Corona-Desaster: Technik-Panne und Abstimmungsbedarf verzögern Schutzmaßnahmen im Kreis Unna

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Im Kreis Unna ist der Corona-Warnwert überschritten. Aufgefallen ist das infolge einer Technikpanne mit Verzögerung. Für zusätzliche Verzögerung sorgt die Kompetenzfrage der Behörden.

Kreis Unna

, 06.10.2020, 13:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Obwohl die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Kreis Unna einen markanten Wert überschritten hat und die Coronaschutzverordnung für diesen Fall eigentlich klare Vorgaben macht, passiert erstmal – nichts. Die Behörden befinden sich noch in der Abstimmung. Schlimmer wiegt noch: Offenbar funktioniert seit Tagen die Meldung der Fallzahlen in Richtung Robert-Koch-Institut (RKI) und Landeszentrum Gesundheit nicht, deren Datenstände allerdings maßgeblich sind für das Verfahren.

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Der Kreis Unna bestätigte am Dienstagmittag im Zuge einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, was diese Redaktion bereits Tags zuvor berichtet hatte: Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz hat die Marke von 35 überschritten, weshalb schärfere Schutzmaßnahmen greifen müssen.

Corona-Warnwert schon am Sonntag überschritten

Gesundheitsdezernent Uwe Hasche räumte ein, dass der Wert seinen eigenen Berechnungen zufolge bereits am Sonntag bei 37,22 und am Montag immerhin noch bei 36,48 gelegen habe. Und dennoch: Auch am Dienstagmittag konnte der Kreis Unna mit Verweis auf den noch ausstehenden Abstimmungsprozess mit Bezirksregierung und NRW-Gesundheitsministerium noch nicht konkret beantworten, wann und vor allem welche konkreten Maßnahmen in Kraft treten.

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Einschränkungen: Diese Maßnahmen schlägt der Kreis Unna vor

Immerhin ist ein konkreter Entwurf Grundlage dieses Abstimmungsprozesses, der laut Hasche folgende Maßnahmen vorsieht:

  • Veranstaltungen: Die Obergrenze wird von 150 auf maximal 50 Teilnehmer reduziert, wenn die Veranstaltung in öffentlichen oder angemieteten Räumen stattfindet. Festivitäten in Privatwohnungen bleiben davon unberührt.
  • Schulen und Kindergärten: Der Kreis Unna spricht die dringende Empfehlung aus, Schüler nur noch im festen Klassenverband zu unterrichten. Auch in Kindertageseinrichtungen sollen Kinder möglichst in festen Gruppen betreut werden. Ferner empfiehlt der Kreis Unna eine generelle Maskenpflicht an weiterführenden Schulen, die auch im Unterricht gelten soll.
  • Sportveranstaltungen: Turnierveranstaltungen mit mehr als zwei Mannschaften sollen untersagt werden; der normale Spiel- beziehungsweise Ligabetrieb soll weiterhin stattfinden dürfen.

Eigentlich ein durchaus konkretes Maßnahmenpaket, das aber noch relativ unkonkret bleibt. Solange Bezirksregierung und NRW-Gesundheitsministerium nicht ihre Zustimmung gegeben haben, kann der Kreis Unna nicht die erforderliche Allgemeinverfügung erlassen.

„Ob das am 7.10. um 0 Uhr in Kraft tritt oder am 8.10. um 0 Uhr oder gar nicht, weiß ich nicht.“
Uwe Hasche, Kreis Unna

„Ob das am 7.10. um 0 Uhr in Kraft tritt oder am 8.10. um 0 Uhr oder gar nicht, weiß ich nicht“, so Hasche. „Ich habe ein bisschen die Hoffnung, dass wir das noch am heutigen Tage hinkriegen. Das ist eine unbefriedigende Situation – kann ich aber nicht ändern.“ Hasche betonte, dass vonseiten des Kreises seit Sonntag alles präventiv Mögliche getan worden sei – jetzt hänge es an der Abstimmung mit den übergeordneten Behörden. Hasche: „Ich habe sehr deutlich gemacht, dass mir sehr daran gelegen ist, schnellstmöglich die Einleitung weiterer Schutzmaßnahmen anzuleiern.“

RKI erhält tagelang keine Meldung aus dem Kreis Unna

Der Zeitverzug ist offenbar maßgeblich auf eine Technikpanne zurückzuführen. Üblicherweise pflegt das Gesundheitsamt des Kreises Unna jede gemeldete Neuinfektion mit dem Coronavirus in eine vom RKI bereitgestellte Software ein. „Das funktioniert seit drei oder vier Tagen nicht“, so Hasche. Er selbst erhalte jeden Abend eine gesonderte, manuell zusammengestellte Übersicht vom Gesundheitsamt, weshalb die Diskrepanz aufgefallen sei.

Wir berichteten live aus der Pressekonferenz; nachfolgend der Verlauf zum Nachlesen.

Pressekonferenz zur Corona-Lage im Kreis Unna
Liveticker abgeschlossen
  • 13:44 Uhr

    Kreis Unna informiert ab 14 Uhr über neue Corona-Maßnahmen

    Im Kreis Unna gab es in den vergangenen sieben Tagen 36,48 Corona-Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner. Damit hat der Kreis eine erste Warnstufe von 35 Fällen überschritten und muss weitere konkrete Schutzmaßnahmen umsetzen. Welche das sind, will Kreisgesundheitsdezernent Uwe Hasche ab 14 Uhr in einer Pressekonferenz erläutern. Wir tickern live.

  • 14:02 Uhr

    Pressekonferenz zu Corona-Maßnahmen vor dem Start

    Die Pressekonferenz, bei der die Teilnehmer per Telefon zu geschaltet sind, hat noch nicht begonnen. In der Telefonschalte ist es noch stumm. 

     

  • 14:06 Uhr

    Die Telefonschalte beginnt. Kreissprecherin Constanze Rauert begrüßt die Teilnehmenden. Kreisgesundheitsdezernent Uwe Hasche wird informieren. "Es werden Maßnahmen vorbereitet, um bei der Pandemiebekämpfung voranzukommen", sagt Rauert.

  • 14:09 Uhr

    Uwe Hasche berechnet nach eigenen Worten jeden Abend die 7-Tages-Inzidenz für den Kreis Unna. Ihm sei aufgefallen, dass es eine Diskrepanz zu Angaben des Robert-Koch-Instituts gab. Es habe Probleme bei der Übermittlung der Daten gegeben. "Im Umstellungsprozess hat man uns abgehängt", sagt er. Er habe die Bezirksregierung Arnsberg kontaktiert und um Ansprechpartner gebeten für den Fall, dass der Kreis die 35 Fälle überschreite. "Wir haben eine 7-Tages-Inzidenz von 36,48", sagt er.

  • 14:11 Uhr

    Es werde für den Kreis Unna darum gehen, die Obergrenze bei den Teilnehmerzahlen für Feste von 150 auf 50 Teilnehmer zu begrenzen. Das gelte für Veranstaltungen im öffentlichen oder angemieteten Raum. "Die Hochzeits-, Tauf- oder sonstige Jubiläumsfeiern", so Hasche.

     

  • 14:12 Uhr

    Hasche muss kurz husten. "Sorry, ist kein Corona", sagt er. Er sagt, dass ihm noch kein mit den Behörden abgestimmtes Papier vorliegt. Der Abstimmungsprozess mit Arnsberg sei eingeleitet. Es müsse geklärt werden, ob die manuelle Berechnung der 7-Tages-Inzidenz maßgeblich für die Einleitung von Maßnahmen ist oder die RKI-Meldungen.

     

  • 14:13 Uhr

    "Wir werden in jedem Fall die Veranstaltungen verkleinern mit der Möglichkeit der Ausnahme bei Vorlage eines schlüssigen Infektionsschutz- und Hygienekonzepts. Großveranstaltungen in der jetzigen Zeit sind nicht adäquat", so Hasche.

  • 14:14 Uhr

    Man habe auch über kleinere Maßnahmen gesprochen. Die Liste von betroffenen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten werde länger. "Wir würden gerne, und wenn nur mit dem Charakter einer dringenden Empfehlung, eingreifen wollen mit der Empfehlung, Schulunterricht nur im festen Klassenverband und homogenen Lerngruppen durchzuführen."

  • 14:15 Uhr

    Hasche nennt ein Beispiel. "Es ist ein Unterschied, ob wir eine ganze Klasse in Quarantäne nehmen müssen oder ob eine ganze Jahrgangsstufe aus dem Verkehr gezogen werden muss." 

     

  • 14:16 Uhr

    Hasche spricht Kitas an. Moderne Konzepte seien offen. "Wir versuchen gegenzusteuern", sagt er. Bezogen auf Sportmannschaften sagt er, dass für die nächste Zeit angeordnet werden solle, dass Turnierveranstaltungen mit mehr als zwei Mannschaften nicht stattfinden sollen. Der normale Sportbetrieb solle nicht verboten werde.

  • 14:18 Uhr

    Mit Blick in die Coronaschutzverordnung könnten die Maßnahmen angeordnet werden nach Abstimmung mit der Bezirksregierung und dem Landeszentrum für Gesundheit. "An dem Punkt sind wir gerade, dass wir mitten in dem Abstimmungsprozess sind", so Hasche. Er könne noch nicht sagen, wie die Allgemeinverfügung aussehen werde und zu welchem Zeitpunkt sie in Kraft tritt.

  • 14:19 Uhr

    Hasche sagt auf Nachfrage zum Turnierbetrieb beim Sport, dass im Entwurf eine Untersagung vorgesehen sei. Bei den Schulen und Kitas sei man mit Empfehlungen im Entwurf unterwegs. Wenn das Land sage, das könne angeordnet werden, "dann werden wir das auch anordnen." 

  • 14:22 Uhr

    Hasche bekommt jeden Abend ein Worddokument mit den Werten der Neuinfektionen für den Kreis Unna. Für diese Werte "lege ich meine Hand ins Feuer", so Hasche. Jede Neuinfektion müsse an die Landes- und Bundesbehörden gemeldet werden. Das RKI melde aktuell 1404 Corona-Fälle insgesamt für den Kreis Unna, "aber nach unseren Berechnungen sind wir bei 1449. Das heißt, 45 Fälle konnten nicht an das Landeszentrum für Gesundheit und das RKI übermittelt werden."

  • 14:24 Uhr

    Derzeit gibt es offenbar eine Diskrepanz zwischen den Angaben des Kreisgesundheitsamts und den Angaben des RKI, die höher ist, als nach dem üblichen Meldeverzug zu erwarten wäre. "Wir haben einen Knick in der Leitung", sagt Hasche. Die Fallübermittlung funktioniert offenbar nicht.

  • 14:26 Uhr

    Hasche bringt zum Ausdruck, dass der Kreis Unna den eigenen Angaben über die Zahl der Neuinfektionen vertraut. Er sagt, dass später noch eine Telefonkonferenz mit der Bezirksregierung geplant sei. Im günstigsten Fall könnte die Allgemeinverfügung um 0 Uhr in Kraft treten.

  • 14:27 Uhr

    "An den weiterführenden Schulen empfehlen wir eine durchgehende Maskenpflicht", sagt Hasche. "Egal ob es eine professionelle oder eine Alltagsmaske ist – das ist besser, als keine aufzuhaben." Es wird nachgefragt, ob diese Empfehlung für den Unterricht gilt. Diese Frage wird von Pressesprecherin Constanze Rauert bejaht.

  • 14:30 Uhr

    Die Aussagen des Kreisgesundheitsdezernenten sind noch sehr vage. Es bleibt unklar, wann die angekündigte Allgemeinverfügung mit neuen Maßnahmen in Kraft treten wird. Hasche erklärt, dass der Abstimmungsprozess mit dem Land  abgewartet werden müsse. "Ob das am 7.10. um 0 Uhr in Kraft tritt oder am 8.10. um 0 Uhr oder gar nicht, weiß ich nicht." "Das ist eine unbefriedigende Situation – kann ich aber nicht ändern", so Hasche.

  • 14:32 Uhr

    Kreispressesprecherin Constanze Rauert wird gefragt, ob der Kreis Unna den Entwurf der Allgemeinverfügung über neue Coronaschutz-Maßnahmen den anwesenden Journalisten zur Verfügung stellt. "Nein", lautet die Antwort. 

  • 14:33 Uhr

    Gefragt wird nach einem neuen Testzentrum in Lünen. Dies wird in einem Pavillon neben dem Standort des Gesundheitsamts Lünen aufgebaut. Kreissprecherin Rauert weist darauf hin, dass dieses Testzentrum nicht öffentlich sein wird.

     

  • 14:35 Uhr

    Die Telefonschalte ist jetzt beendet. Kreissprecherin Constanze Rauert und Kreisgesundheitsdezernent Uwe Hasche verabschieden sich. Damit beenden wir auch diesen Liveticker zunächst. Wir halten Sie hier bei hellwegeranzeiger.de weiter auf dem Laufenden, wann die vom Kreis Unna vorgeschlagenen zusätzlichen Coronaschutz-Maßnahmen in Kraft treten werden. Dies hängt laut Aussagen in der Pressekonferenz vom Ausgang eines Abstimmungsprozesses mit dem Land ab.

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