Corona-Medikament: USA sichern sich Bestände von Remdesivir

Arzneimittel

Die USA sollen sich für die kommenden drei Monate den weltweiten Bestand des möglichen Corona-Medikaments Remdesivir gesichert haben. Für Europa und den Rest der Welt dürfte demnach vorerst nicht allzu viel übrig bleiben.

Washington, DC

01.07.2020, 09:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Remdesivir Arznei

Die ersten 140.000 Dosen von Remdesivir sind bereits aufgebraucht. © picture alliance/dpa

Mehr als 500.000 Dosen des möglichen Corona-Medikaments Remdesivir habe die Regierung von US-Präsident Donald Trump aufgekauft und sich damit den weltweiten Bestand des Arzneimittels für die kommenden drei Monate gesichert. Darüber berichtet die britische Zeitung „The Guardian“.

Keine Medikamentendosen für den Rest der Welt übrig

Die US-Regierung beanspruche die gesamte Produktionskapazität des Pharmazie- und Biotechnologieunternehmens Gilead Sciences für den Monat Juli sowie 90 Prozent der Kapazität im August und September. Europa und der Rest der Welt dürften somit leer ausgehen. Zumal auch die ersten 140.000 Dosen, die für weltweite Arzneimittelstudien überlassen wurden, bereits aufgebraucht seien, schreibt die Zeitung.

„Präsident Trump hat eine erstaunliche Vereinbarung getroffen, um sicherzustellen, dass die Amerikaner Zugang zu dem ersten zugelassenen Therapeutikum für Covid-19 haben“, wird der US-amerikanische Gesundheitsminister Alex Azar zitiert. „Wir möchten so weit wie möglich sicherstellen, dass jeder amerikanische Patient, der Remdesivir benötigt, es bekommen kann.“

Zahl der Neuinfektionen stark gestiegen

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt in den USA weiter dramatisch an. Alleine am Dienstag registrierten die amerikanischen Gesundheitsbehörden mehr als 47.000 Neuinfektionen – ein neuer Rekordwert. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland haben sich inzwischen mehr als 2.600.000 Menschen mit dem Sars-CoV-2-Erreger angesteckt. Die Zahl der Toten liegt derzeit bei rund 127.000.

Der Immunologe Anthony Fauci hatte am Dienstag bei einer Anhörung im Senat davor gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 pro Tag steigen könnte, sofern die hohen Fallzahlen in den einzelnen Bundesstaaten nicht unter Kontrolle gebracht werden würden. „Ich bin sehr besorgt“, sagte er. „Wir bewegen uns in die falsche Richtung.“

Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt Zulassung von Remdesivir

Mit dem Kauf des weltweiten Angebots an Remdesivir reagiert die US-Regierung nicht nur auf die steigende Infektionsrate, sondern sie unterstreicht gleichermaßen ihre „America first“-Haltung. Schon im März kamen Gerüchte auf, dass Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken. Den Impfstoff des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac in Tübingen wollte sich Trump exklusiv für sein Land sichern.

In welcher Form das einstige Ebola-Medikament Remdesivir wirksam im Kampf gegen das Coronavirus ist, bleibt in Teilen noch unklar. Erst vor wenigen Tagen hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Zulassung für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury unter Auflagen auch in Europa empfohlen.

Fünftägige Behandlung kostet rund 2000 Euro pro Patient

Eine internationale Studie mit über 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann – von 15 auf elf Tage. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht signifikant war.

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wird in klinischen Studien getestet.

Zuletzt hatte der Hersteller Gilead Sciences auch den Preis des Wirkstoffs für den US-Markt festgelegt. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die US-Regierung 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient kosten, schrieb Gilead-Chef Daniel O’Day am Montag in einem offenen Brief. Dieser Nettobetrag sei auch für Deutschland geplant, sagte der Sprecher von Gilead Sciences in Deutschland, Martin Flörkemeier, am Dienstag.

RND