Demonstranten zeigen klare Kante gegen „Massaker-Fabrik“ in Coesfeld

hzWestfleisch Coesfeld

Die Firma Westfleisch will ihren Großschlachthof im Coesfelder Ortsteil Stockum erweitern. Viele lokale und überregionale Initiativen haben zu einer Mahnwache gegen die Pläne aufgerufen.

von Von Christine Tibroni

Coesfeld

, 20.12.2019, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Konstantin stammt gebürtig aus der Ukraine, lebt seit ein paar Jahren in Coesfeld und arbeitet in der Nähe von Westfleisch. Und er fand gestern vor dem Rathaus deutliche Worte. „Wer sich einmal da hinstellt und sich anhört, was für ein Wahnsinn da passiert, der isst keine Wurst mehr. Die Schweine schreien. Die Angst der Tiere kann man riechen. Und diese Massaker-Fabrik soll erweitert werden? Sie sollte geschlossen werden“, forderte der junge Mann.

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Er erntete Applaus von geschätzten 200 Teilnehmern der Mahnwache gegen die geplante Westfleisch-Erweiterung in Coesfeld, an der sich ein breites Bündnis aus Parteien, Natur- und Tierschutzorganisationen, Klimaaktivisten und ganz normalen Bürgern aus Coesfeld und Umgebung beteiligte.

Kein stillschweigender Protest, wie bei Mahnwachen üblich. Viele nutzten die Gelegenheit, mahnende Worte zu sprechen. Hauptstoßrichtung: Die industrielle Fleischproduktion schadet den Tieren, der Umwelt und den Menschen. Und: Jeder einzelne ist aufgerufen, seinen Fleischkonsum drastisch zu reduzieren, besser noch komplett einzustellen.

Gewisse ethische Grundlage gefordert

Scharfe Kritik übten Rolf Müller (Arbeitskreis 9. November) und Barbara Sieverding (Parents for Future Coesfeld) an einer Äußerung von Ratsmitglied Thomas Stallmeyer (SPD), der im jüngsten Bauausschuss zum Thema Westfleisch-Erweiterung, darauf hinwies, dass es nicht um ethische Fragen, sondern um einen Bebauungsplan gehe. Der müsste nämlich für den Ausbau des Schlachthofes geändert werden. Sieverding: „Ich erwarte von den Politikern vor Ort und auf allen anderen Ebenen bei jeder Frage eine gewisse ethische Grundlage. Das kann doch nicht wahr sein, dass man das trennt.“

Petition soll in den nächsten Tagen auf den Weg gebracht werden

Während der Mahnwache tagte im Rathaus der Stadtrat, der unter anderem Westfleisch auf der Tagesordnung hatte. Die meisten Ratsmitglieder liefen eilig an den Demonstranten vorbei, einige blieben kurz stehen und hörten zu, nur zwei ergriffen das Wort. Unter anderem Erich Prinz von den Grünen: „Ich gehe da jetzt rein und sag Nein.“

Ihrem Nein wollen auch die Bürger Nachdruck verleihen, und zwar mit einer Petition, die in den kommenden Tagen gestartet werden soll.

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