Coronavirus: Kliniken im Vest haben noch Reserven

Coronavirus

Mittlerweile werden 14 Corona-Patienten auf Intensivstationen im Vest Recklinghausen behandelt. Die Zahl hat sich in den letzten zehn Tagen verdoppelt.

Kreis Recklinghausen

von Michael Wallkötter

, 29.10.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten gehört zum KKRN.

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten gehört zum KKRN. © Claudia Engel (A)

Die Zahl der Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, hat sich im Kreis Recklinghausen innerhalb von zehn Tagen mehr als verdoppelt. Am Mittwoch lagen 14 Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, auf Intensivstationen in den vestischen Kliniken. 62 von 248 Intensivbetten waren laut dem Intensivregister der Ärztevereinigung Divi zu diesem Zeitpunkt noch frei.

36 Corona-Patienten im KKRN

„Angespannt, aber nicht kritisch“, so beschreibt Dr. Andreas Weigand die aktuelle Lage am Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord (KKRN). Er ist medizinischer Geschäftsführer des Klinik-Verbundes mit den Standorten in Dorsten (St.-Elisabeth-Krankenhaus), Haltern (St.-Sixtus-Hospital), Marl (Marien-Hospital) und Westerholt (Gertrudis-Hospital). 36 Corona-Patienten werden seinen Angaben zu Folge in den vier Krankenhäusern betreut (vier davon intensivmedizinisch). „Das sind doppelt so viele wie bei der ersten Welle im Frühjahr“, sagt der Mediziner.

15 Corona-Erkrankte im Klinikum Vest

Im Klinikum Vest werden derzeit 15 Corona-Erkrankte behandelt, drei von ihnen liegen auf der Intensivstation. Alle Patienten – auch jene, die im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen positiv auf das Virus getestet werden – werden in der Paracelsus-Klinik in Marl betreut. Dort sei mit der Infektiologie sowie der Pneumologie „die bestmögliche Versorgung“ gewährleistet. Akut stehen im Klinikum Vest bis zu fünf Beatmungsplätze für Covid-19-Patienten bereit. Innerhalb von 24 Stunden könnten 36 zusätzliche angeboten werden, teilt die Krankenhausgesellschaft mit. „Sowohl das Knappschaftskrankenhaus als auch die Paracelsus-Klinik laufen nach wie vor im Regelbetrieb und sind weit von der Kapazitätsgrenze entfernt“, betont der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Hans-Georg Bone.

Krankenhaus-Besuch

Es gelten einheitliche Regelungen

Im Kreis gelten für Patientenbesuche im Krankenhaus einheitliche Regeln. Grundsätzlich sollen sie wegen der steigenden Infektionszahlen nicht mehr stattfinden. Es gibt jedoch Ausnahmen für
  • Patienten, die länger als fünf Tage stationär aufgenommen werden (ein Besucher alle fünf Tage für höchstens 30 Minuten),
  • Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden (ein Besucher an jedem zweiten Tag für maximal 30 Minuten),
  • stationär behandelte Kinder (einmal täglich Eltern),
  • sterbende Patienten (uneingeschränkt),
  • Patienten, die unter Betreuung stehen (zur Klärung rechtlicher und medizinischer Fragen),
  • Patienten, denen schwierige Diagnosen mitgeteilt werden müssen,
  • werdende Väter (sie können während der Geburt anwesend sein und danach Mutter und Kind besuchen).
Bei einer Verschärfung der Corona-Lage sind strengere Regelungen in einzelnen Kliniken aber nicht ausgeschlossen.

Auch an den KKRN-Kliniken in Dorsten, Haltern, Marl und Westerholt gehen Behandlungen und Operationen der Patienten ihren ganz normalen Gang. 2630 Mitarbeiter beschäftigt der Klinik-Verbund. Dass teilweise eigenes Personal in Quarantäne geschickt werden muss, weil es im privaten Bereich Kontakt hatte zu Infizierten oder Verdachtsfällen, sorgt natürlich für Engpässe auf den Krankenhausfluren. Trotzdem sieht der Ärztliche Geschäftsführer Dr. Andreas Weigand seine Häuser gerüstet für eine Verschärfung der Pandemie. „Wir haben bei der ersten Welle unsere Mitarbeiter gefragt, wer schon mal auf einer Intensivstation gearbeitet hat. 70 haben sich bereit erklärt, dort im Notfall auszuhelfen.“ Deshalb sei es möglich, bei Bedarf 35 zusätzliche Intensivbetten aufzubauen, betont der Mediziner.

Krankenhäuser stehen im engen Austausch

Auch das Klinikum Vest (1950 Beschäftigte) verfügt nach eigenen Angaben über Reserven. „Im Ernstfall sind wir jederzeit in der Lage, ausgebildete Pflegekräfte aus anderen Bereichen in die intensivmedizinische Betreuung hinzuzuziehen, wenn wir entsprechend die Leistung reduzieren. Davon sind wir aber noch weit entfernt“, versichert Prof. Dr. Hans-Georg Bohne. Alle Krankenhäuser im Kreis stehen wegen der Corona-Entwicklung in engem Austausch, wie es heißt. Jetzt hoffen sie, dass die Zahlen nicht schlimmer werden und die Lage nicht außer Kontrolle gerät.

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