Corona an Schulen vorbeugen: Diese Regeln empfiehlt das RKI

Coronavirus

Damit Präsenzunterricht auch im Winter klappt, hat das Robert-Koch-Institut neue Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Prinzipiell basieren die auf Altbekanntem.

14.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Damit es auch nach den Herbstferien Präsenzunterricht an den Schulen gibt, hat das RKI einige Empfehlungen ausgesprochen.

Damit es auch nach den Herbstferien Präsenzunterricht an den Schulen gibt, hat das RKI einige Empfehlungen ausgesprochen. © picture alliance/dpa

Schüler sollen weiterhin in Klassenzimmern und nicht via Digitalunterricht lernen. So lautet das erste Ziel, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) in seiner nun veröffentlichten Empfehlung „Präventionsmaßnahmen an in Schulen während der Covid-19-Pandemie“ nennt. Auch Lehrkräfte und Kinder sowie Jugendliche mit Vorerkrankungen sollten „ohne erhöhtes Covid-19-Risiko am Unterricht teilnehmen können“, schreibt die Behörde. Abstand halten, Hygienemaßnahmen wie sorgfältiges Händewaschen, Alltagsmasken tragen und regelmäßig Lüften, diese altbekannten Empfehlungen gelten weiterhin auch für Schulen.

Das RKI geht in dem Papier davon aus, dass es in den Wintermonaten nicht genügend Corona-Tests geben wird. Ohne Test lässt sich eine Corona-Infektion jedoch oftmals kaum von einer Erkältung oder Grippe unterscheiden. Wer Symptome wie Fieber, Schnupfen oder Halsschmerzen zeigt, solle deshalb dem Unterricht auch ohne positiven Corona-Test vorsorglich für mindestens fünf Tage fern und Zuhause bleiben. Erst nach 48 Stunden ohne Symptome rät das RKI, die Schule wieder zu besuchen.

Individuelle Maßnahmen für jede Schule

Darüber hinaus räumt das RKI ein, dass es keine „one size fits all“-Lösung geben könne. Heißt: Jede Schule müsse selbst entscheiden, welche Maßnahmen in Anbetracht von Infektionslage und Risikopatienten unter Schülern und Lehrkräften zusätzlich sein müssten.

Um Orientierung zu bieten, gibt das RKI Tipps, was jeder Einzelne tun kann, aber auch, wie Schulleitungen für mehr Sicherheit sorgen können: Pädagogisches Personal sollte im Unterricht eine Maske tragen, empfiehlt das RKI. Wenn in der Region weniger als 25 Coronafälle je 100.000 Einwohner auftreten, reiche es, den Mund-Nasen-Schutz in Situationen zu verwenden, in denen keine eineinhalb Meter Abstand möglich sind. Erwachsene, die nicht an der Schule arbeiten, sollten keinen Zutritt zum Gebäude bekommen.

Keine Klassenfahrten oder Stufenpartys

Damit Schüler unterschiedlicher Klassen so wenig wie möglich miteinander in Kontakt kommen, empfiehlt das RKI, weiterhin Gehwege innerhalb der Schule vorzuschreiben. Nur Lehrkräfte sollten die Räume wechseln, Klassen nicht. Steigen die Infektionen in der Region, könnten Schulstunden verkürzt werden oder Lehrkräfte digital unterrichten statt im Klassenzimmer. Schulpartys und Klassenfahrten sollten Schulleitungen bis auf Weiteres streichen.

Sport treiben sollten Schüler im Freien. Insbesondere für Lehrkräfte sei die „räumliche Entzerrung“ wichtig. Dazu könne beispielsweise die Aula als Lehrerzimmer umfunktioniert werden. Die Behörde empfiehlt darüber hinaus, Konferenzen virtuell abzuhalten. Treten während des Unterrichts Symptome auf, die auf eine Covid-19-Infektion hindeuten, solle die betroffene Person sofort isoliert werden. Damit der Ablauf im Ernstfall reibungslos klappt, rät die Behörde, im Vorfeld ein verantwortliches Corona-Team zu bilden.

Nicht genug Tests für alle

Zu der Frage, welche Schüler und Lehrkräfte auf Corona getestet werden sollen, hat das RKI ein zweites Dokument erstellt: „SARS-CoV-2-Testkriterien für Schulen während der Covid-19-Pandemie“. Für Schüler oder Lehrkräfte mit schweren Symptomen wie Atemnot sowie hohem Fieber oder einem gestörtem Geruchs- und Geschmackssinn empfiehlt die Behörde für Infektionsschutz in jedem Fall einen Test. Genauso, wenn auf Covid-19 hindeutende Symptome länger als fünf Tage ohne Verbesserung anhalten oder jemand Symptome hat und zu einer Risikogruppe gehört.

„Es gilt, dass der Schutz vulnerabler Gruppen und Risikopatienten eine besondere Priorität hat. [...] Testkapazitäten sollen effizient eingesetzt werden“, schreibt die Behörde. Als weitere Kriterien für einen optionalen Test nennt das RKI den engen Kontakt zu jemanden aus der Risikogruppe. Außerdem sollten für Covid-19 typische Symptome vorhanden sein. An Covid-19 erkrankte Kinder könnten unter Durchfall oder Erbrechen leiden.

Rückkehrer aus Risikogebieten identifizieren

Was ebenfalls für einen Test spricht, ist der Kontakt zu nachgewiesen erkrankten Menschen oder das Zurückkehren aus einem Risikogebiet. „Das Erfüllen eines Kriteriums bedeutet nicht, dass zwingend ein Test zu erfolgen hat“, stellt das RKI aber klar.

Ziel sei es nämlich nicht, jeden Coronafall zu identifizieren. Trotzdem gelte: umsichtig sein, um dem Verbreiten des Virus vorzubeugen. Jeder mit Symptomen wie Husten oder Halsschmerzen kann potenziell an Covid-19 erkrankt sein und solle sich deshalb „trotzdem so verhalten, dass Übertragungen verhindert werden“.

Mund-Nasen-Schutz hilft bedingt

„In relativ beengten Raumsituationen oder schwer zu überblickenden Kontaktsituationen“ könne eine Quarantäne für die gesamte Klasse sinnvoll sein, in der ein Schüler nachweislich an Covid-19 erkrankt ist. „Aufgrund der Aerosolsättigung bei unterrichtsbedingt langer Aufenthaltdauer im Klassenzimmer auch dann, wenn alle im Raum eine Mund-Nasen-Bedeckung oder einen Mund-Nasen-Schutz tragen“, schreibt das RKI. Ist eine Lehrkraft nachweislich infiziert, kann das je nach vorherigen Einhalten der Schutzmaßnahmen Quarantäne für alle unterrichteten Klassen bedeuten.

Damit Gesundheitsämter schnell gegen die weitere Verbreitung des Virus agieren können, sollten Lehrkräfte täglich Anwesenheitslisten führen. Das RKI empfiehlt weiterhin, die Corona-Warn-App zu nutzen.

Immer noch ein Risiko

Auf diese Weise lasse sich das Infektionsrisiko reduzieren, es sei aber nicht Null, sagt das RKI. Das Risiko sollte „innerhalb der Schule nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung sein“. Wichtig sei es, dass Verantwortliche die allgemeinen sowie die an ihrer Schule geltenden Regeln immer wieder altersgerecht kommunizierten. Das RKI schlägt außerdem vor, Schüler als Hygienelotsen auszubilden. Diese geben das Wissen über korrektes Händewaschen und den Umgang mit Alltagsmasken an Klassenkameraden weiter. Zudem verweist die Behörde auf die Vorbildfunktion älterer Jugendlicher sowie von Lehrkräften.

Diese Maßnahmen begründet das RKI mit bisherigen Beobachtungen zum Infektionsgeschehen an Schulen. Insbesondere Kinder und jüngere Jugendliche infizierten sich seltener als Erwachsene mit dem Coronavirus. Laut RKI seien sie deshalb „nicht Treiber der Pandemie“. Wenn bei ihnen Covid-19 ausbreche, erkrankten sie normalerweise leicht. Bisherige Ausbrüche des Virus an Schulen habe man gut kontrollieren können. Corona hätten oft Erwachsene in die Schulen eingeschleppt. Die Empfehlungen basierten auf aktuellen wissenschaftlichen Belegen.