Darum spielt der FC Merkur 07 auf Dortmunds schmutzigstem Fußballplatz

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René Kusch und Erich Jusbert vom FC Merkur 07 wissen nicht mehr, was sie tun können. Ihr Fußballplatz wird jeden Tag von Störenfrieden zugemüllt – und bei Müll bleibt es nicht.

Nordstadt

, 25.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Tore, grüner Rasen, 22 Spieler, ein Ball, viele Emotionen – das ist Fußball. Beim FC Merkur 07 kommen aber noch ein paar Sachen dazu: Müll, Vandalismus und unbefugte Besucher.

Im Verein ist man ratlos. Beim vergangenen Meisterschaftsspiel in der Kreisliga war der Platz an der Schumannstraße wieder übersät mit Kronkorken, Kastanien, Toilettenpapier, Pflaster, Coladosen-Öffner, Haargummis und Vielem mehr. Mitglieder berichten von unhaltbaren Zuständen. „Unser Platz ist ein Drogen-Hotspot und hier werden nachts wilde Partys gefeiert“, erzählen René Kusch und Erich Jusbert, Vorsitzende des Fußballvereins.

Zäune stellen kein Hindernis dar

Kusch ist frustriert: „Fast jeden Tag müssen wir den Platz von Müll befreien.“ Zwar gibt es ringsum einen Zaun, der stellt aber kein Hindernis dar, wenn man auf das Gelände möchte. Das größere Problem ist jedoch, dass der Fußballplatz ein öffentlicher Platz ist. Deshalb darf der Verein das Gelände eigentlich gar nicht abschließen. „Uns sind hier die Hände gebunden“, so Kusch. Mit der Stadt Dortmund wurde aber wegen des andauernden Vandalismus‘ vereinbart, dass zumindest vorübergehend das Tor, das am Vereinshaus vorbeiführt, ab 23 Uhr abgeschlossen werden darf. Die Hürden scheinen die Störenfriede aber nicht zu stören. Der sonst akkurate Rasenplatz ist neben vereinzelten Laubblättern übersät mit Müll.

Darum spielt der FC Merkur 07 auf Dortmunds schmutzigstem Fußballplatz

Das erste Herbstlaub lenkt auf den ersten Blick von dem Müll ab, der sich auf dem Kunstrasen befindet. © Robin Albers

Kusch und Jusbert haben einige Geschichten über Ereignisse auf ihrem Fußballplatz zu erzählen: Der Platz werde regelmäßig als Hundewiese oder Grillplatz missbraucht, Zäune würden rausgerissen und berauschte Menschen würden hier ein Obdach suchen und finden. Sogar Autos und Motorräder waren regelmäßig auf dem Fußballplatz zu sehen, bevor das Tor am Zugang an der Schumannstraße aufgebaut wurde. Schaut man sich die Tribünen an, kann man erahnen, was hier oft abends abläuft. Leere Getränkedosen, unzählige Zigaretten- und Jointstummel findet man hier. „Wenn wir mit Mannschaften hier sind, riecht es immer nach dem Kiffen“, erzählt Kusch. Zusätzlich riecht es an den mit Graffiti vollgeschmierten Tribünen auch noch stark nach Urin.

Das Training leidet

Mittlerweile wirken sich die Zustände auch auf den Vereinsalltag aus. Ein Teil der Trainingszeit der rund 250 Kinder und Jugendlichen und der 50 Senioren, die beim FC Merkur Fußball spielen, muss bei jedem Training dafür aufgebracht werden, den Platz von Müll zu befreien. Besonders Glassplitter sind ein Problem. „Bevor wir trainieren können, holen wir hier teilweise Abfall, der eine Mülltonne zu Hälfte füllt, vom Platz“, erzählt Kusch. Die ungebetenen Gäste lassen sich auch tagsüber von den trainierenden Fußballspielern nicht stören und lungern weiter auf den Tribünen rum. Oft müsse erst die Polizei gerufen werden, da die Störenfriede nicht mit sich reden lassen und freiwillig gehen, so die beiden Vereinsvorsitzenden.

Darum spielt der FC Merkur 07 auf Dortmunds schmutzigstem Fußballplatz

Ergebnisse von einer Nacht. Jeden Tag muss das Gelände des FC Merkur von Müll befreit werden. Außerdem stinkt es auf der Tribüne nach Urin. © Robin Albers

Auch bei Meisterschaftsspielen am Wochenende gibt es Ärger. „Die Schiedsrichter bemängeln oft die Spieltauglichkeit unserer Platzes“, erzählen die beiden. Dann muss der Verein die Mängel zunächst provisorisch beseitigen, bevor angepfiffen werden kann. Der Zustand des Platzes hinterlässt auch bei den Gastmannschaften einen schlechten Eindruck. Der Verein könne aber nichts dafür. Kusch und Jusbert erzählen, dass die ungebetenen Gäste den Rasen bei ihren nächtlichen Besuchen auch oft mutwillig zerstören würden.

Darum spielt der FC Merkur 07 auf Dortmunds schmutzigstem Fußballplatz

Von Vandalen wurde der Kunstrasenplatz an einigen Stellen auch mutwillig zerstört. © FC Merkur

Dem Verein sind die Hände gebunden

Kusch und Jusbert wissen nicht weiter. Zunächst einfach klingende Lösungen wie zum Beispiel ein höherer Zaun sind laut Kusch nicht möglich: „Das haben wir schon bei der Stadt vorgeschlagen, aber das würde gegen die Bauordnung verstoßen.“ Großflächige Videoüberwachung ist auch keine Option für den Verein, da es sich ja um einen öffentlich zugänglichen Platz handelt. „Wir dürfen lediglich die Fassade und den Eingang filmen, das wars“, so Kusch. Viel mehr Möglichkeiten gibt es für den Verein nicht. Der Platzwart und Aushilfskräfte, die Sozialstunden ableisten, sind mit der Arbeit überfordert. Kusch und Jusbert sind mit ihrem Latein am Ende.

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