Das letzte Fußball- Länderspiel in Bocholt vor 25 Jahren

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Am 3. Oktober 1995 traf die deutsche U18-Nationalmannschaft am Hünting auf die Niederlande und siegte 2:1. Im deutschen Tor stand damals Robert Enke. Auf der Tribüne am Hünting schauten der Bundestrainer Berti Vogts und Guus Hiddink zu.

von Daniel Oenning

Bocholt

, 04.10.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Berti Vogts schwelgte an jenem 3. Oktober 1995 in Erinnerungen an den Bocholter Hünting: „Ich habe hier in Jugendzeiten mit der Niederrheinauswahl einige Male gespielt. Dazu wohne ich in der Nähe, da fühlt man sich immer wieder wie zu Hause“, sagte der damalige Bundestrainer im Interview mit dem Bocholt-Borkener Volksblatt.

Der Grund für seinen Besuch in Bocholt am Tag der Deutschen Einheit vor 25 Jahren war dieses Mal aber kein Wettkampf mit einer Niederrheinauswahl. Berti Vogts war gemeinsam mit seinem Co-Trainer Rainer Bonhof Tribünengast am Hünting, um das U18-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande – das bis dato letzte in Bocholt ausgetragene Fußball-Länderspiel – zu verfolgen.

„Die enge Bindung Bocholts zu den Niederlanden sowie den europäischen Auftrag Bocholts zu bestätigen, waren ausschlaggebende Punkte für die Vergabe. Außerdem ist Bocholt schon immer eine sehr sportfreudige Stadt gewesen“, sagte die damals amtierende Bocholter Bürgermeisterin Christel Feldhaar.

Länderspiel war der Höhepunkt des Fußball-Tages

So wurde aus dem Länderspiel ein Tag mit einem großen Rahmenprogramm im und ums Stadion am Hünting. Auf der Anlage des FC Olympia fanden beispielsweise Jugend-Fußballturniere statt, Infoveranstaltungen zum Thema „Keine Macht den Drogen“, Fußballtalks, Hüpfburgen und weitere Animationsprogramme für die gesamte Familie wurden damals ebenfalls angeboten – am Hünting war eine Menge los.

Das Länderspiel ab 14.30 Uhr war der Höhepunkt des Fußball-Tages. U-18-Nationaltrainer Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner bereitete sein Team damals auf die Qualifikation zur Europameisterschaft vor.

Bewusst wegen der Grenznähe für Bocholt entschieden

„Wir haben uns auch bewusst für Bocholt entschieden, da es grenznah ist. Wir wollen zeigen, dass man sich gut verstehen sollte. Hass hat auf dem Platz und drum herum keinen Platz“, zeigte sich auch Vogts im Interview mit dem Bocholt-Borkener Volksblatt mit Bocholt als Standort im Einklang.

Und das Stadion am Hünting füllte sich vor Anpfiff mehr und mehr. Circa 6000 Zuschauer wollten sich die Begegnung nicht entgehen lassen. Es lag stets eine irgendwie magische Stimmung in der Luft: ein Länderspiel, die Nationalhymnen, Deutschland gegen die Niederlande. Das alles hatte etwas Besonderes.

Bondscoach Guus Hiddink war auch unter den Zuschauern

Guus Hiddink, damals Bondscoach der Niederlande und später unter anderem in Diensten von Real Madrid und Chelsea London, weilte unter den Zuschauern. Die deutsche Elf fand nicht gut ins Spiel und hätte in der ersten Halbzeit einige Male in Rückstand geraten können. Doch der junge Robert Enke im Tor der Deutschen und seinerzeit in Diensten des FC Carl Zeiss Jena war hervorragend aufgelegt und parierte einige hochkarätige Chancen der Niederländer. Besonders Dennis Schulp von Ajax Amsterdam tat sich da hervor.

Aufmerksame Beobachter auf der Hünting-Tribüne: Bundestrainer Berti Vogts (in der Bildmitte), der ein Jahr später in England mit Deutschland Europameister wird, sein Co-Trainer Rainer Bonhof (rechts daneben) und der damalige DFB-Präsident Egidius Braun (hinten links verdeckt, mit Hut).

Aufmerksame Beobachter auf der Hünting-Tribüne: Bundestrainer Berti Vogts (in der Bildmitte), der ein Jahr später in England mit Deutschland Europameister wird, sein Co-Trainer Rainer Bonhof (rechts daneben) und der damalige DFB-Präsident Egidius Braun (hinten links verdeckt, mit Hut). © Matthias Grütter

„Die Halbzeitführung war letztlich eher etwas glücklich für die Deutschen“, sah auch Berti Vogts die Niederländer lange im Vorteil. Der DFB-Kapitän und spätere Bundesligaprofi des FC Bayern, Frank Wiblishauser, erzielte kurz vor der Pause das 1:0 für die DFB-Junioren (43.). Thorsten Ziegner, wie Enke in Jena unter Vertrag, legte Mitte der zweiten Halbzeit nach einem feinen Solo durch die komplette Hintermannschaft der Niederländer das 2:0 nach (65.) Kurz darauf konnte auch Dennis Schulp treffen und auf 1:2 verkürzen. Doch der Sieg war dem DFB-Nachwuchs nicht mehr zu nehmen.

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„Das war ein gutes Spiel, die tolle Atmosphäre hat definitiv dazu beigetragen, das hat man gemerkt“, sagte Dörner nach der Partie und fügte noch hinzu: „Ich könnte mir durchaus vorstellen, hier öfter mit den U-Nationalmannschaften anzutreten.“

Auch Guus Hiddink war zufrieden mit dem Spiel: „Physisch haben beide Teams guten Fußball gezeigt, wobei wir leicht unterlegen waren.“ Vogts, der ein Jahr später mit Deutschland in England Europameister wurde, beeilte sich nach dem Abpfiff, zeitig das Stadion zu verlassen und erstickte die Hoffnung für Bocholt ein A-Länderspiel zu sehen noch im Keim: „Dafür würde es leider nicht reichen, das lassen die etlichen Bedingungen gar nicht zu. Trotzdem war es ein rundum gelungener Fußballtag mit einem tollen Rahmenprogramm.“

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