt sind.

In Wissel gibt es im Unterschied zu einigen anderen Plätzen in NRW keinen Fall, bei dem Camper den ersten Wohnsitz auf dem Campingplatz angemeldet haben. Deswegen mussten Ende März erst einmal alle Plätze geräumt werden. Nun ist wieder Betrieb auf dem Gelände. „Das ist natürlich verhalten angelaufen, viele bleiben weiterhin zuhause, gerade wenn sie zur Risikogruppe gehören“, erzählt er. Seit zwei Wochen sei aber deutlich mehr los. Maximal 40 Prozent der Dauercamper-Plätze seien belegt.

„Alle verhalten sich umsichtig“

Dabei müssen die Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten werden. Gastronomie-, Sport- und Freizeitangebote sind geschlossen. „Wir sind auf Nummer sicher gegangen“, erklärt Ingenlath. Er habe das Gesundheitsamt des Kreises sowie das Ordnungsamt der Stadt mit einbezogen, um abzuklären, welche Vorkehrungen zur Öffnung der Sanitäranlagen getroffen werden müssten.

„Die Einhaltung der Regeln klappt gut, alle verhalten sich umsichtig“, so der Besitzer. Seit gestern gebe es in den Sanitäranlagen auch eine Maskenpflicht. „Wir wollen einfach so vorsichtig wie möglich sein“, meint Ingenlath. Niederländer seien derzeit nicht auf dem Gelände. „Es haben ohnehin nur eine Handvoll ihre Dauerstellplätze bei uns.“

Sollten trotz Reisewarnung Gäste aus dem Nachbarland kommen, werde er sie aber nicht wegschicken. Bei Verschiebungen und Stornierungen, ob von niederländischen oder deutschen Urlaubern, zeigt sich der Campingpark gerade sehr kulant. „Einige haben schon für Mai oder Juni angerufen, wir finden da immer eine Lösung.“ Wann touristische Camper kommen dürfen, hat das Land noch nicht festgelegt.

Dieser Artikel erschien zurerst auf WAZ.de

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