Das Deutsche Fußballmuseum zeigt Günter Grass als Linksaußen

hzNeue Sonderausstellung

Der Schriftsteller Günter Grass war begeisterter Fußballfan. Die Ausstellung „Mein Fußballjahrhundert“ im Fußballmuseum greift die Leidenschaft des Literaten für das runde Leder auf.

Dortmund

, 09.10.2020, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Schriftsteller, Maler und Bildhauer war Günter Grass den meisten Menschen bekannt. Dass der 2015 verstorbene Literatur-Nobelpreisträger aber auch ein leidenschaftlicher Fußballfan war, wissen die wenigsten.

Das Deutsche Fußballmuseum widmet ihm nun in Kooperation mit dem Günter-Grass-Haus in Lübeck eine Sonderausstellung unter dem Titel: „Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert“.

Original-Nobelpreisurkunde

In der Schau werden literarische Werke, aquarellierte Manuskripte und Original-Aufzeichnungen des Schriftstellers mit Bezug zum Fußball ausgestellt. Aber auch die Urkunde des Literaturnobelpreises, den Grass 1999 für sein Lebenswerk erhielt, ist zu sehen.

Jörg-Philipp Thomsa (l.) und Manuel Neukirchner stellten die Schau im Deutschen Fußballmuseum vor.

Jörg-Philipp Thomsa (l.) und Manuel Neukirchner stellten die Schau im Deutschen Fußballmuseum vor. © DFM/Stephan Schütze

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt auf drei Erzählungen aus seinem Werk „Mein Jahrhundert“, in dem Grass auch mithilfe des Fußballs auf das 20. Jahrhundert zurückblickt: Er berichtet von der ersten deutschen Fußballmeisterschaft 1903, vom ersten deutschen Weltmeistertitel 1954 und vom deutschen WM-Vorrundenduell der Bundesrepublik gegen die DDR 1974.

„Durch den Fußball erzählt Günter Grass deutsche Geschichte und gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge“, erklärt Manuel Neukirchner, Direktor des Fußballmuseums.

Viele Grass-Erzählungen sind nicht nur auf Tafeln in der Ausstellung zu sehen, sie werden auch an zahlreichen Hör-Stationen vorgetragen – von Günter Grass persönlich.

Ergänzt wird die Ausstellung von originalen Fußball-Exponaten wie Spielertrikots des deutsch-deutschen WM-Duells 1974.

Auch originale Fußball-Exponate wie Spielertrikots des deutschen WM-Vorrunden-Duells von 1974 sind in der Ausstellung zu finden.

Auch originale Fußball-Exponate wie Spielertrikots des deutschen WM-Vorrunden-Duells von 1974 sind in der Ausstellung zu finden. © DFM/Stephan Schütze

Der Schriftsteller schrieb allerdings nicht nur gern über den Fußball, er war auch bekennender Fan des SC Freiburg. Der langjährige Trainer des Vereins, Volker Finke, den Grass sehr schätzte, kommt ebenfalls in der Ausstellung zu Wort.

Grass schaute jeden Samstag die Sportschau

Überhaupt habe Günter Grass den „Underdogs“ die Daumen gedrückt und sah die Kommerzialisierung des Fußballs äußerst kritisch, weiß Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter-Grass-Hauses in Lübeck, wo die Ausstellung bereits Anfang des Jahres zu sehen war.

Thomsa war von Grass‘ Fußball-Expertise beeindruckt: „Er schaute jeden Samstag mit seiner Frau die Sportschau, sie kannten alle Spieler und machten sehr kluge Kommentare.“ Jörg-Philipp Thomsa gehörte zu den wenigen Menschen, die sich davon einen eigenen Eindruck machen konnten, denn: „Wenn die Sportschau lief, durfte man ihn nicht besuchen oder anrufen.“

In seinem Buch „Eintagsfliegen“ widmete er der Fußballsendung mit „Und am Samstag die Sportschau“ sogar ein eigenes Gedicht, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen und zu hören ist.

Die Begeisterung für Fußball entwickelte sich bei Günter Grass erst spät. Er selbst gab 2006 an, dass sein jüngster Sohn Bruno der Auslöser dafür war. Auch der kommt in der Ausstellung zu Wort und liefert viele Anekdoten, die das Verhältnis von Günter Grass zum Fußball verdeutlichen.

Geschwollenes Knie nach Freundschaftsspiel

Diese Geschichte beginnt bei einem Freundschaftsspiel eines Dorfvereins in Norddeutschland gegen die ansässige Werft-Mannschaft, bei der Grass völlig untrainiert als Linksaußen auflief und anschließend tagelang über ein geschwollenes Knie klagte.

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Bis hin zur Heim-WM 2006, als sich der oft als „vaterlandsloser Geselle“ bezeichnete Grass vor lauter Euphorie im Land zum Mitsingen der Nationalhymne verleiten ließ, wird den Besuchern der Ausstellung auch die persönliche Entwicklung des fußballbegeisterten Günter Grass aufgezeigt.

Jörg-Philipp Thomsa ist überzeugt: „Günter Grass hätte sich sicher sehr gefreut, diese Ausstellung sehen zu können.“

Die Ausstellung „Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert“ ist noch bis zum 19. Januar 2021 im Deutschen Fußballmuseum zu sehen. Mehr Informationen zur Ausstellung sind unter www.fussballmuseum.de zu finden.
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