Coronavirus: Holzwickeder Arzt übt harsche Kritik an Quarantäne-Regeln

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Der Holzwickeder Mediziner Dr. Frank Robben übt heftige Kritik an der Quarantäne-Praxis der Gesundheitsämter. Für manche Patienten sei die Quarantänezeit zu kurz, für andere aber zu lang.

Holzwickede

, 13.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Quarantäneregeln, die das Robert-Koch-Institut vor Corona-Verdachtsfälle vorgibt, hegt der Holzwickeder Allgemeinmediziner Dr. Frank Robben. Er hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, weil er selbst mit einer Gruppe zum Skiurlaub im österreichischen Obertauern war.

Freiwillig in Quarantäne begeben

Nachdem dort eine Kölnerin positiv auf das Coronavirus getestet worden war, hielt sich auch die 14-köpfige Reisegruppe um Robben an die Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, freiwillig 14 Tage in Quarantäne zu gehen.

Am 14. März war die Gruppe nach Deutschland zurückgekehrt, mehrere Reisende wollten anschließend von Robben auf das Coronavirus getestet werden. Symptome zeigte zu diesem Zeitpunkt keiner der Reisenden – nach den Regeln, die die Gesundheitsämter anwenden, hätte also niemand getestet werden dürfen. Ein Labor in Bochum hatte aber die Kapazitäten, Robbens Tests zu analysieren.

Symptome erst vier Tage nach positivem Test

Das Ergebnis: Einer der Reisenden wurde am 17. April positiv getestet. Erst vier Tage später zeigten sich bei dem Mann typische Symptome – jetzt hätte der Patient eigentlich erst getestet werden sollen.

Ein anderer Mitreisender zeigte zwar Symptome, maß dem aber zunächst keine Bedeutung bei. Am 18. März war der Coronatest negativ. Weil Robben aber weiterhin die typischen Symptome erkannte, testete er den Mann eine Woche später erneut – und jetzt war der Test positiv.

Alle positiv Getesteten zeigen Symptome

Letztlich wurden drei von 14 eng zusammenlebenden Skiurlaubern positiv getestet. Robben: „Alle meine positiv getesteten Patienten waren oder wurden irgendwann auch symptomatisch. Alle hatten einen Verlust des Geruchssinns ohne Schnupfen und starke Muskelschmerzen. Fieber und trockener Husten in der Hälfte der Fälle.“

So weit, so gut. Das Problem aus Robbens Sicht ist, dass die Gesundheitsämter auf das positive Testdatum 14 Kalendertage behördliche Quarantäne draufschlagen und der Patient dann als geheilt in die Freiheit entlassen wird.

Robben: „Das führte dazu, dass der erste Patient eine 14-tägige Quarantäne bis zu einem Datum bekam, zu welchem er dann 18 Tage symptomfrei war.“ Im Klartext: Der Patient war länger in Quarantäne, als er gemusst hätte.

Am Ende der Quaratänezeit immer noch positiv

Wirklich problematisch ist für Robben aber der zweite Fall: Dieser Patient stellte sich am Tag seines Quarantäne-Endes erneut bei dem Arzt vor. „Da er zu diesem Zeitpunkt aber erst acht Tage symptomfrei war, habe ich erneut einen PCR-Test abgenommen. Der war positiv“, sagt Robben.

„Da werden Menschen mit einem falschen Sicherheitsgefühl aus der Quarantäne entlassen.“
Dr. Frank Robben

Da der Mann sich eigentlich wieder habe frei bewegen können, wäre er ein Risiko für alle Menschen gewesen, denen er begegnet wäre.

Der Patient musste erneut in Quarantäne – jetzt mit dem Hinweis, dass dies aufgehoben werde, wenn der Antikörpernachweis positiv ausfalle. Dieser Antikörpertest, so Robben sei aber noch nicht zuverlässig.

„Da werden Menschen mit einem falschen Sicherheitsgefühl aus der Quarantäne entlassen“, übt Robben harsche Kritik. Er bevorzugt das Entlassmanagement von Prof. Dr. Klaus Schlottmann vom Katharinen-Hospital Unna, an das er sein Management angelehnt hat – mit dem Ergebnis, nach eigener Erklärung die passenden Quarantäne-Endpunkte gefunden zu haben.

Drei Gesundheitsämtern bot er an, sein Management verantwortlich durchzuführen. „Das wurde von allen drei Ämtern klar zurück gewiesen“, berichtet Robben.

Anmerkung der Redaktion: Für keinen der geschilderten Fälle war das Gesundheitsamt Unna verantwortlich. Es handelt sich um exemplarische Darstellungen aus Nachbarkreisen.
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