Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

WLT-Premiere: Das Familien- Kochbuch

CASTROP-RAUXEL Nie für sich, aber allein - so fühlen sich Dolores und Gernot seit der Hochzeit ihres Vaters und seiner Mutter. Lange Zeit sind sie mehr Sohn und Tochter als Bruder und Schwester, machen im Annäherungsprozess mehr Tiefen als Höhen durch. Alles rund um die WLT-Premiere lesen Sie hier.

von Von Julia Grunschel

, 12.02.2008

Das Dilemma von Kindern in Patchworkfamilien rückte Regisseur Remo Hofer heute Morgen im "Familienkochbuch" in den Vordergrund und erntete vom Zielpublikum - Sechst- und Siebtklässler der Willy-Brandt-Gesamtschule - donnernden Applaus. Denn wer schon mit der deutschen Übersetzung von Pinks Ohrwurm "Familyportrait" einsteigt, kann nur wissen, was Kinder und Jugendliche interessiert. Und wer sie dann noch zu Beginn über das Fotografieren der dargestellten Familie ins Spiel einbezieht, der hält die Schüler so gut bei der Stange, dass sie später unaufgefordert als "Running Gag" ein Wolfsgeheul der Schauspieler aufnehmen.Rückblick auf das gemeinsame leben

Mit Hilfe ihres Familienkochbuchs blicken die burschikose Dolores (Denise Elsen) und der schüchterne Gernot (Stefan Leonard) auf das gemeinsame Leben zurück. Aufmüpfig, feindselig und auf Konfrontationskurs mit der Stiefmutter zeigt sich Dolores. Dass sie mit ihrem Verhalten oft dem stillen, unter seiner Leserechtschreib-Schwäche leidenden Gernot vor den Kopf stößt, bemerkt sie nicht. Der Zuschauer sieht zwei unglückliche Kinder, die mit dem Glück ihrer Eltern überfordert sind und die sich trotzt der neuen Viersamkeit alleine fühlen. Denise Elsen und Stefan Leonard schlüpfen so authentisch in die Rolle der Kinder, dass man sich direkt in ihre vertrackte Situation hineinversetzt, sich mit ihnen wie ein Häufchen Elend fühlt, sich aber genauso freut, als sie die ersten Schritte aufeinander zugehen.

Dass Mutter und Vater trotz ihres Dauergrinsens ebenfalls ihre Probleme mit der neuen Situation haben, wird über ihre Mimik und Gestik klar. Zudem sagen beide keinen Ton. Denn während die Mutter (Gerrit Pleuger) nur singt, spielt der Vater (Alexander Leder) nur Keyboard. Erst am Ende, als sich alle zusammen gerauft haben und sich langsam wie eine Familie fühlen, finden sie ihre Sprache wieder."Etwas Neues, Köstliches st entstanden..." "Etwas Neues, Köstliches ist entstanden - besser als alle Zutaten, mit denen du angefangen hast", überlegt Gernot. So ist es an der Zeit, Pinks düsteres Lied umzuschreiben: "Im Familienfoto sind nun wir zusammen, sind wir nicht gefangen, sind wir wieder frei..."

Lesen Sie jetzt