Der Held von der A1: „Ich würde es nochmal so machen“

Auszeichnung

Ein Sattelzug rollt führerlos über die A1. Ein Autofahrer handelt selbstlos und bringt ihn zum Halten. Für seine Rettungsaktion wird er nun ausgezeichnet. Auch seine Frau war damals stolz - aber nicht nur.

Langenfeld

05.10.2020, 06:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Matthias Erdmann steht an seinem Auto, mit dem er einen Einsatz auf der Autobahn A1 vollbrachte und dafür von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag 6. Oktober 2020 mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wird.

Matthias Erdmann steht an seinem Auto, mit dem er einen Einsatz auf der Autobahn A1 vollbrachte und dafür von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag 6. Oktober 2020 mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wird. © picture alliance/dpa

Seine wagemutige Aktion machte ihn zum Helden: Mitten auf der Autobahn 1 kletterte Matthias Erdmann in einen unkontrolliert rollenden, führerlosen Lastwagen und brachte diesen zum Stehen. Knapp anderthalb Jahre später wird der Langenfelder nun offiziell für seinen mutigen Einsatz geehrt: Am Dienstag verleiht Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ihm die Rettungsmedaille des Landes. „Dass ich jetzt ein so großes Dankeschön der Gesellschaft erhalte, darüber freue ich mich sehr“, sagte der 44-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

An jenem Abend des 8. Mai 2019 ist Erdmann auf dem Weg zu seiner Nachtschicht in einem Wuppertaler Unternehmen. Bei Wermelskirchen sieht er vor sich plötzlich einen Lkw in langsamen Schlangenlinien über die Autobahn fahren. „Ich dachte, was treibt der denn da. Als ich auf gleicher Höhe war, schaute ich rüber zum Führerhaus - aber das war leer. Da musste ich doch irgendwas tun.“

Verkehrsteilnehmer hatten gefährliche Situation erkannt

Erdmann hält seinen Kleinwagen an und rennt zu dem Sattelzug, der mit einem Tempo von etwa 15 Stundenkilometern zwischen den Leitplanken der dreispurigen Fahrbahn hin- und her schlingert. Er zieht sich an der Beifahrerseite hoch - doch die Tür lässt sich nicht öffnen. Auch andere Verkehrsteilnehmer haben die gefährliche Situation erkannt und reagieren geistesgegenwärtig. Mehrere Zeugen wählen den Notruf.

Drei Lkw-Fahrer bremsen den nachfolgenden Verkehr aus und erzeugen einen künstlichen Stau. Durch die Rettungsgasse bahnt sich ein Streifenwagen einen Weg nach vorne. Die beiden Polizisten kommen Erdmann zur Hilfe, versuchen vergeblich, die Lkw-Scheibe mit einem Stativ einzuschlagen. Ein Zeuge reicht Erdmann schließlich einen Hammer. Er steigt auf die Stoßstange des Polizeiautos, zerdeppert von dort aus die Scheibe des Lkw, greift hinein und öffnet die Türverriegelung. Er zieht sich in die Kabine - dort liegt der Fahrer leblos zwischen den Sitzen. Erdmann tritt auf die Fußbremse und dreht den Zündschlüssel um.

„Sie hat geschimpft - und war gleichzeitig stolz auf mich“

Ein Notarzt kann dem Lkw-Fahrer nicht mehr helfen, er ist tot. Erdmann hat sich ein paar leichte Schnittwunden zugezogen, die er im Krankenhaus ambulant versorgen lässt. Dann fährt er mit Verspätung zu seiner Nachtschicht. Als er am nächsten Morgen nach Hause kommt, hat seine Frau schon in den Nachrichten von der spektakulären Rettungsaktion gehört - aber bis dahin nicht gewusst, dass ihr Mann damit zu tun hatte. „Sie hat geschimpft - und war gleichzeitig stolz auf mich“, erzählt Erdmann. „Meine Freunde und Bekannten haben mich gefragt, ob ich wahnsinnig bin.“

Unbekannte Menschen hätten ihm Dankesbriefe geschickt. Für Erdmann steht auch rückblickend fest: „Ich würde es nochmal so machen.“ Neben Erdmann werden auch die beiden Polizeibeamten mit der NRW-Rettungsmedaille ausgezeichnet, die drei helfenden Lkw-Fahrer erhalten eine öffentliche Belobigung. Denn ohne das selbstlose Handeln der sechs Männer hätte die Irrfahrt des „Geister-Lkw“ womöglich zu schweren Unfällen geführt, heißt es zur Begründung.

dpa

Lesen Sie jetzt