„Coronahelden“-Spots der Bundesregierung haben zwei Millionen Euro gekostet

Coronavirus

Die Bundesregierung hat mehr als zwei Millionen Euro für die Produktion und Werbung von drei "Coronahelden"-Spots ausgeben. Unter 30-Jährige sollten damit animiert werden, daheim zu bleiben.

Berlin

17.01.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die drei umstrittenen „Coronahelden“-Spots der Bundesregierung haben mehr als zwei Millionen Euro an Produktion und Werbung gekostet.

Die drei umstrittenen „Coronahelden“-Spots der Bundesregierung haben mehr als zwei Millionen Euro an Produktion und Werbung gekostet. © picture alliance / Tobias Hase/dpa

Die Bundesregierung hat für Produktion und Vermarktung der Videos „besondere Helden“ in der Corona-Pandemie rund zwei Millionen Euro bezahlt. Wie aus der Regierungsantwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, betrugen die Kosten für die Produktion mehr als 300.000 Euro, für „bewerbende Mediamaßnahmen“ im TV, Internet und Sozialen Medien seien mehr als 1,7 Millionen Euro ausgegeben worden.

Im November hatte die Regierung über soziale Medien drei Videos zu dem Thema „besondere Helden“ veröffentlicht. Darin erinnern sich fiktive Corona-Veteranen aus der Zukunft an die Zeit der aktuellen Pandemie, in der sie durch einfaches Nichtstun zu Helden wurden. „Faul wie die Waschbären“ seien sie gewesen, sagt ein Erzähler und betont: „Unsere Couch war die Front und unsere Geduld war unsere Waffe.“ Die Spots stießen auf ein geteiltes Echo: Es gab Lob aus dem In- und Ausland, aber auch Kritik an der Kriegsrhetorik.

„Coronahelden“-Spots: Zielpublikum waren unter 30-Jährige

Laut Antwort der Bundesregierung, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, sollten damit vor allem junge Menschen von 16 bis 29 Jahren angesprochen werden. Zentrale Botschaften seien gewesen: „Geht nicht feiern“, „reduziert eure Kontakte konsequent“ und „bleibt zu Hause“. In der „Zielgruppe“ seien die Spots ganz überwiegend als sympathisch, gut gemacht, glaubwürdig, humorvoll und ansprechend bewertet worden, hieß es.

Die Gesamtreichweite sei mit 57 Prozent in der Zielgruppe sehr hoch gewesen - dazu habe insbesondere die virale Verbreitung und die breite öffentliche Debatte beigetragen. Laut Regierung wurden die Videos mehr als 11,5 Millionen Mal über die eigenen Kanäle geteilt. Die TV-Spots konnten den Angaben nach wiederum mehr als 39 Millionen Menschen sehen und auf YouTube wurden die Videos 7,6 Millionen Mal gespielt. Hinzugekommen sei eine „breite internationale Aufmerksamkeit mit vielen Spontanübersetzungen und mehreren Millionen Abrufen der Spots in den sozialen Medien“ - insbesondere mit englischen und spanischen Untertiteln

FDP: Keine Anleitung zum faul sein, sondern Angebote für Aktivitäten in der Pandemie

Mit der Bewerbung der Videos wurden die Agenturen Weischer JvB, add2 und Carat Deutschland betraut. Die Produktion habe die Agentur Hirschen Group im Auftrag des Bundespresseamtes über die Florida Entertainment realisiert. Auch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundespresseamtes hätten an dem Projekt mitgewirkt.

Der FDP-Abgeordnete Carl-Julius Cronenberg erklärte, es sein „geradezu skandalös“, dass die Regierung mehr als zwei Millionen Euro in Produktion und Vermarktung einer Kampagne stecke, „die eine falsche Botschaft großflächig verbreitet“. Junge Leute bräuchten keine Anleitung zum faul sein, sondern Angebote, auch heraufordernde Pandemiezeiten aktiv zu gestalten. Als Beispiel nannte Cronenberg die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe.

RND

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