Robert-Koch-Institut startet Corona-App - 10.000 Teilnehmer würden reichen

Coronavirus

Mithilfe einer Datenspende-App sollen mehr Informationen über die Verbreitung von Covid-19 gesammelt werden. Die Anwendung kann ab sofort heruntergeladen werden.

Berlin

07.04.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
RKI-Präsident Lothar Wieler stellte die App in einer Pressekonferenz vor.

RKI-Präsident Lothar Wieler stellte die App in einer Pressekonferenz vor. © picture alliance/dpa

Den offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind weltweit mehr als eine Million Menschen am Coronavirus erkrankt - in Deutschland gibt es aktuell etwas mehr als 100.000 gemeldete Fälle. 1810 (Stand 7. April) Infizierte sind an den Folgen des Virus gestorben.

33.300 Corona-Patienten seien bundesweit wieder genesen, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in einer seiner regelmäßigen Pressekonferenzen. „Die Zahl der neu gemeldeten Fälle ist geringer, aber von Entspannung kann noch nicht ausgegangen werden.“

Anteil der verstorbenen Patienten bei 1,6 Prozent

Das Durchschnittsalter der betroffenen Personen liege bei 48 Jahren. Verstorbene Patienten seien im Durchschnitt 80 Jahre alt, so Wieler, die jüngste bisher an den Folgen einer Corona-Infektion verstorbene Person sei 28 Jahre alt und habe unter einer Vorerkrankung gelitten.

Der Gesamtanteil der Verstorbenen liege derzeit bei 1,6 Prozent aller gemeldeten Fälle und sei zuletzt „kontinuierlich gestiegen“, sagte Wieler. Diese Zunahme sei unter anderem auf Infektionsausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern zurückzuführen.

Neue App: Schon 10.000 Teilnehmer würden reichen

Das RKI hat indes eine Corona-Datenspende-App entwickelt, um besser einschätzen zu können, wo und wie schnell sich das Virus verbreitet. Durch die App sei es möglich, dem Institut „freiwillig bestimmte Daten zur Verfügung zu stellen“, sagte Wieler. Notwendig für die Nutzung ist eine Smartwatch oder Fitnessarmband. Die übermittelten Daten seien pseudonymisiert, es würden keine Ortungsdaten erfasst.

Mit dieser App - nicht zu verwechseln mit der Tracking-App, die laut Bundesregierung schon bald einsatzbereit ist - könnten Symptome erkannt werden, ergänzte Wieler. „Wenn man ausreichend große Stichprobe hat, dann können Wissenschaftler zusätzliche Rückschlüsse ziehen.“

Dazu würde es schon ausreichen, wenn ein bis zehn Prozent der Smartwatch- oder Fitnassarmband-Nutzer die entsprechenden Daten zur Verfügung stellen, sagte RKI-Physiker Dirk Brockmann. „100.000 Teilnehmer, aber auch 10.000 wären klasse für einen Erkenntnisgewinn.“

Wieler: „Plasma von Rekonvaleszenten kann helfen“

Auf der Suche nach einem Corona-Therapeutikum hat die Universitätsklinik Erlangen am vergangenen Wochenende die behördliche Zulassung für die Herstellung von Plasma erhalten, mit dem schwer erkrankte Patienten behandelt werden sollen. „Das ist ein lohnenswerter Ansatz“, sagte RKI-Präsident Wieler. „Es gibt viele Studien, die zeigen, dass das Plasma von Rekonvaleszenten helfen kann.“ Es müsse aber eine hohe Qualität haben.

In den vergangenen Tagen hatte die Erlangener Uniklinik bereits genesene Corona-Infizierte aufgerufen, Blutplasma zu spenden. Daraus soll ein Wirkstoff gewonnen werden, der auf den Antikörpern der Rekonvaleszenten gegen das Virus beruht.


„Übergangsphase“ statt Exit

Bezogen auf zuletzt viel diskutierte Exit-Strategien sagte Wieler: „Ich rede lieber von einer Übergangsphase.“ Er glaube, dass die Maßnahmen nicht in einem Schwung aufgehoben, sondern „schrittweise reduziert“ würden.