Capucon ließ Korngold glitzern

DORTMUND "Mehr Korn als Gold" wetterte die Kritik, als sie 1947 Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert hörte. Mehr Silber und eine fabelhafte Eleganz ließ der Franzose Renaud Capucon am Montag beim 5. Philharmonischen Konzert aus dem Werk des Amerikaners klingen, das inzwischen ein Klassiker der Violinliteratur ist. Den vielen Hollywood-Filmmusikanklängen zum Trotz - oder gerade deshalb?

von Von Julia Gaß

, 08.01.2008, 17:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Capucon ließ Korngold glitzern

Renaud Capucon war der Solist des Philharmonischen Konzertes in Dortmund.

Eine schöne Balance zwischen Filmromantik und kluger, sinnstiftender Struktur fand der Exklusivkünstler des Dortmunder Konzerthauses. Und machte das Korngold-Werk mit seiner großen emotionalen Hingabe und Intensität, einem Hauch von Hollywood, einem wunderschönen Ton und vielen Farben, die der 32-Jährige mit leuchtendem Ton silbrig glänzen ließ, zum Höhepunkt des Abends. Capucons Zugabe, eine Improvisation über eine Melodie aus Glucks "Orpheus", die sonst die Flötisten spielen, haben die meisten Zuhörer in dieser hochromantischen Interpretation wohl nicht wiedererkannt.

Trompete klang etwas matt vom Bühnenausgang

Eingebettet war das Konzert in ein amerikanisch-britisches Programm mit Ives' "Unanswered question" und Elgars "Enigma"-Variationen. Am Pult stand der Amerikaner Christopher Seaman, ein zurückhaltender Dirigent vom Typ englischer Gentleman. Ives' unbeantwortete ewige Frage des Seins stellte die Trompete versteckt in der Tür zum Bühnenausgang. Etwas matt klang sie dort über dem Streicherteppich, den die Dortmunder Philharmoniker mit viel Ruhe und Tonkultur ausbreiteten. Auf einer der Emporen wäre der Bläser besser platziert gewesen.

Philharmoniker als sensible Partner

Die Philharmoniker, im Korngold-Konzert ein sensibler Partner des Solisten, fanden in Elgars Variationen behutsam zu einem prächtigen sinfonischen Klang. Pointiert hatte Seaman die Porträts von Elgars Musikerfreunden ausgearbeitet. Die bellende Bulldogge konnte man in den musikalischen Rätseln hören, auch die kichernde Frau aus der britischen Society. Die Darstellungen großer Emphase hatte sich der Dirigent bis zum Schluss, Elgars Selbstporträt, aufgespart.

Heute, 20 Uhr, noch einmal. Karten: (0231) 50-27222.