Dauerregen entspannt Dürre-Situation in NRW – doch Probleme gibt es weiter

hzNiederschläge in NRW

Trocken war es 2018, trocken war es 2019, inzwischen regnet es gefühlt seit Wochen. Reicht der Niederschlag in NRW, um das Defizit der langen Hitzesommer 2018 und 2019 aufzulösen? Jein.

NRW

, 25.02.2020, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wanderwege am Ruhrufer sind Ende Februar 2020 teilweise überspült, der Fluss tritt seit langer Zeit mal wieder über die Ufer. Über Monate, eigentlich die letzten zwei Jahre hinweg, war der Wasserstand zu niedrig. Hätte es die Ruhrtalsperren als Wasserspeicher nicht gegeben, wäre der Fluss mehrfach trockengefallen.

Davon ist im Moment nichts zu spüren, das gilt nicht nur für die Ruhr. Seit Jahren trockene Gräben führen wieder etwas Wasser, auf den Wiesen sammeln sich großflächige Pfützen. Reicht die Wassermenge der letzten Wochen, um die leeren Wasserspeicher im Unterboden wieder aufzufüllen? Alleine an einer Messstelle in Datteln fielen am 23. Februar mehr als 26 Liter pro Quadratmeter, im gesamten Monatsverlauf waren es über 135 Liter.

Blaues Deutschland, rotes Deutschland

Man kann in die tieferen Schichten des Bodens nicht hineinschauen wie in ein Flussbett. Diese Aufgabe übernimmt in Deutschland das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit einem eigenen Dürremonitor. Wenn man auf die ersten drei Deuschland-Karten schaut, die man auf der Homepage sehen kann, sieht man verschiedene Farben.

Ganz rechts ein blaues Deutschland. Das heißt, bis in eine Schicht von 25 Zentimeter Tiefe ist pflanzenverfügbares Wasser vorhanden, davon auch reichlich. Links aber ist die Deutschlandkarte rot, speziell im Osten des Landes. Auf dem Gebiet von NRW ist die mehrheitlich gelb oder orange gefärbt, was bedeutet, dass in einer Bodentiefe von 1,80 Metern eine Dürregefahr besteht, also der Boden zu trocken ist.

„Man muss dabei betrachten, dass die Karte verzögert darstellt“, sagt Dr. Andreas Marx, er ist beim Helmholtz-Zentrum zuständig für den Dürremonitor. Also ist jetzt alles prima, die Wasserspeicher in den unteren Schichten sind aufgefüllt? Marx sagt, dass sich die Situation deutlich entspannt habe. In seinem Satz schwingt ein Aber mit.

Um zu erklären, wie das ist mit dem Wasser und dem trockenen Boden, benutzt er ein Bild aus der Küche. Wer Mehl in eine Schüssel tut und darauf Milch gießt, sieht die Milch nicht versickern. Er sieht eine Milchpfütze auf dem trockenen Mehl. Wird das Mehl geknetet und ist feucht, nimmt es deutlich besser weitere Flüsssigkeit auf. So ähnlich verhält es sich mit den Böden, wobei natürlich lehmige Böden Wasser anders aufnehmen und halten als etwa sandige.

Bäume haben massiv gelitten

Für die Gärten und flach wurzelnde Pflanzen sieht es im Moment wieder gut aus, doch erst, wenn es weiter feucht bleibt, könnte sich für die großen Wasserverbraucher, die Bäume, die Lage entspannen. Denn sie haben in den letzten zwei Jahren massiv gelitten.

Man kann das sehen, wenn man auf größere Fichtenschulen trifft. Tote Bäume, braun, ohne Nadeln. Ihnen haben die Trockenheit und dadurch resultierend Insekten zugesetzt. Dinge, gegen die sich Bäume, wenn sie genug Wasser haben, durchaus zur Wehr setzen können. Da das Wasser fehlte, konnten die Fichten kein Harz produzieren, an denen die Insekten in normalen Jahren kleben geblieben wären.

Folge der Trockenheit: Mehr Eichenprozessionsspinner

Ähnlich verhält es sich mit Pilzbefall, auch gegen den können sich gesunde und ausreichend gewässerte Bäume wehren. Wie auch gegen den Eichenprozessionsspinner. Dass die Abwehrkräfte der Bäume ein Problem hatten, konnte man 2018 und 2019 in vielen Ruhrgebietsstädten beobachten: Wegen des massiven Befalls mit Eichenprozessionsspinnern wurden ganze Parks oder auch Kindertagesstätten geschlossen.

„In NRW entspannt sich die Situation der Böden deutlich“, sagt Marx. Dennoch freue er sich über jedene einzelnen Tropfen.

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