Corona-Statistik: Kreis Borken sieht keinen Grund zur Entwarnung

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Nach Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes Borken gibt es trotz der positiven Entwicklung der Corona-Zahlen keinen Grund zur Entwarnung. Christiane Göke sprach darüber mit Michael Heistermann.

von Christiane Göke

02.05.2020, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Wochen aktualisieren die Mitarbeiter des Gesundheitsamt des Kreises Borken jeden Tag die Tabellen zu Erkrankten, Genesenen und Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Christiane Göke hat mit Michael Heistermann, stellvertretender Leiter des Kreisgesundheitsamtes Borken, über die Zahlen gesprochen. Wie werden sie zusammengestellt? Und wie kann man die Regionen vergleichen?

Zum Verlauf der Pandemie: Ist die Entwicklung im Kreis Borken positiv?

Nach Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes Borken gibt es derzeit keinen Grund für eine Entwarnung. Die täglich neu gemeldeten Infiziertenfälle sind zwar nur sehr moderat steigend; ein bis zwei Fälle am Tag. Im Vergleich zum Anfangsgeschehen – täglich 40 bis 60 neue Fälle – ist das natürlich eine sehr positive Entwicklung. Hier zeigt sich deutlich, wie wichtig das Einhalten der Abstands- und Hygieneregelungen ist.

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Die Bürger halten sich an die Vorgaben. Dies ist entscheidend für die weitere Entwicklung, denn die Virologen sprechen in diesem Zusammenhang immer wieder von der Möglichkeit einer zweiten Welle. Dies wird bei zu raschen Lockerungen und den damit verbundenen intensiveren Kontakten befürchtet. Hier ist natürlich jeder aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten, damit das genau nicht passiert. Wir müssen also weiter sehr aufmerksam sein.

Wie werden die Zahlen erhoben?

Im Kreisgesundheitsamt gehen die Labormeldungen der positiven Testergebnisse ein. Diese werden in das EDV-System ISGA (Informationssystem Gesundheitsamt) eingegeben. Dabei werden die Daten der positiv getesteten Person hinterlegt. Dann folgt ein Arbeitsprozess von der Kontaktpersonenverfolgung bis hin zur Aufhebung der Quarantäne. Alle Schritte werden nachgehalten, so dass am Ende ein komplettes Bild in ISGA zur Verfügung steht.

Was verraten uns die Zahlen und was zeigen sie uns auf den ersten Blick nicht?

Die von uns erstellten Grafiken zeigen das tatsächliche Infektionsgeschehen. Man kann so sehr gut bestimmte Entwicklungen erkennen. Aktuell geht die Kurve der Infizierten nach unten und die der Genesenen nach oben. So wünschen wir uns natürlich auch die weitere Entwicklung. Man muss bei den Zahlen allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer der Infizierten nicht erfasst wird. Schließlich wird nicht flächendeckend getestet, sondern „nur“ im Umfeld der positiv getesteten Personen und bei solchen, die die Behandlungszentren in Bocholt und Legden aufsuchen. Zudem veranlassen natürlich auch Arztpraxen weiterhin Testungen.

Was uns überdies die Zahlen nicht verraten, ist zum Beispiel die Schwere der Krankheitsverläufe. Die Sterberate für den ganzen Kreis Borken liegt derzeit bei 4,1 Prozent gemessen am Anteil der festgestellten Infektionen. Der Landesdurchschnitt liegt derzeit bei 3,7 Prozent. Diese Werte ändern sich täglich.

Wie viele Tests wurden im Kreis bereits durchgeführt?

Eine Schätzung der durchgeführten Testungen ist leider nicht möglich. Die Zahl liegt auf jeden Fall im unteren fünfstelligen Bereich.

Kann man den Kreis Borken mit einer anderen Region vergleichen?

Der Vergleich ist schwierig. Die Regionen sind zunächst sehr unterschiedlich in das Geschehen gestartet. Im Kreis Borken gab es die meisten Einträge über Gruppen, die aus den Skigebieten in Österreich und Südtirol zurückgekehrt sind. Daraus haben sich weitere Infektionsketten gebildet.
In anderen Regionen ist das Krankheitsgeschehen erst später gestartet, bringt heute aber noch vergleichsweise hohe Neuinfektionen. Wir haben im Kreis Borken zu Beginn viel getestet und damit auch umfassend ermittelt und Infizierte und Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt. In anderen Regionen hat man sich zunächst auf Symptome gestützt und dann getestet. Der Weg, den wir als Kreis hier gegangen sind, ist und war aus unserer Sicht zielführend.

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