Das Kinojahr 2020 wird zum Comeback der 80er-Jahre: Top Gun und Ghostbusters werden fortgesetzt. Außerdem gibt es Emanzipation und zum letzten mal Männlichkeit mit Daniel Craig als „007“.

Dortmund

, 07.01.2020, 15:53 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das neue Kinojahr ist noch jung, wirft aber schon große Schatten voraus. Mancher Film, der 2020 Kasse machen soll, wird im Kino bereits angetrailert, andere Produktionen befeuern bislang nur die Gerüchteküche. Dass ein Haufen Knallerfilme auf uns wartet, steht außer Zweifel, wirft man einen Blick auf die schon angekündigten Blockbuster-Spektakel.

Eine verlässliche Konstante ist auch 2020 zu beobachten: Erfolgsfilme ziehen irgendwann eine Fortsetzung nach sich, selbst wenn es 33 Jahre dauert wie bei „Top Gun“. Hollywoods bewährte Goldesel werden am Leben erhalten oder geklont.

Alte Filme in neuem Gewand: Spin-off, ein Prequel oder Sequel

Was einmal funktionierte, ist immer gut für ein Spin-off, ein Prequel oder Sequel. Die Strategen im Comic-Genre (etwa bei Marvel, das seit 2009 Hollywoods größtem Player Disney gehört) haben einen Masterplan in der Tasche, der weit in die Zukunft zielt und die Expansion des jeweiligen Comic-Universums festschreibt: Neue Figuren treffen alte, bisherige Sidekicks werden zu Titelhelden befördert und bekommen eigene Filme.

So wie Scarlett Johanssons „Black Widow“ aus der Riege um die „Avengers“, deren „Endgame“ 2019 zum größten Kinohit aller Zeiten avancierte und die Kasse von Marvel/Disney prall füllte. „Black Widow“ startet am 30. April in unseren Kinos, die Handlung ist zeitlich vor „Endgame“ angesiedelt, was einem Auftritt von Robert Downey jr. als Tony Stark alias Iron Man den Weg bahnt. Mal sehen, wer sonst noch dabei ist, Marvels Helden-Olymp ist bevölkerter denn je, auch wenn einige ins Gras beißen mussten.

Black Widow und Birds of Prey

Fast schon verwunderlich nach dem Reibach mit „Endgame“, dass Marvel bloß zwei Comicstreifen für 2020 ankündigt. Neben „Black Widow“ nur das Debüt von „The Eternals“, einer brandneuen Truppe von Übermenschen, die im November ins Kino kommen. Aufgepäppelt von außerirdischen Wesen stehen die Eternals vor einer klar definierten Mission: Sie beschützen die Erde, was auch sonst.

Aufgeboten wird die vereinte Star-Power von Angelina Jolie, Salma Hayek, Kit „Jon Schnee“ Harrington und seines „Game Of Thrones“-Kollegen Richard Madden.

Marvels Rivale DC Comics lässt sich nicht lumpen und schickt mit „Wonder Woman“ und Harley Quinn („Birds Of Prey“) bildhübsche Ladies ins Rennen.

„Birds of Prey“ startet am 6. Februar und bringt ein Wiedersehen mit Margot Robbie, der süßen, durchgeknallten Harley Quinn, in „Suicide Squad“ noch die Gespielin von Jared Letos Joker. Ihr neuer Film ist von einer Frau inszeniert (Cathy Yan), von einer Frau geschrieben (Christina Hodson), von Robbie selbst produziert

und von Darstellerinnen getragen.

Wonder Woman und die Emanzipation

Wie man hört, habe Robbie mit den Studiobossen sehr um eine weibliche Handschrift gekämpft – wohl um eine ausgeprägte ironische Note, wie sie im Untertitel „The Emancipation of Harley Quinn“ anklingt. Gut möglich, dass Quinns Widersacher Black Mask (Ewan McGregor) durch Harleys Baseballschläger allerlei Emanzipatorisches zu schmecken bekommt.

Wenn die aparte Gal Gadot im Juni 2020 wieder ins Röckchen von Wonder Woman schlüpft, ist eine feminine Note zumindest optisch unübersehbar. Ob das auch für Inhalt und Handlung von „Wonder Woman 1984“ gilt, bleibt offen.

Stilsünden der 80er-Jahre

Klar ist aber, dass eine Zeitreise in die 80er-Jahre ansteht, in das Jahrzehnt modischer Verirrungen, der Schulterpolster und schrillen Frisuren. Neben der üblichen Comic-Agenda könnte der Film ein Ausflug zu schauerlich schönen Stil-Sünden von damals werden.

Der Trailer ist mit einem Remix des New Order-Hits „Blue Monday“ unterlegt, das lässt auf einen flotten Soundtrack hoffen. Zufall oder nicht: Die 80er tauchen mehrfach als Referenz und Bezugspunkt auf, schaut man auf die Blockbuster von 2020. Tom Cruise streift wieder seine Pilotenjacke aus „Top Gun“ (1986) über, was nicht unbedingt zu erwarten war.

Top Gun 2 ist wieder mit Tom Cruise am Start

Der Mann zählt 57 Jahre, ein Alter, in dem ihn jede Armee ausgemustert hätte als aktiven Kampfflieger. Schwamm drüber, in „Top Gun 2“ (Kinostart 16. Juli) steigt Teufelsflieger Maverick wieder ins Cockpit und hebt ab von einem Flugzeugträger.

Was sagt sein Vorgesetzter zu diesem lebenden Fossil: „Über 30 Jahre in der Navy! Nur Sie haben in 40 Jahren drei feindliche Maschinen abgeschossen!“ – Was, mehr nicht? Egal.

Maverick ist eine Legende, die im neuen Film demonstriert, dass alte Knacker am Steuerknüppel besser sind als unbemannte Drohnen. Wie früher rast Cruise im Motorrad herum, wieder ist eine Dame fasziniert von so viel Männlichkeit, schon wieder sieht der Einsatz in der US-Navy nach dem verdammt besten Job der Welt aus. „Uncle Sam Wants You“ – bewirb Dich jetzt!

Zum letzten Mal schlüpft Daniel Craig in die Rolle von James Bond

James Bond dagegen ist ein Fossil, dessen Gesicht immer wieder verjüngt wurde. Der 25. Bond, „No Time To Die“ läuft am 18. Juni an und markiert Daniel Craigs letzten Einsatz. Rami Malek („Bohemian Rhapsody“) gibt den Schurken, Aston Martin liefert 007 die Autos, der Rest ist obergeheim. Wir sagen ade zu einem kantigen Bond-Darsteller, der der Figur wieder Biss und Schmiss gab.

Ebenfalls im Dunstkreis der 80er ist „Ghostbusters 3“ verankert, Fortsetzung der Erfolge von 1984 und 1989, die am 13. August startet. Nachdem eine Neuauflage mit weiblichen Geisterjägern 2016 erbärmlich floppte, versammelt der dritte Teil beinahe die Originalbesetzung: Bill Murray und Dan Akroyd treten an, Sigourney Weaver und Ernie Hudson. Harold Ramis (mit Murray auch Drehbuchschreiber der beiden ersten Filme) starb 2014 und erlebt das Comeback der Geisterjäger leider nicht.

In Folge drei tummeln sich Spukwesen in einer Kleinstadt in Oklahoma. Hervorgelockt hat sie der Enkel eines alten Geisterjägers, der ahnungslos in Großvaters Gerätschaften herumkramt und dem Paranormalen die Tür in unsere Welt öffnet...

Star Wars für Erwachsene

Bei Denis Villeneuves „Dune“ (der kurz vor Weihachten ins Kino kommt) denken Filmfreunde an David Lynch, weniger an Frank Herberts epische SciFi-Romane, und so sind wir wieder in den 80er-Jahren. Lynch selber gibt heute nichts mehr auf seine Verfilmung von 1984, wir erinnern uns bloß an endloses Palast-Palaver, an Sting als Schauspieler und die gigantischen Sandwürmer.

Nun, die Tricks bei Villeneuve („Blade Runner 2049“) werden allemal imposanter sein als früher, der Regisseur verspricht nicht weniger als ein „Star Wars für Erwachsene“. Klingt doch nach einem spannenden Kinojahr oder etwa nicht?