Corona-Impfstoff von Moderna: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu mRNA-1273

Neue Impfstoffzulassung

Die EU-Kommission lässt den Moderna-Impfstoff von US-Hersteller Moderna in der EU zu. Sechs wichtige Fragen und Antworten rund um den Impfstoff mRNA-1273 im Überblick.

06.01.2021, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Moderna-Impfstoff ist das zweite Vakzin, das in der EU zugelassen worden ist.

Der Moderna-Impfstoff ist das zweite Vakzin, das in der EU zugelassen worden ist. © picture alliance/dpa/AP

Nach der Zulassung des Corona-Impfstoffs des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Pharmapartners Pfizer ist nun auch das Vakzin des US-Herstellers Moderna von der Europäische Arzneimittel-Agentur Ema zur Zulassung empfohlen worden. Auch in den USA und in Kanada ist der Impfstoff bereits zugelassen. Was ist über den Impfstoff mRNA-1273 bekannt – und was nicht?

1. Wie funktioniert der Impfstoff im Körper?

Das Vakzin von Moderna ist – ebenso wie das vom Hersteller Biontech – ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Es enthält einen Bauplan für das Spikeprotein von Sars-CoV-2, dem Protein, das auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt und dessen wichtigste Waffe ist: Mit Hilfe des Spikeproteins kann das Virusin die menschlichen Körperzellen der Atemwege eindringen.

Gleichzeitig ist das Spikeprotein die verwundbarste Stelle des Virus, da es auch Bindungsstelle für neutralisierende Antikörper sein kann. Damit können Impfstoffe über diese Stelle das Virus angreifen.

Die RNA ist eine Arbeitskopie der DNA, die in unserem Zellkern vorliegt. Bei einem mRNA-Impfstoff wird die RNA mithilfe lipidhaltiger Nanopartikel in die Zelle geschleust und dort in ein Antigen übersetzt. Dadurch kann das Immunsystem das benötigte Antigen beim Kontakt der geimpften Person mit Sars-CoV-2 erkennen und die Infektion gezielt bekämpfen.

Das in Deutschland für Impfstoffzulassungen zuständige Paul-Ehrlich-Institut betont dabei, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass die von den Körperzellen nach der Impfung aufgenommene mRNA in DNA umgeschrieben wird.

2. Wie sicher ist der Impfstoff von Moderna?

Die Phase-III-Studie zu „mRNA-1273″ von Moderna umfasste insgesamt mehr als 30.000 Probanden, wovon gut die Hälfte den Impfstoff erhielt und die anderen als Kontrollgruppe dienten und ein Placebomittel erhielten. Dabei sollen dem Impfstoffentwickler zufolge bei den Geimpften keine ernstzunehmenden, schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sein. Dennoch betont Moderna, dass der Impfstoff mit geringer Wahrscheinlichkeit schwere allergische Reaktionen verursachen könnte.

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Mögliche Symptome seien Schwierigkeiten beim Atmen, Schwellungen in Gesicht und Hals, ein schneller Herzschlag, ein schlimmer Hautausschlag über den gesamten Körper sowie Schwindel und Kraftlosigkeit. Die Sicherheit des Impfstoffs wird auch nach einer Zulassung weiterhin überwacht, da seltene Nebenwirkungen oft erst bei einer breiten Anwendung beobachtet werden.

3. Welche Impfreaktionen sind bekannt?

Laut einer Datenanalyse der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Moderna-Impfstoff waren die am häufigsten bemerkten Impfreaktionen mild bis moderat. Berichtet wurde von Reaktionen an der Injektionsstelle (91,6 Prozent), Müdigkeit (68,5 Prozent), Kopfschmerzen (63,0 Prozent), Muskelschmerzen (59,6 Prozent), Gelenkschmerzen (44,8 Prozent) und Schüttelfrost (43,4 Prozent).

0,2 bis 9,7 Prozent der Studienteilnehmer berichteten von etwas schwereren Reaktionen. Darunter fällt beispielsweise Fieber. Diese traten nach der zweiten der beiden Impfungen häufiger auf und betrafen vorwiegend jüngere Teilnehmer.

Im Vergleich zum Biontech-Impfstoff traten Reaktionen bei einer Impfung mit mRNA-1273 etwas häufiger auf. Unter anderem Muskelschmerzen (38 Prozent) und Schüttelfrost (32 Prozent) waren nach einer Impfung mit dem Biontech-Impfstoff auf Grundlage der Studiendaten seltener.

Nach den ersten Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna in den USA berichtete ein Arzt aus Bosten nach der Injektion von starken allergischen Reaktionen. Er habe mit Schwindel und Herzrasen auf die Impfung reagiert. Ähnliche Symptome sind auch schon beim Biontech-Pfizer-Impfstoff in Großbritannien und den USA aufgetreten.

4. Wie wirksam ist die Impfung?

Moderna errechnet aus den Daten der Studien eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Insgesamt erkrankten bislang 95 Studienteilnehmer an Covid-19. Davon entfielen 5 Fälle auf die tatsächlich geimpften Probanden, 90 Fälle wurden in der Kontrollgruppe diagnostiziert.

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Daraus errechnet sich eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Dabei unterscheidet sich die Wirksamkeit leicht zwischen den Altersgruppen: Während sich bei den 18- bis 65-Jährigen Probanden laut FDA eine Wirksamkeit von 95,6 ergibt, weist das Vakzin den Studiendaten zufolge bei den über 65-Jährigen eine Wirksamkeit von 86,4 Prozent auf und ist in dieser Altersgruppe somit etwas weniger wirksam.

Im Abstand von 28 Tagen sind laut FDA-Analyse zwei Impfdosen von jeweils 100 Mikrogramm nötig, um das Immunsystem optimal auf eine echte Infektion vorzubereiten. Zu der Dauer des Impfschutzes vor dem Coronavirus nach einer Impfung liegen noch keine aussagekräftigen Daten vor.

5. Wie muss der Impfstoff gekühlt und gelagert werden?

Der wichtigste Unterschied zwischen den Impfstoffen Moderna und Biontech ist die Voraussetzung für die Lagerung. mRNA-1273 kann bis zu 30 Tage in einem normalen Haushaltskühlschrank bei zwei bis acht Grad Celsius gelagert werden und bei minus 20 Grad für mehrere Monate gelagert werden.

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Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss hingegen zur längeren Lagerung auf minus 70 Grad gekühlt werden und kann nur fünf Tage lang bei Kühlschrank-Temperaturen gelagert werden.

6. Wo ist der Impfstoff von Moderna bereits zugelassen?

Am Mittwoch hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA die bedingte Marktzulassung für den Corona-Impfstoff des US-Pharma-Unternehmens Moderna empfohlen. Formell muss noch die EU-Kommission in Brüssel die Genehmigung erteilen.

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Die EU hat bei Moderna bereits 160 Millionen Dosen des Impfstoffes bestellt. Zuvor erhielt das Moderna-Vakzin am 18. Dezember 2020 eine Notfallzulassung von der FDA in den USA. Auch in Kanada ist der Impfstoff bereits zugelassen.

RND/bk/sbu mit Material von dpa

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