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Der Liebling aus Schweden

CASTROP-RAUXEL Der bucklige Volvo war für ihn das schönste Auto. Wenn er die kurvige Karosse im Stadtbild sah, träumte der junge Günter Heibowitz davon, selbst einmal am Steuer zu sitzen.

von Von Gabriele Regener

, 15.02.2008

Schicke Volvos waren damals keine Seltenheit - schließlich hatte der schwedische Autobauer eine große Regional-Importanlage in der Europastadt gebaut. Damit hatte Castrop-Rauxel unter insgesamt 15 angedachten Standorten im Revier den Zuschlag erhalten. 1958 hatten die Schweden in Frankfurt ihre erste Niederlassung eröffnet, 13 Jahre später kamen sie nach Castrop-Rauxel, um von hier aus das Ruhrgebiet zu bedienen.

In Habinghorst *händlerfertig" gemacht

Die ersten 4000 Fahrzeuge wurden noch in Habinghorst "händlerfertig" gemacht, für die neue Importzentrale am Messenkamp wurde am 15. September 1971 der Grundstein gelegt. Dabei war auch der Generaldirektor Engellau, nach dem das Grundstück am Messenkamp in Engellaustraße umbenannt wurde. Knapp ein Jahr später war das Firmengebäude fertig und wurde feierlich eingeweiht. Neben Oberbürgermeister Paulikat und etlichen weiteren Festrednern sprach auch der Rennfahrer Richard von Frankenberg, der später tödlich verunglückte.

Volvo war endgültig in Castrop-Rauxel angekommen und schuf hier mehrere hundert Arbeitsplätze. In der Auslieferungswerkstatt wurden die importierten Wagen für die Übergabe an die deutschen Vertragshändler vorbereitet, daneben gab es eine Service-Werkstatt für Personenkraftwagen, eine große Werkstatt für Nutzfahrzeuge, ein umfangreiches Ersatzteillager , mehr als 600 Quadratmeter Bürofläche, einen Schulungsraum, und - typisch schwedisch - eine Sauna.

Traum vom Schwedenauto wurde Wirklichkeit

Günter Heibowitz hat sich damals nicht bei Volvo verdingt, sondern ist Metzger geworden. Sein Traum vom schicken Schwedenauto ist dennoch längst Wirklichkeit geworden. "RE-PV-544H" steht auf dem Nummernschild. Ein Bezug auf die Volvo-Serie 544 und der Buchstabe "H" dafür, dass es sich um einen echten Oldtimer handelt.

Doch so schnieke wie heute, mit immerhin 45 Jahren, war der Buckelvolvo nicht immer. Als Heibowitz ihn vor 15 Jahren in einer Kleinanzeige entdeckte, kaufte er eine ziemliche Schrottlaube. Zwei Jahre lang, ungezählte Stunden, hat der Hobbymechaniker gebastelt, bis aus dem heruntergekommenen Auto ein nobles Gefährt wurde. Hat die knallroten Polster aufgemöbelt, die Karosse cremeweiß lackiert. Doch das war eigentlich nur das I-Tüpfelchen. "Bei diesem Wagen ist kein Teil zusammen geblieben", erzählt er. "Doch der Motor ist noch original und läuft prima, obwohl er rund 250 000 auf dem Buckel hat."

Buckel fasziniert

Und eben dieser Buckel fasziniert die Fans. Wobei die Rundungen auch in die Breite gehen. Anfangs noch völlig ohne Spiegel hergestellt, weil die in Schweden nicht vorgeschrieben waren, haben die alten Buckelmodelle später gleich zwei Spiegel untereinander verpasst bekommen. Anders kann man, erklärt Heibowitz, nicht über die "dicke Taille" nach hinten sehen.

Trotz der dicken Liebe zu seinem Oldtimer setzt sich Heibowitz alltags in ein Auto jüngeren Datums. Ebenfalls ein Volvo. Was sonst? Auch wenn es in der Europastadt keine Niederlassung der Schweden mehr gibt, er bleibt den Nordlichtern treu.   

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