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Kein Bus in Sicht

Castrop-Rauxel "Ich warte auf den Bus Nummer 343", sagt Walter Brasgalla. Der 75-Jährige steht am Busbahnhof, blickt wiederholt zur Uhr. "Eigentlich müsste der Bus doch schon da sein!"

von Von Gabriele Regener

, 22.02.2008

Eigentlich. Doch an diesem Freitag gehen die Uhren anders. Warnstreik bei Verdi, alle Busse sind im Depot geblieben. Der große Busbahnhof in der Altstadt wirkt verwaist. Bis auf diejenigen, die von den Informationen in den Medien nichts mitbekommen haben.

Wie Walter Brasgalla. Der Rentner, der an diesem Morgen einen Arztbesuch absolviert hat und dazu zu Fuß von Bladenhorst gekommen ist, zuckt die Schultern. "Dann muss ich eben auch zu Fuß zurück, geht ja nicht anders."Warten auf Linie 480

Auch Ertas Serif ergibt sich in sein Schicksal. Der 63-jährige wartet auf die Linie 480. Dass es an den Haltestellen auffallend leer ist, hat er noch gar nicht bemerkt. Schulterzuckend macht er sich auf den Weg. Geht ebenfalls zu Fuß. Ein anderer verhinderter Fahrgast wählt die bequeme Variante und marschiert zum Taxistand. Dort herrscht reges Ankommen und Abfahren.

"Heute ist gut zu tun", freut sich Regina Kampe. "Denn sonst ist der Freitag eher ruhig. Die älteren Leute kommen gern dienstags und donnerstags, verbinden Arzttermine mit einem Marktbesuch." Kaum hat sie das gesagt, steht schon eine ältere Dame an der Beifahrertür. Die nächste Tour.

Kollegin Mechthild Riese-Öser hat frühmorgens viele Berufstätige kutschiert, die eigentlich den Bus nehmen. "Da war richtig viel los, jetzt ist es schon ruhiger", beurteilt sie die Lage.Fahrgemeinschaft oder Taxi

Wer das Taxigeld sparen wollte, musste sich nach anderen Transportmöglichkeiten umsehen. Andrea Kagels, die bei City Back Feldkamp am Münsterplatz arbeitet, konnte bei Bekannten ins Auto steigen. Das hatte nur einen Haken. Sie stand bereits morgens um zehn Uhr in der Bäckerei, zwei Stunden zu früh. Ihr Job beginnt eigentlich erst um zwölf. Doch sie macht sich schon mal nützlich. Was den Chef sicher freut.

Mitfahrgelegenheiten waren auch bei den Schülerinnen und Schülern des Adalbert-Stifter-Gymnasiums sehr gefragt. Häufig haben die Eltern den Bringdienst übernommen, erzählen Sarah Wolper und Monique Renk. Die beiden, aus Merklinde und Frohlinde stammend, sind froh, dass sie es so bequem hatten. "Ich hätte ja notfalls auch gehen können, doch das sind mindestens 20 Minuten", sagt Sarah.

Weil sie ausgerechnet heute eine vierstündige Klausur im Bio-Leistungskurs schreiben musste, hat sie den Komfort genossen.

"Wir sind durch einen Aushang gestern schon informiert worden, dass wir zur Klausur erscheinen müssen", erklärt Frederike Podscharly, ebenfalls Schülerin der Stufe 12 und auch im Bio-Leistungskurs. Jetzt wartet sie am Fahrrad-Unterstand auf ihre Mutter, die sie und die Freundin, die noch über der Klausur brütet, wieder abholt.Fahrräder stehen dicht an dicht

Wo an anderen Tagen viel Platz ist, um bei Nieselregen ein trockenes Dach über dem Kopf zu haben, stehen die Fahrräder dicht an dicht. "Hier ist es sonst merklich leerer", berichtet Frederike. Ein Zeichen dafür, dass die meisten Schüler trotz den Streiks im öffentlichen Nahverkehr angetreten sind: per pedes, per Rad und mit dem Elterntaxi.

  

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