Corona-Hilfsprogramm startet: So bekommen Vereine finanzielle Unterstützung

Coronavirus

Keine Feste, keine Einnahmen, Kosten durch stornierte Verträge - Vereinen steht das Wasser bis zum Hals. Am Mittwoch (15.7) startet ein Hilfsprogramm des Landes - mit 50 Millionen Euro.

Düsseldorf

12.07.2020, 08:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei den Schützenvereinen stehen nach Angaben der Verbände im Rheinland und in Westfalen Vereine vor der Insolvenz oder haben diese sogar schon angemeldet.

Bei den Schützenvereinen stehen nach Angaben der Verbände im Rheinland und in Westfalen Vereine vor der Insolvenz oder haben diese sogar schon angemeldet. © picture alliance / Caroline Seid

Die Corona-Krise bringt so manchen Verein in Nordrhein-Westfallen in finanzielle Schwierigkeiten. Bei den Schützenvereinen etwa stehen nach Angaben der Verbände im Rheinland und in Westfalen Vereine vor der Insolvenz oder haben diese vereinzelt sogar schon angemeldet.

Sonderprogramm: 50 Millionen Euro für Schützen- und Traditionsvereine

Anderen könnte dieser Schritt noch drohen, wenn sie Veranstaltungen absagen müssen und Stornierungskosten für schon lange abgeschlossene Verträge anfallen. Diese Befürchtung geht auch bei Karnevalsvereinen um. Einige Kommunen wie das rheinische Elsdorf haben eine Art Rettungsschirm für Vereine aufgespannt und wollen bei finanziellen Notlagen helfen. Das will auch das Land.

Schützen- und Traditionsvereine, die durch die Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind, sollen Hilfen aus einem Sonderprogramm mit 50 Millionen Euro bekommen. Der Haupt- und Finanzausschuss des Landtags hatte die Summe zuletzt noch einmal deutlich aufgestockt und eine „möglichst großzügige Verwendung“ festgelegt.

Anträge können nach Angaben der Landesregierung ab dem 15. Juli bei den Bezirksregierungen gestellt werden. Traditions- und Brauchtumsvereine können einen einmaligen Zuschuss in Höhe von bis zu 15 000 Euro beantragen, um existenzbedrohende Liquiditätsengpässe zu überwinden. Auffallend verhalten ist die Nachfrage noch beim Hilfsprogramm des Landes für gemeinnützige Sportvereine: Von den zur Verfügung stehenden zehn Millionen Euro wurden bisher nur 4,4 Millionen abgerufen, wie der Landessportbund mitteilte.

Keine Einnahmen - aber Kosten durch stornierte Verträge

Das Geld sei in rund 650 Soforthilfen ausgezahlt worden, sagte Verbands-Sprecher Mirco Achzenick. Möglicherweise hätten die Vereine noch Rücklagen und die Corona-Krise komme erst später in den Vereinen an. Den Schützenvereinen fallen hingegen die wichtigen Einnahmen aus den Schützenfesten oder Vermietungen ihrer Plätze oder Vereinsheime an andere Vereine weg. Die Durchführung von Schützenfesten, Umzügen, Kirmesveranstaltungen und Abendveranstaltungen sei in diesem Jahr faktisch unmöglich geworden, teilten der Rheinische und Westfälische Schützenbund mit.

Verträge mit Musikern oder Schaustellern würden schon für mehrere Jahre im Voraus abgeschlossen. Bei Absagen könnten Stornierungs- und Schadenersatz-Kosten entstehen. Um das zu verhindern, seien behördlich angeordnete Veranstaltungsverbote sehr wichtig. Das meinen auch Karnevalisten wie der Geschäftsführer des Mönchengladbacher Karnevalsverbands Horst Beines. Als das Virus nach NRW kam, seien die Verträge mit den Künstlern für die nächste Session schon längst abgeschlossen gewesen, sagte er.

"Oh, da steht uns ja das Wasser bis zum Hals“

Das größte Veranstaltungsbudget hat in Mönchengladbach demnach die KG „Wenkbülle“. Wenn die Politik den Karneval nicht offiziell untersage und den Vereinen die Verantwortung überlasse, dann könnte das die Vereine richtig viel Geld kosten, meine Beines.

Die rheinische Stadt Elsdorf gehört zu den Kommunen in NRW, die ihre Vereine notfalls retten wollen. Wahrscheinlich zeige sich aber das Ausmaß der ganzen Corona-Krise aber erst im Frühherbst, wenn die Vereine bilanzierten, „und auf einmal sehen: oh, da steht uns ja das Wasser bis zum Hals“, sagte Sprecher Robert Wassenberg. Die laufenden Kosten seien ja eher überschaubar. Aber die Stornierung von Verträgen etwa beim Zelte-Bauer könnte schon recht teuer werden.

dpa

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