Corona: Oberhausen hat die niedrigste Infektionszahl in NRW - einfach nur Glück?

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Oberhausen ist in der weltweiten Corona-Pandemie NRW-weit betrachtet eine Stadt mit einer bemerkenswerten Entwicklung. Hatte die NRW-Stadt einfach nur Glück oder die richtigen Maßnahmen getroffen?

von Peter Szymaniak

Oberhausen

, 01.05.2020, 12:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selbst die Verantwortlichen an der Oberhausener Rathaus-Spitze schauen etwas ungläubig auf die Daten, doch tatsächlich schneidet Oberhausen im Vergleich aller 54 Großstädte und Kreise in Nordrhein-Westfalen in der traurigen Gesamtsituation der weltweiten Corona-Pandemie am besten ab.

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Im deutschlandweit nach Bayern am zweitstärksten betroffenen Bundesland hat Oberhausen nach Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums die bisher wenigsten Bürger mit offiziell festgestellter Corona-Infektion – gemessen natürlich an der Einwohnerzahl. Gerechnet auf 100.000 Einwohner waren oder sind derzeit nur 84 Oberhausener infiziert.

Nur ein einziger Corona-Toter

Zum Vergleich: In Essen beträgt diese Zahl 123, in Bottrop 124, in Gelsenkirchen 127, in Duisburg wie Recklinghausen 166, in Aachen 333, in Olpe 409 und im Kreis Heinsberg 686. Zusammen mit Herne gehört Oberhausen zu den Kommunen und Kreisen in NRW, die bisher nur einen einzigen an Corona verstorbenen Menschen zu beklagen haben. Die Ursachen für diese positive Entwicklung sind selbst den Fachleuten unklar: Hat Oberhausen bis jetzt einfach nur Glück gehabt? Wie entscheidend war die geräuschlose Zusammenarbeit mit über 30 Vertretern wichtiger Institutionen des städtischen Krisenstabs?

Die bisher gute Entwicklung in Oberhausen basiert offenbar nicht darauf, dass im Stadtgebiet weniger Bürger als in anderen Kommunen getestet wurden. So sind in Oberhausen bei 210.000 Einwohnern über 4500 Menschen auf Corona getestet worden, in Essen beispielsweise über 6800 bei 590.000 Einwohnern.

Geringe Quote an Corona-positiven Tests

In Oberhausen hatten von den getesteten Verdachtspersonen allerdings nur 4,1 Prozent tatsächlich Corona. In Essen waren es 10,8 Prozent. Wenn man bedenkt, dass in Essen wie in Oberhausen ähnlich wie in anderen Großstädten bundesweit aufgrund schmaler Testkapazitäten eine strikte Auswahl der Testpersonen getroffen wurde (Symptome wie Fieber/Husten, Einreise aus Risikogebieten, enger Kontakt mit Infizierten), sind beide Quoten erstaunlich gering. Denn die Wahrscheinlichkeit der ausgewählten Testpersonen, an Corona erkrankt zu sein, müsste durch die strenge Auswahl viel höher sein als in der restlichen Bevölkerung.

In Oberhausen ist die Quote der entdeckten Corona-Patienten im Übrigen nach Berechnungen aufgrund städtischer Infektionsdaten seit Anfang April stetig gefallen – von 8,5 Prozent auf nur noch 4,1 Prozent. Das liegt sicherlich auch daran, dass nach dem Ausbau der Labor-Möglichkeiten nun mehr Menschen auf Verdacht beprobt werden als am Anfang der Corona-Krise, als man nur stark Corona-Verdächtige zum Test gebeten hatte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf WAZ.de.

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