Coronatests: Velener Labor hat noch Kapazitäten - Kassen zahlen nicht

hzCoronavirus

Rund 500 Coronatests könnte das Velener Labor Bio-Diagnostix täglich machen. Allerdings ist die Kostenübernahme durch die Krankenkassen noch nicht geklärt. So bleiben Test-Kapazitäten frei.

von Markus Schönherr

Velen

, 05.04.2020, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Laboren gibt es zurzeit so richtig viel zu tun. Zu der normalen Arbeit kommen tausende Coronatests, die täglich im ganzen Land gemacht werden. Es könnten sogar noch mehr sein, sagt Dr. Kerstin Kipschull, Geschäftsführerin des Velener Labors Bio-Diagnostix.

Seit zwei Wochen bietet ihr Labor, das sonst überwiegend in der Veterinärmedizin sowie in der Wasser- und Lebensmittelprüfung tätig ist, auch Coronatests an. „Wir haben eine Kapazität von 500 Proben täglich“, sagt Kipschull.

Kassenärztliche Vereinigungen übernehmen Kosten nicht

Dieses Potenzial werde aber nicht ausgeschöpft, weil die Verhandlungen über die Finanzierung zäh verlaufen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen übernehmen die Kosten noch nicht, obwohl die notwendige Zulassung vom Gesundheitsamt vorliegt.

Das gehe nicht nur ihrem Labor so, sondern noch vielen anderen Betrieben, sagt Kerstin Kipschull. Und so sind es bislang keine Ärzte, die ihre Proben einschicken, sondern Einzelpersonen und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter testen lassen.

Ein Coronatest kostet rund 100 Euro

Die Kosten müssen sie selbst tragen. Ein Coronatest für eine Einzelperson kostet rund 100 Euro.

Die Tupfer, die für die Probenentnahme im Rachenraum notwendig sind, hat das Velener Labor vorrätig. Noch. „Tupfer sind auf dem Markt rar gesät“, sagt Kerstin Kipschull. Ähnlich wie bei Atemschutzmasken gibt es hier einen Lieferengpass.

Test dauert zwei Stunden

Der Coronatest selbst dauert im Labor etwa zwei Stunden, zuzüglich der Zeit für die vorgeschriebene Dokumentation. Von der Probe auf dem Tupfer wird zuerst die Erbsubstanz isoliert. Dann kommt ein Enzym (Polymerase) zum Einsatz, das in jeder menschlichen Zelle vorkommt.

Vor der Zellteilung sorgt dieses Enzym dafür, dass sich die Erbsubstanz verdoppelt und so für beide neuen Zellen genug Erbsubstanz vorhanden ist. Das machen sich die Labor-Mitarbeiter zunutze.

Jetzt lesen

In vielen Zyklen wird die Erbsubstanz aus der Probe immer wieder vervielfältigt (Polymerase-Kettenreaktion). Gelingt es dabei, die virustypische Erbsubstanz zu vermehren, ist der Nachweis erbracht. Der Mensch ist infiziert.

Positive Ergebnisse werden dem Gesundheitsamt gemeldet

In diesem Fall erfährt nicht nur der Betroffene von dem Ergebnis, sondern auch das Gesundheitsamt. Ist der Test hingegen negativ, steht in im abschließenden Bericht nicht, dass der Patient gesund ist, sondern nur, dass in der vorliegenden Probe das Virus nicht nachzuweisen ist. „Die Untersuchung kann nur so gut sein wie die Probe, die entnommen wurde“, sagt Kerstin Kipschull.

Die Mitarbeiter des Labors müssen strenge Sicherheitsvorschriften beachten. So arbeiten sie unter anderem an Sterilbänken. Das sind Arbeitsplätze in Form von Kabinen mit Luftabzug.

Beim Coronatest sind es aber vor allem die angelieferten Proben, die infektiös sind. Sobald das Erbgut daraus isoliert ist, sinkt das Risiko. Das Virus selbst werde dabei zerstört, erklärt Kipschull.

Labor ist „systemrelevant“

Die Arbeitsabläufe im Labor haben sich durch die Corona-Pandemie nicht verändert. Von Beschränkungen und Auflagen sind die Mitarbeiter nicht betroffen. „Wir sind als systemrelevanter Betrieb eingestuft“, sagt Kerstin Kipschull.

Auch die anderen Untersuchungen im Veterinär- und Lebensmittelbereich müssen in Krisenzeiten weiterlaufen. Im Kontakt mit den Menschen sei aber schon eine Veränderung zu spüren.

Zum Beispiel bei den Wasserproben, die das Labor im Auftrag des Kreises Borken analysiert und auch aktuell vornehmen soll. „Viele Leute wollen nicht, dass wir gerade jetzt Wasserproben entnehmen“, so Kipschull. Die Labor-Chefin versichert aber, dass sich niemand Sorgen machen muss, wenn sich ein Probennehmer ankündigt: „Wir arbeiten unter strengsten Hygienevorschriften.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt