Corona-Drohung nach Sexattacke: 24-Jähriger steht vor Zwangseinweisung

Landgericht Bochum

Die Anklage skizziert eine „Albtraum-Tat“: In Bochum attackiert ein Sex-Täter nachts auf einem Fußweg eine Passantin und droht später noch mit einer Coronainfektion. Jetzt steht er vor Gericht

Bochum

, 07.10.2020, 16:24 Uhr / Lesedauer: 1 min
Corona-Drohung nach Sexattacke: 24-Jähriger steht vor Zwangseinweisung

Sechs Monate nach einem mutmaßlichen Sex-Übergriff auf eine 40-jährige Frau unweit der Bochumer Ruhr-Uni steht ein psychisch kranker Mann aus den Niederlanden seit Mittwoch in Bochum vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft will den 24-Jährigen auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie einweisen - zum Schutz der Allgemeinheit.

Der Beschuldigte soll am 15. April an der Bochumer Laerheidestraße nachts eine Passantin verfolgt, überwältigt und sexuell angegriffen haben. Laut Staatsanwaltschaft wurden Hilferufe der Frau von dem Täter allein dadurch unterbunden, dass er ihr brutal die Faust in den Mundbereich gestoßen hat.

Anwohner verfolgt den Beschuldigten mit seiner Handytaschenlampe

Als ein Anwohner durch seinen bellenden Hund trotzdem auf das Geschehen aufmerksam geworden war und mit seiner Handytaschenlampe in die Richtung geleuchtet hatte, soll der Beschuldigte aufgesprungen und geflüchtet sein.

Nach einer kurzen Verfolgungsjagd konnte der Anwohner den Flüchtenden stellen. Bei der Festnahme soll der Beschuldigte dann behauptet haben, er sei mit dem Coronavirus infiziert. Ein späterer Test verlief jedoch negativ.

Staatsanwaltschaft stuft den 24-jährigen als schuldunfähig ein

Weil der junge Niederländer unter einer schweren psychischen Erkrankung leidet, geht es in dem Verfahren nicht um eine klassische Bestrafung. Die Staatsanwaltschaft hat den 24-Jährigen als schuldunfähig eingestuft.

Zum Auftakt des sogenannten Sicherungsverfahrens vor der 1. Strafkammer überreichte Verteidiger Martin Gentz am Mittwoch eine handschriftlich Erklärung des ansonsten vorerst schweigenden 24-Jährigen in niederländischer Sprache. Die Richter wollen das Schriftstück nun kurzfristig übersetzen lassen.